Oft sieht man nur ein leeres Pult: Ratssitzung erstmals live im Internet

Oft sieht man nur ein leeres Pult : Ratssitzung erstmals live im Internet

Eine Ratssitzung ist eigentlich öffentlich. Wenn sie aber im Internet gezeigt werden soll, ist die Sache nicht mehr so einfach. Die Zuschauer erlebten deshalb bei der Premiere über weite Strecken ein Hörspiel mit Standbild.

Sie sahen immer nur ein Rednerpult vor holzvertäfelter Wand, und das war oft leer. Manchmal streckte sich eine Hand ins Bild, bei einer Schweigeminute erkannte man die Hinterköpfe der SPD-Fraktion, die sich erhoben hatte. Nur wenn jemand ans Pult trat, kam Leben in die Aufnahme.

Der Grund sind die strengen Regeln, die die Ratsmitglieder beschlossen haben, obwohl sie den Internet-Stream selbst wollten. Viele sind skeptisch: Sieben Mitglieder widersprachen, dass ihre Reden übertragen werden, darunter Michael Latka und Monika Lehmhaus (beide FDP). Als sie redeten, ging die Kamera aus. Sie darf immer nur auf das Pult gerichtet bleiben. Wenn zum Beispiel der Vorsitzende redet, sieht man ihn nicht. Die Bilder werden außerdem nicht gespeichert.

Das alles mag dem Datenschutz dienen — als Zuschauer fragt man sich, was es soll. Eine Ratssitzung mit ihren vielen Stunden voller Anträge, Gegenanträge, Anfragen, Nachfragen und so weiter ist schon vor Ort nicht die kurzweiligste Veranstaltung. Die karge Übertragung ist harte Kost. Zuschauerzahlen nannte die Stadt nicht.

Wenn der Rat schon Wege sucht, Politik besser zu vermitteln: Warum nutzt er nicht die Möglichkeiten des Mediums? Warum lassen sich nicht wichtige Debatten nachhören? Warum zeigt die Kamera nicht den Saal? Vielleicht bessert der Rat im Sommer nach, nach der Testphase, und lässt zeigen, was auch Besucher vor Ort sehen. Im nicht-öffentlichen Teil wird sowieso nicht gefilmt.

Eine erste Folge des Streams war schon zu beobachten: Die Grüne Mona Neubaur schickte nach einer Rede von Elbers sofort eine Stellungnahme — aus Berlin. Sie hatte am Computer zugehört.

(RP/jco)
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