Düsseldorf: Radfahren: Stadt muss sich rüsten

Düsseldorf : Radfahren: Stadt muss sich rüsten

Der Anteil der Fahrradfahrer wird in den nächsten Jahren rasant steigen, auch durch die zunehmende Verbreitung von Elektro-Rädern. Das wird besonders für Düsseldorf eine Herausforderung. Für OB Dirk Elbers (CDU) eine Chance, Zeichen zu setzen – und den Grünen ein Thema zu nehmen.

Der Anteil der Fahrradfahrer wird in den nächsten Jahren rasant steigen, auch durch die zunehmende Verbreitung von Elektro-Rädern. Das wird besonders für Düsseldorf eine Herausforderung. Für OB Dirk Elbers (CDU) eine Chance, Zeichen zu setzen — und den Grünen ein Thema zu nehmen.

Dieser Trend ist gewünscht und ohnehin nicht zu verhindern: Immer mehr Düsseldorfer steigen nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Alltag aufs Fahrrad. Wie viele es in absoluten Zahlen sind, hat bisher noch niemand erhoben. Fest steht aber, dass derzeit etwa zwölf Prozent aller zurückgelegten Strecken in der Stadt mit dem Rad gefahren werden.

Fest steht auch, dass dieser Anteil deutlich steigen wird. Wie schnell und wie hoch — darüber gehen die Meinungen auseinander: Die Grünen glauben, dass in einigen Jahren 25 Prozent aller Fahrten per Rad zurückgelegt werden. Das ist auch das Ziel der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte", der Düsseldorf seit 2007 angehört. Dennoch geht das Rathaus in seinem Klimaschutzprogramm lediglich von 16 Prozent aus.

Das könnte sich rasch als Trugschluss erweisen. Denn Experten rechnen damit, dass Elektro-Räder (E-Bikes) und so genannte Pedelecs — elektrisch unterstützte Fahrräder — bald zum Massen-Verkehrsmittel werden: Sie sind interessant für Geschäftsleute, die nicht schweißgebadet zum Termin kommen wollen, aber auch für ältere Bürger — deren Anteil im demografischen Wandel ebenfalls steigt.

Nicht nur die Masse wird zur Herausforderung, auch das Tempo, das die neue Technologie möglich macht: E-Bikes können bis zu 45 Stundenkilometer schnell sein und werden vom Gesetzgeber wie Kleinkrafträder behandelt. Pedelecs, bei denen die Elektrik das Radeln unterstützt, erreichen bis zu 25 Stundenkilometer, dann schaltet sich der Motor ab. Sie werden als Fahrräder eingestuft, dürfen auf Radwegen fahren; für sie gilt weder Helm- noch Kennzeichnungspflicht.

Auf all das muss sich die Stadt einstellen, zumal Düsseldorf bereits jetzt von konventionellen Alltags-Radlern als nicht gerade fahrradfreundlich empfunden wird. Für Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) liegt darin eine große Chance: Er könnte sein Profil als Klimaschützer schärfen, bei Wählern punkten (Radfahren ist längst auch der bürgerlichen Klientel ein Anliegen) und elegant ein Stamm-Thema der Grünen besetzen. Folgende Weichen muss er stellen:

Allgemein Viele Jahre wurden die Autofahrer in Düsseldorf klar bevorzugt. Fahrradfahrer müssen aber als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer gesehen werden — mit allen Rechten und Pflichten. Der Radverkehr ist auch beim Einrichten von Baustellen gleichberechtigt zu berücksichtigen. Das ist bisher immer noch die Ausnahme.

Radwegenetz Düsseldorf braucht ein gesamtstädtisches Konzept, darf nicht nur an einzelnen Stellen flicken. Radfahrern muss es möglich sein, sich ohne große Umwege sicher durch die gesamte Stadt zu bewegen. Nur dann ist das Fahrrad auch wirklich eine Alternative zum Auto. Lücken wie bei der Verbindung aus den östlichen Stadtteilen ins Zentrum müssen konsequent geschlossen werden. Auf Hauptstraßen müssen Radwege eingerichtet werden — auf der Fahrbahn, nicht auf dem Bürgersteig, wo es zu Konflikten mit Fußgängern kommt. Ist das nicht möglich, sollte die Stadt die Pflicht zur Benutzung von Radwegen aufheben.

Express-Routen Es muss nicht die Maximal-Forderung der Grünen sein, ganze Fahrspuren für den Radverkehr freizugeben (z.B. Berliner Allee). Die Stadt kommt aber wegen des Pedelec-Trends nicht umhin, attraktive Trassen für Schnellfahrer einzurichten.

Kontrollen Das Parken auf Radwegen muss konsequent geahndet werden. Nur so gelingt ein Bewusstseinswandel bei Autofahrern.