Radfahrer in Düsseldorf, werdet endlich erwachsen

Kolumne: „Die Woche in Düsseldorf“: Radfahrer, werdet endlich erwachsen!

Viele Radfahrer halten sich nicht an die einfachsten Verkehrsregeln. Warum eigentlich? Das fragt sich unser Autor, der täglich mit dem Rad in Düsseldorf unterwegs ist.

Kürzlich fuhr vor mir eine Frau auf einem nicht ganz billigen Hollandrad. Sie war schätzungsweise Mitte 40 und sah aus wie eine etwas strenge Grundschullehrerin. Es war Abend und nicht mehr viel Verkehr. Sie schaute am Wehrhahn kurz nach links und rechts – und fuhr ohne abzubremsen über die Kreuzung, eine der gefährlichsten der Stadt. Dass die Ampel auf rot stand, nahm sie eher beiläufig zur Kenntnis.

Da habe ich mich wieder gefragt, wie es zu dem großen Missverständnis in der Entwicklung des Radverkehrs gekommen ist: Viele Radfahrer sind felsenfest davon überzeugt, dass die Verkehrsregeln für alle, nur nicht für sie gemacht wurden. Sie ignorieren Ampeln, sind gegen die Fahrtrichtung unterwegs oder wechseln zwischen Bürgersteig und Fahrbahn, wie es ihnen passt. Menschen, die sonst nachweislich in der Lage sind, sich an Vorschriften zu halten, missachten auf dem Rad gewohnheitsmäßig die Regeln des Straßenverkehrs und der Vernunft.

Diese kollektive Anarchie betrifft auch die Ausrüstung: Nicht wenige, die wie selbstverständlich Tausende Euro in ihre Autos stecken, fahren mit dem Rad selbst an dunkelsten Herbstabenden ohne Licht oder nur mit der billigsten Funzel – obwohl sie selbst wissen müssen, dass sie für Autofahrer nicht zu sehen sind. Und mit Fahrradhelm fühlen sich sogar Leute, denen ihr Äußeres sonst nicht allzu viel bedeutet, so entstellt, dass sie nie einen tragen würden.

Die Folgen sind dramatisch

Mit Logik ist das nicht zu erklären. Ich habe eine Freundin, die viel Zeit und Geld in ihre Ernährung steckt, weil sie Angst hat, dass Massentierhaltung und Pestizide auf lange Sicht ihren Körper schädigen könnten. Um dann regelmäßig ohne Helm und mit gewagtesten Manövern durch die Stadt zu radeln.

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Die Folgen dieser kollektiven Unvernunft sind dramatisch. Wir mussten in den letzten Jahren über viele schwere, manchmal tödliche Unfälle in Düsseldorf schreiben, leider häufen sie sich wieder in den letzten Wochen. Ein SUV-Fahrer wird durch viel Blech geschützt, ein Unfall mit dem Rad endet schnell fatal. Und oft deutet vieles darauf hin, dass die Radfahrer schuld waren – oder bei besserer Ausrüstung glimpflich davon gekommen wären.

Warum ist das unter den Radfahrern so selten Thema? Sonst haben die Liebhaber dieses Verkehrsmittels ja durchaus ein gesundes Sendungsbewusstsein. Niemand bestreitet, dass sie besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer sind. Es ist daher wichtig, dass auch in Düsseldorf noch viel mehr Gefahrenstellen entschärft werden. Warum aber bringen sich ausgerechnet die Radfahrer selbst so oft in Gefahr?

Eine Bande von Gesetzlosen

Vielleicht erklärt sich das so: Für viele Jahrzehnte schien das Rad höchstens gedacht für Ausflüge ins Grüne oder für Studenten auf dem Heimweg aus der Kneipe. Als echtes Verkehrsmittel galt es nicht, schon gar nicht für Stadtplaner. Wer so sehr vergessen wird, muss auch keine Order befolgen, werden sich die Radfahrer gedacht haben. Und haben sich zu einer Bande von Gesetzlosen entwickelt.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Inzwischen gilt das Rad als Zukunftstechnologie für Großstädte – und das nicht ohne Grund. Für kurze Strecken ist es oft sogar praktischer als das Auto, umweltfreundlicher sowie. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die Radfahrer endlich erwachsen werden.