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Rachel Salamander erhält in Düsseldorf den Heine-Preis - Steinmeier hält Rede

Würdigung von Bundespräsident Steinmeier : Rachel Salamander in Düsseldorf mit Heine-Preis ausgezeichnet

Die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander ist für ihre Verdienste um die deutsch-jüdische Literatur mit dem Heine-Preis 2020 der Stadt Düsseldorf geehrt worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die 72-Jährige am Sonntag.

 In seiner Laudatio sagte Steinmeier,  Rachel Salamander sei „eine der bedeutendsten Ermöglicherinnen des deutschen Geisteslebens der letzten Jahrzehnte“. Sie habe ihr Leben „der immer neuen Vergegenwärtigung jüdischer Kultur“, vor allem der Literatur, gewidmet. Mit ihrer Fachbuchhandlung schaffe sie Zugänge zu geistigen Neuheiten oder vergessenem, verdrängtem geistigem Erbe. Der mit 50.000 Euro dotierte Heine-Preis gehört zu den bedeutendsten Literaturpreisen in Deutschland.

Salamander habe „uns in Deutschland Türen geöffnet in die Welt der deutschen jüdischen Kultur, die wir als einen Teil unserer verlorenen Heimat, unserer gemeinsamen geistigen und kulturellen Herkunft erkennen und wiederentdecken konnten“, sagte Steinmeier. Unermüdlich und unbeirrbar halte sie so ein ganz besonderes Erbe jüdischer Kultur lebendig. „Die 'jüdische Welt von gestern', die sie uns vorgestellt hat, ist keine fremde Welt, sie ist unsere gemeinsame Herkunft, unsere gemeinsame Heimat“, betonte der Bundespräsident. Die deutsch-jüdische Kultur sollte auch „nicht nur als Teil unserer Vergangenheit, sondern als Teil unserer Gegenwart und unserer Zukunft“ begriffen werden.

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Steinmeier rief auch zur Bekämpfung von Antisemitismus auf. Die Erschütterung über die „Erscheinungsformen eines aktuellen Hasses“ müsse „uns alle erfassen, nur dann kann sie uns alle verbinden“, sagte er. „Wir sind verpflichtet zur Gegenwehr - nicht nur jeder für sich, sondern wir miteinander und füreinander.“

In der Begründung der Heine-Preis-Jury wird neben Salamanders Beitrag zum Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland auch hervorgehoben, dass sie sich „ganz im Sinne Heinrich Heines für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus“ einsetze. Salamander selbst nannte den Dichter Heinrich Heine (1797-1856), nach dem der Literaturpreis benannt ist, einen der „Götter im Literaturhimmel“, der „prototypisch für die moderne jüdische Existenz“ sei.

Rachel Salamander wurde 1949 in einem Camp für Überlebende des Holocausts in Deggendorf geboren. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Romanistik und beschäftigte sich intensiv mit deutsch-jüdischer Literatur und Geschichte. 1982 eröffnete sie in München eine Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum, mittlerweile gibt es Filialen ihrer „Literaturhandlung“ in acht Städten. Salamander war unter anderem Herausgeberin der „Welt“-Literaturbeilage „Literarische Welt“ und arbeitete für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Seit 2015 ist sie Aufsichtsratsmitglied im Suhrkamp Verlag. Für ihr Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 2009 das Bundesverdienstkreuz.

Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literaturpreisen in Deutschland und wird seit 1972 verliehen. Zu den Preisträgern zählen Carl Zuckmayer, Sebastian Haffner, Walter Jens, Max Frisch, Richard von Weizsäcker, Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek, Amos Oz und Jürgen Habermas. Die ursprünglich für den 13. Dezember 2020, Heines Geburtstag, geplante Preisverleihung war wegen der Corona-Pandemie verschoben worden.

(bsch/epd)