Karneval in den Stadtteilen Karneval für den schmalen Geldbeutel

Düssseldorf · Mit dem „Närrischen Nachmittag“ eröffneten die Rather Karnevalisten am Samstag ihre Session. Neu ist neben dem frisch renovierten Pfarrsaal auch der Präsident der Aape. Das Programm ist vorwiegend hausgemacht.

 Wenn die Garde beim Närrischen Nachmittag der Rather Aape in den Pfarrsaal einzieht, ist die Stimmung schnell auf dem Höhepunkt.

Wenn die Garde beim Närrischen Nachmittag der Rather Aape in den Pfarrsaal einzieht, ist die Stimmung schnell auf dem Höhepunkt.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Zwar sei seine Nacht nach eigener Aussage noch „ziemlich unruhig“ gewesen. Doch spätestens zum Einmarsch in den Bürgersaal St. Josef schien die Nervosität bei Tobias Glöck wie weggeblasen. Die erste Begrüßung der Ehrengäste, das erste dreifache Helau, die erste Ordensverleihung – das Zeremoniell der Sitzungseröffnung zum „Närrischen Nachmittag“ absolvierte der neue Karnevalspräsident der Rather Aape am Samstag souverän. Ganz unerfahren im Leiten und Eröffnen großer Veranstaltungen ist Glöck aber auch nicht. Als Geschäftsführer des Bürger-Schützenvereins ist er im Rather Winter- wie Sommerbrauchtum dabei gleichermaßen in Verantwortung. Trotzdem richtete der mit 26 Jahren jüngste unter den Oberjecken der Landeshauptstadt zu Beginn erst einmal entschuldigende Worte an den nicht ganz ausverkauften Saal. „Es könnte heute noch einiges in die Hose gehen. Ertragt es bitte mit mir gemeinsam.“ Doch lediglich Technik und Akustik ließen den jungen Präsidenten einige Male im Stich. Ansonsten glückte der Auftakt der Rather Karnevalisten in die heiße Phase der Session vollends.

Dabei feierte Rath an diesem Wochenende nicht nur „das Leben“, wie es gemäß dem städtischen Motto in den kommenden Wochen vielerorts getan wird. Auch der frisch renovierte Pfarrsaal, wichtigster Versammlungsort der Aape, erstrahlte im neuen Glanz. Zur eigentlich angedachten Neuauflage im vergangenen Jahr wäre dieser noch gar nicht fertig geworden, ehe das Virus der Session ohnehin einen Strich durch die Rechnung machte. Nun ließen der weiße Anstrich und die neue Beleuchtung die vormals dunkle Holzvertäfelung genauso in Vergessenheit geraten, wie auch die karnevalistisch finsteren Tage während der Pandemie.

Farbenfroh gekleidet war auch das Publikum der Nachmittagssitzung, unter denen vier Damen besonders herausstachen. Susann Heidkamp, Christiane Oeding, Anja Minski und Doris Gielissen hatten auf ihren knallig-bunten Kostümen gleich die ganze Düsseldorfer Skyline nebst Radschläger verewigt. Der „Närrische Nachmittag“ ist für die vier Ratherinnen der traditionelle Einstieg in die Session. Bis zu diesem Tag müssen die jährlich wechselnden Gruppenkostüme stehen, an denen ab Oktober geschneidert wird. „Wir kommen jedes Jahr hierhin. Besonders gut gefällt uns die familiäre Atmosphäre“, sagt Gielissen.

Die ist auch das Kernziel des „Närrischen Nachmittags“: eine Veranstaltung für Jung und Alt, die nicht zu spät endet und trotzdem reichlich Programm bietet. Die junge Fraktion kam an diesem Wochenende dabei vor allem aus den Reihen der Aape selber. Denn die Situation bei der Jugend sei aktuell „prächtig“, wie die langjährige Jugendbetreuerin und heutige Ehrenvorsitzende Ellen Schlepphorst bestätigt. So sind Fahnenschwenker Jan (11) und Dominik (10) Teil einer großen Gruppe von Pagen, während Cindy (21) und Julia (17) mit drei weiteren die Tanzgarde bilden. „Das Schönste daran ist, wie viel Lob wir für unsere eigenen Choreografien bekommen. Dann nimmt man gerne in Kauf, dass die Wochenenden zu dieser Jahreszeit mit Auftritten voll sind“, sagt Tanzleiterin Cindy.

Ein Höhepunkt der Sitzung war wiedermal der Auftritt des Männer- und Frauenballetts Aape Allstars, die zu diesem Anlass gerne die Rollen tauschen. Ansonsten sorgten der „Hausmeister von nebenan“ Winfried Ketzer, Heinz Hülshoff und Et Zweijestirn für viele Lacher aus der Bütt. Zehn Euro pro Eintritt und 2,20 Euro für das Glas Alt sind in diesen Zeiten zudem keine Selbstverständlichkeit. „Das war uns aber ganz wichtig. Wir wollen die Treue derjenigen belohnen, die nach der Pause trotzdem wieder zu uns gekommen sind. Auch wenn der Verein am Ende den ein oder anderen Euro drauflegen muss“, sagt Glöck. Ob sich diese Preise halten lassen, könne er jedoch nicht versprechen.

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