Ramadan in Düsseldorf: So läuft's in Restaurants, Schulen und Unternehmen

Restaurants, Schulen, Unternehmen : So läuft es in Düsseldorf mit dem Ramadan

Viele Muslime in Düsseldorf halten gerade die Fastenzeit ein. Das hat Auswirkungen – zum Beispiel auf die Gastronomie, aber auch auf Unternehmen und Schulen. Eine Schulleiterin sagt, es werde immer früher gefastet.

Wie viele Muslime es in Düsseldorf genau gibt, kann auch die Stadtverwaltung nicht sagen. Bundesweit sollen es dem Innenministerium zufolge fünf bis sechs Prozent der Gesamtbevölkerung sein. Demzufolge leben mindestens 30.000 Muslime in der Landeshauptstadt. Die meisten von ihnen fasten seit Anfang der Woche. Bis 4. Juni verzichten sie zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke. Das hat auch Auswirkungen aufs Stadtleben.

Gastronomie „Liebe Gäste, das La Grilladine bleibt bis 10.06.2019 wegen Ramadan geschlossen“, steht auf einem Zettel am Schaufenster des Restaurants am Dreiecksplatz in Oberbilk. Inhaber Badr Haddad steigt gerade ins Auto. „Ich genieße die Zeit des Ramadan mit meiner Familie“, sagt er. „Vielleicht würde es sich ohnehin nicht lohnen, geöffnet zu haben – obwohl mich meist viele in dieser Zeit anrufen, ob ich nicht doch aufmachen kann.“ So wie er hält es auch Mohammed Hackershoff, der in der Linienstraße das Restaurant Marrakesch betreibt. „90 Prozent unserer Kunden sind Muslime“, sagt er. „Öffnen im Ramadan lohnt sich nicht.“ Im Fenster des Grill-Restaurants gegenüber hängt ein Schild: „Heute Ruhetag“. Doch der ist eigentlich montags – wahrscheinlich hängt das Schild noch ein paar Wochen dort.

Händler Majid Kannani vor seinem Laden in Oberbilk. Es fällt ihm nicht schwer zu fasten – obwohl er von Lebensmitteln umgeben arbeitet. Foto: Helene Pawlitzki

Lebensmittelhandel Majid Kannani hat gute Laune – obwohl er seit dem Morgengrauen nichts mehr zu sich genommen hat. „Wir sind das von klein auf gewohnt“, sagt der Inhaber des Nador-Markts an der Linienstraße. Im Ramadan kaufen die Menschen seiner Beobachtung nach ganz normal ein. „Wir machen etwas mehr Umsatz, weil alle hungriger sind“, sagt er und lacht. Besonders Datteln gehen viel über die Ladentheke – sie sind traditionell die Speise zum Fastenbrechen. Auch Bäcker Mohammed Zarioh hat kein Problem mit der Fastenzeit – auch wenn es den ganzen Tag nach frischen Backwaren duftet. „Hier riecht es ja immer so“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Schulen „Das Thema Ramadan beschäftigt uns in höchstem Maße“, sagt Regine Brochhagen-Klein, Leiterin der Joseph-Beuys-Gesamt­schule in Oberbilk. „Einige Schüler sind sehr blass, verzichten sogar auf das Trinken, andere wollen in dieser Zeit nicht schwimmen.“ An ihrer Schule haben mehr als die Hälfte der Schüler Migrationshintergrund. Auch bei den mündlichen Abiturprüfungen führe eine zu strikte Einhaltung von Fastenregeln immer wieder zu Problemen. „Wir sehen dann, dass ein Prüfling sich nicht wirklich konzentrieren kann“, berichtet die Pädagogin. Dabei komme der Druck bei diesem Thema nicht unbedingt aus dem Elternhaus. Noch wichtiger sei der Einfluss  Gleichaltriger oder etwas Älterer. „Die meisten wollen sich an die Gebote halten. Wer sich anders entscheidet, braucht ein sehr gutes Selbstbewusstsein“, sagt die Pädagogin.

Ihrem Eindruck nach wird zunehmend früher gefastet. „In der sechsten oder siebten Klasse geht’s richtig los.“ Von Fastenverboten hält Brochhagen-Klein nicht viel. „Die Akzeptanz des Andersartigen zählt zu meinen Grundsätzen.“ Letztlich sei es eine Entscheidung der Jugendlichen und ihrer Familien, wie sie mit dem Thema Fasten umgehen.

Auf Dialog setzt auch Birgit Nösser, kommissarische Leiterin der Holthausener Adolf-Klarenbach-Grundschule. Dort geht es weniger um die noch jungen Schüler, sondern um die fastenden Eltern. „Wir haben am 24. Mai einen Sponsorenlauf mit Mittags-Picknick und kurz überlegt, das Ganze auf die Zeit nach dem Ramadan zu verlegen, weil rund 70 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben“, sagt die Pädagogin. Am Ende habe man sich aber darauf verständigt, den Lauf wie geplant im Mai stattfinden zu lassen.

Wirtschaft Bei Klüh geht man auf die Bedürfnisse gläubiger muslimischer Mitarbeiter ein und setzt gegebenenfalls zusätzliche Mitarbeiter ein. Vodafone bietet die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten und bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit im Home Office zu bewerkstelligen. Bei der BASF in Holthausen können die Beschäftigten ihre Kurzpausen selbst einteilen und diese dann zum Fastenbrechen nutzen. Am Flughafen werden individuelle Absprachen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern getroffen, ebenso wie im Handwerk.

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