Stadtwerke investieren halbe Milliarde Euro: Rechnet sich das neue Kraftwerk in Düsseldorf?

Stadtwerke investieren halbe Milliarde Euro: Rechnet sich das neue Kraftwerk in Düsseldorf?

Die Energiewende und der sinkende Preis für Kohle machen viele Gaskraftwerke unrentabel. Manche müssen abgeschaltet werden. In Düsseldorf ist gerade ein neues Kraftwerk für eine halbe Milliarde Euro im Bau. Wie groß sind die Risiken?

Deutschlands Energiewende wird weltweit beachtet. Als erstes großes Industrieland wird die Bundesrepublik der Kernkraft Adieu sagen. Das wurde lange gefordert, oft gefürchtet und ist nahezu unumkehrbar. Der Plan: Langfristig sollen regenerative Energien - maßgeblich Sonne und Wind - den Bedarf decken. Als Übergangstechnologie sollen hocheffiziente und im Vergleich zu Braun- und Steinkohlekraftwerken sehr saubere Gaskraftwerke dienen. Doch inzwischen haben sich diverse Gaskraftwerksprojekte zu Investitionsruinen verwandelt. Manche Stadtwerke stehen daher vor dem Abgrund.

Der Regionalversorger HSE etwa hat am 1. August vergangenen Jahres ein hochmodernes Gasturbinenkraftwerk ans Netz genommen. Ganze zehn Stunden lieferte die Anlage 2013 Strom. 55 Millionen hatte der Mehrheitseigentümer Stadt Darmstadt investiert. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist in weite Ferne gerückt. Und man muss nicht nach Hessen schauen, um zu sehen, wie schwer die nicht rentablen Gaskraftwerke ins Gewicht fallen. Die Stadtwerke der Nachbarstadt Duisburg besitzen ein Kohle- und ein Gastkraftwerk - zusammen haben sie eine Leistung von 380 Megawatt. Doch speziell das Gaskraftwerk hat Probleme. 6000 Stunden müsste es pro Jahr produzieren, tatsächlich wird nur ein Drittel des kalkulierten Wertes erreicht.

Doch wo liegt das Problem der umweltfreundlichen Gaskraftwerke? Das Angebot an erneuerbaren Energien wächst rasant. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Doch wenn der Wind weht und die Sonne scheint, wird so viel Energie produziert, dass die Strombörsen geflutet werden und die Preise in den Keller fallen. Außerdem ist Kohle gerade extrem billig und lässt längst abgeschriebene Kohlekraftwerke plötzlich wieder wirtschaftlich werden.

Mit noch so modernen Gaskraftwerken zu produzieren macht dann wirtschaftlich keinerlei Sinn. Der Strom wäre teurer als der Marktpreis. Der Verlust wäre programmiert. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte zwischen 2005 und 2009 den Ausbau der Stadtwerke-Kraftwerke forciert. Sie sind für die Netzstabilität überlebenswichtig, wirtschaftlich sind sie oft nicht.

Ausgerechnet in dieser Situation bauen die Stadtwerke Düsseldorf selbst ein neues Gaskraftwerk auf der Lausward - und investieren rund eine halbe Milliarde Euro. Droht der wohlhabenden Stadt am Rhein eine ähnliche Investitionsruine wie Darmstadt oder Duisburg?

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Risikolos - das sei vorweg auch den vielen jubelnden Befürwortern des "Wunderkraftwerks" gesagt - ist das Investment keineswegs. Auch Düsseldorf wird sich darauf einstellen müssen, dass das Kraftwerk stundenweise stillsteht. Dann kostet es nur und bringt nichts. Doch Düsseldorfs Gaskraftwerk ist ein Unikum. Es gibt mindestens drei Elemente, die es einzigartig machen, und das stimmt guter Hoffnung, dass dieses Kraftwerk keine Investitionsruine wird.

Erstens: Das Düsseldorfer Kraftwerk liegt mitten in der Stadt. Hört sich nicht gerade gemütlich an, hat aber den Vorteil, dass die Stadtwerke ihren Strom nicht ins Hochspannungsnetz einspeisen, sondern in das eigene. Dadurch wird das Hochspannungsnetz entlastet - was nicht nur gut für die Kapazitäten ist, sondern den Stadtwerken in Form einer Entschädigung bares Geld bringt. Zweitens: Das Lausward-Kraftwerk soll das effizienteste der Welt sein. Wirkungsgrad: 61 Prozent. Das ist allein kein Garant für Erfolg: Das Eon-Kraftwerk Irsching kommt fast an diese Werte heran; trotzdem würde es der Versorger wohl lieber heute als morgen abschalten, denn es kann nicht kostendeckend produzieren. Droht in Düsseldorf das gleiche Szenario? Eher nicht. Denn das Irsching-Kraftwerk liegt auf der grünen Wiese, das Lausward-Kraftwerk fast im Stadtzentrum. Per Fernwärme wird das linksrheinische Düsseldorf inklusive der neuen Vodafone-Zentrale geheizt. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit enorm.

Drittens: Das Lausward-Kraftwerk braucht keine teuren Kühltürme. Weil es direkt am Rhein liegt, kann der große Strom zur Kühlung genutzt werden. Als Nebeneffekt bleibt sogar der Düsseldorfer Hafen bis 25 Grad Minus eisfrei.

Heißt das jetzt, alle anderen Betreiber von Gaskraftwerken sind Deppen und nur in der NRW-Landeshauptstadt wurde alles richtig gemacht? Nein. Düsseldorf hat viel Glück gehabt mit dem Standort. Und das ist nicht einmalig. Gar nicht weit entfernt entsteht ein Gaskraftwerk mit denselben Vorteilen wie hier. Es heißt Niehl 3 und steht ausgerechnet in Köln.

(RP)
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