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Nach Erwins Tod: Rathaus: Das große Aufräumen

Nach Erwins Tod : Rathaus: Das große Aufräumen

Nach dem Tod von OB Erwin wird derzeit sein Büro aufgelöst. Bis zur Neuwahl, wie es offiziell heißt, damit der Nachfolger sich sein eigenes Team zusammenstellen kann. Drei Beigeordnete ziehen dabei die Fäden.

Es läuft in diesen Tagen manches anders im Rathaus als man es bisher kannte. Wie neulich im Bauausschuss. Es ging um LED-Leuchten, um Anwohnerbeiträge und einige offene Fragen. Andrea Blome, Leiterin des zuständigen Amts für Verkehrsmanagements, hatte nicht gleich eine Antwort parat. Doch aus dem Gremium sprang ihr diesmal niemand zur Seite: Stadtplanungsdezernent Gregor Bonin nicht, der Ausschussvorsitzende Friedrich Hassbach nicht und auch sonst niemand aus den Reihen der CDU. Eine bislang unübliche Situation.

Nicht jedoch, wenn man weiß, dass Blome zu den Vertrauten des verstorbenen OBs Erwin gehörte und dass sie sich — unabgesprochen — auf die Beigeordnetenstelle beworben hatte, die für Bonin vorgesehen war und die er auch bekam. Um ihren Amtsleiterposten muss Blome wohl nicht bangen. Ihr Chef ist der Beigeordnete Werner Leonhardt — und mit dem könne sie inzwischen ganz gut, ist zu hören. Weniger gut kann Leonhardt allerdings mit seinem Kollegen Bonin.

Der wiederum hat gerade Frank Buchwald, dem Leiter des Amts für Immobilienmanagement, innerhalb der sechsmonatigen Probezeit gekündigt. Weil der Kölner von Erwin gegen Bonins Willen auf den Posten gesetzt worden sei. Einen ähnlichen Fall gibt es im Ressort von Leonhardt: Nicole Süring, zuvor im OB-Büro unter anderem für Mode zuständig, war bereits als Leiterin des Ordnungsamts auserkoren. Dann klagte ein Mitbewerber, Leonhardts Mitarbeiter Michael Leye, gegen die seiner Ansicht ungerechte Stellenbesetzung und bekam Recht: Die Stelle muss vermutlich neu ausgeschrieben werden. Seit kurzem ist Leye Vize-Direktor der VHS — und das ist keine Degradierung. Was aus Süring wird, ist unklar.

Erwins Stab: 82,98 Stellen

Das Machtvakuum bis zur Neuwahl macht die Spitzen der Stadtverwaltung also ohne Frage mächtiger. Zwar wird keine Amtsleiterstelle besetzt, aber doch an mancher Schraube gedreht. Vor einigen Tagen soll es zudem ein Treffen aller Beigeordneten im allerkleinsten Kreis gegeben haben, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Vor allem ein Trio soll die Fäden in der Hand halten: Stadtdirektor Helmut Rattenhuber, bis zur Neuwahl Chef der Verwaltung, Werner Leonhardt, unter anderem Dezernent für Recht und Ordnung, sowie Wilfried Kruse, in dessen Verantwortung der in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtige Bereich Personal fällt.

Aufgeräumt wird vor allem im OB-Büro. Das ist zunächst naheliegend, denn bis zum Amtsantritt des Nachfolgers ist ein Teil dieses Bereichs ohne Aufgabe. 89,28 Stellen zählt Erwins Stab — von Presseamt und Frauenbüro über die Bezirksverwaltungsstellen bis hin zu den gefürchteten Spiegelreferenten, die manchem Beigeordneten in die Zuständigkeit hineinregierten.

Die meisten aus dieser Mannschaft werden jetzt wieder auf die Dezernate verteilt. Nur vorübergehend, wie heftig wird, damit der neue OB das Team neu sortieren könne. Zudem stehe dem Nachfolger ja frei, die bisherigen Mitarbeiter wieder zurückzuholen oder zu behalten.

Damit kann Christina Begale gewiss nicht rechnen. Sie war die engste Mitarbeiterin Erwins, leitete das OB-Büro. Dort will sie auch bleiben. Obwohl mancher sie lieber im "wohlvedienten" Urlaub sähe. Etliche Überstunden, habe Begale ja auch noch. Ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl.

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(RP)