Interview mit Düsseldorfer Initiator: "Pulse of Europe" will laut werden für Europa

Interview mit Düsseldorfer Initiator: "Pulse of Europe" will laut werden für Europa

Am Sonntag demonstrieren die Europa-Fans von "Pulse of Europe" wieder auf dem Burgplatz in Düsseldorf – und in über 50 anderen europäischen Städten. Wir haben mit dem Düsseldorfer Initiator über Charakter und Ziele der Demos gesprochen.

Am Sonntag demonstrieren die Europa-Fans von "Pulse of Europe" wieder auf dem Burgplatz in Düsseldorf — und in über 50 anderen europäischen Städten. Wir haben mit dem Düsseldorfer Initiator über Charakter und Ziele der Demos gesprochen.

Bernd Fröhlich heißt der Mann, ist 47 Jahre alt, Unternehmer und gebürtiger Darmstädter, der seit zehn Jahren in Düsseldorf lebt. Bei einer Veranstaltung in Frankfurt lernte er "Pulse of Europe" kennen und brachte es an den Rhein. Die Idee: Jeden Sonntag um 14 Uhr treffen sich Menschen an zentralen Plätzen und demonstrieren für den europäischen Gedanken.

Herr Fröhlich, Geert Wilders hat bei der Parlamentswahl in den Niederlanden deutlich schlechter abgeschnitten als erwartet. Können die Teilnehmer von "Pulse of Europe" das als Erfolg verbuchen und am Sonntag zu Hause bleiben?

Der Düsseldorfer Organisator Bernd Fröhlich. Foto: Bernd Fröhlich

Bernd Fröhlich Gerade erst letzten Sonntag war das Motto von "Pulse of Europe" in Düsseldorf "Niederlande". Es war uns extrem wichtig, den Niederlanden - wo ja auch "Pulse of Europe"-Veranstaltungen stattfinden - zu sagen, dass wir uns genau so ein Wahlergebnis wünschen, wie es jetzt eingetreten ist: dass Wilders nicht vorne liegt und den Regierungsauftrag nicht bekommt. Die Bewegung ist deswegen aber noch lange nicht am Ende. Die noch wichtigere Wahl findet ja am 23. April in Frankreich statt und da ist es relativ sicher, dass Marine Le Pen zumindest in die Stichwahl kommt.

Warum stellen sich die Teilnehmer von "Pulse of Europe" am Sonntag auf den Burgplatz und demonstrieren für Europa?

Fröhlich Wir wollen erreichen, dass wir laut sind in einer Bewegung, die für etwas ist - nämlich für Europa, für die Europäische Union. Wir sehen extreme Vorteile in den über 70 Jahren europäischer Gemeinschaft. Das allerhöchste Ziel, das erreicht wurde, ist der Frieden, den wir in Mitteleuropa haben. Der soll erhalten bleiben und nicht durch Austritte wie den Brexit oder angedrohte Austritte wie in den Niederlanden durch Geert Wilders oder wie in Frankreich durch Le Pen gefährdet werden. Wir sind für Europa und seine Werte. Das ist nicht selbstverständlich, das muss man immer wieder betonen. Ich glaube, das wird viel zu wenig getan.

Im Zeitalter von Digitalkampagnen, Web-Netzwerken und Flashmobs wirkt eine klassische Demonstration ja fast ein bisschen altmodisch.

Fröhlich Wer "Pulse of Europe" als altmodisch abtut, war noch nicht da. Der Charme unserer Veranstaltungen liegt in der Atmosphäre - und die ist sowas von positiv. Da kommen Kinder mit selbstgemalten Europa-Emblemen, da sprechen ganz normale Bürger, keine Politiker. Die Demonstrationen dauern knackig eine Stunde. Am Schluss bilden alle eine Menschenkette und nehmen sich an den Händen, während die Europa-Hymne spielt. Da merkt dann jeder: Ja, stimmt! Das ist etwas positives. Das ist Europa! Ich bin an der Menschenkette vorbeigelaufen und habe gesehen, wie die Menschen lachen und wie toll sie eine Veranstaltung finden, die absolut friedlich ist. Das können Sie über die neuen Medien meiner Ansicht nach so nicht transportieren.

Wie kommt dieser besondere Charakter zustande?

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Fröhlich Es ist eine Veranstaltung von Bürgern für Bürger. Wir sind keine Profis, und wollen das auch nicht sein. Es gibt ein offenes Mikrofon. Jeder, der mag, kann erzählen, was er mit Europa erlebt hat. Das kann eine ältere Dame sein, die den Krieg erlebt hat. Oder eine junge Bulgarin mit Kind, die von ihren Eltern weiß, wie es ist, wenn die Grenzen nicht offen sind. Wer etwas sagen will, sollte sich einfach kurz anmelden. Wir wollen nur keine parteipolitischen Statements - auch wenn schon viele Politiker angefragt haben, ob sie sprechen dürfen - und keinen Radikalismus.

"Pulse of Europe" ist international aufgestellt - aber in Deutschland gibt es wesentlich mehr Städte, die mitmachen, als beispielsweise in Frankreich, Großbritannien oder Österreich. Woran liegt's?

Fröhlich Die Bewegung kommt ja aus Frankfurt. Da waren dann Leute wie ich zu Gast. Ich habe gesagt: Das muss nach Düsseldorf! Wir sind Landeshauptstadt, wir haben 600.000 Einwohner. So ähnlich haben Menschen aus Köln, Berlin, Hamburg gedacht. Dann kamen kleinere Städte dazu, wie etwa Krefeld. Da waren 110 Leute - 110 Leute, die dafür sind. Und dann ist das Ganze übergeschwappt in andere europäische Länder. Das hat erst begonnen. Toll wäre es, wenn es "Pulse of Europe" irgendwann in ganz Europa gäbe. Aber wir sind auch keine Organisation, die seit Jahren besteht. Erst nach der Trump-Wahl im November hat es ja überhaupt die erste Veranstaltung gegeben, erst im Januar ist die ganze Sache richtig ins Rollen gekommen. Letzten Sonntag waren 25.000 Leute in den ganzen Städten auf der Straße.

Was erwarten Sie für diesen Sonntag?

Fröhlich Ich schätze, am Sonntag könnten es 40.000 oder 50.000 Leute werden. Bei gutem Wetter hätte ich für Düsseldorf mit 1000 Teilnehmern gerechnet - bei schlechtem Wetter werden es vielleicht wieder 500 bis 700, wie beim letzten Mal.

Gibt es in Düsseldorf Besonderheiten?

Fröhlich Für diesen Sonntag planen wir, auf Transparenten die Städte hochzuhalten, die mitmachen. Wir wollen, dass die Leute etwas von Europa mitnehmen, deswegen verteilen wir Ballons und Fähnchen, die wir über private Spenden finanzieren konnten. Aber auch selbstgemalte Transparente, Fahnen, Bekenntnisse auf Kappen oder Plakaten sind natürlich am wirkungsvollsten, wenn das nicht von uns verteilt wird, sondern von jedem einzelnen kommt.

Wie lange wollen Sie weitermachen?

Fröhlich Wir haben Demonstrationen angemeldet bis zum 23. April, da findet die Frankreich-Wahl statt. Wahrscheinlich werden wir auch mindestens im Mai noch Veranstaltungen machen. Am 21. und 22. April treffen sich alle Organisatoren in Frankfurt und überlegen gemeinsam: Wie geht es grundsätzlich weiter? Wie gehen wir als eingetragener Verein mit rechtlichen Dingen und Spenden um? Wie wollen wir uns programmatisch aufstellen?

(hpaw)
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