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Düsseldorf: Psychologie lernen in der Schule

Düsseldorf : Psychologie lernen in der Schule

Das Georg-Büchner-Gymnasium bietet ab dem kommenden Schuljahr zwei Grundkurse im Fach Psychologie an. Das Fach ist bei Schüler und Studenten beliebt, weil die Inhalte unmittelbar mit dem eigenen Leben zu tun haben.

Psychologie studieren - das ist für viele angehende Schulabsolventen nach wie vor eines der beliebtesten Ziele für die Zeit nach dem Abitur. Doch je größer der Bewerberandrang, desto höher ist auch der Numerus Clausus als Zulassungsbedingung. Allein in Düsseldorf brauchte man in diesem Jahr einen Abiturschnitt von 1,4, um ohne Wartesemester direkt mit dem Studium beginnen zu können. Für viele Schüler bleibt der Berufswunsch in der Psychologie damit unerreichbar.

Dennoch ist das Interesse an den Fachinhalten bei vielen Schülern immens, berichten Christiane Götten und Oliver Müdder. "Das Fach stellt nun mal spannende Fragen, die mehr auf das alltägliche Leben eingehen und so vielleicht nicht in anderen Schulfächern gestellt werden", sagt Götten. Bisher war Psychologie an den Düsseldorfer Schulen nur als einjähriger Projektkurs für eine begrenzte Teilnehmeranzahl wählbar. Das Georg-Büchner-Gymnasium ändert das zum kommenden Schuljahr. Dann wird Psychologie ab der zehnten Stufe als vollwertiger Grundkurs für den geisteswissenschaftlichen Fachbereich angeboten.

"Man kann relativ früh als kleiner Forscher tätig sein", erklärt Müdder den Reiz der Psychologie. "Außerdem ertappen sich die Schüler oft dabei, wie sie die Unterrichtsinhalte teilweise auch auf sich selbst zurückführen können." Die im Lehrplan stehenden Anwendungsbereiche sind dabei äußerst vielfältig. Neben klassischen Theorien wie Siegmund Freuds Traumdeutung werden die Schüler auch mit aktuellen Teildisziplinen bekannt gemacht. So werden etwa die psychologischen Einflüsse von Werbung analysiert. "Wie man beispielsweise im Supermarkt durch die Anordnung der Waren manipuliert wird. Danach hinterfragen die Schüler auch ihr eigenes Konsumverhalten", sagt Götten.

Vorgesehen seien zudem Kooperationen mit anderen Fächern. So soll mit Lehrern der Biologie der Aufbau eines Gehirns ebenso untersucht werden wie das Sender-Empfänger-Modell von Paul Watzlawick aus dem Deutschunterricht. "Auch praktische Elemente in Form kleiner Studien unter den Schülern wird es geben", sagt Götten. Wenn man seine eigene Psyche auszutricksen lernt, hilft das vielleicht sogar bei den Vorbereitungen auf die späteren Abiturprüfungen.

Diese können dann auch in Psychologie abgelegt werden, dabei jedoch nur als drittes oder viertes Fach. Dass zunächst nur zwei Grundkurse à 30 Schülern angeboten werden, liegt einerseits schlicht an der Platznot, denn derzeit teilen sich Gymnasiasten und Realschüler noch die Räumlichkeiten. Ein weiterer Grund ist der Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Bisher können Lehramtsstudenten Psychologie nur an der Universität Dortmund wählen.

Bleibt das Interesse jedoch weiterhin so stark, soll es in Zukunft auch Leistungskurse geben. Die NC-Hürde zum angestrebten Wunschstudium wird für die meisten Schüler dadurch zwar nicht wesentlich leichter zu überwinden sein - nichtsdestotrotz hoffen die beiden engagierten Lehrer, damit zeigen zu können, dass die Psychologie "weit mehr als nur aus Therapie besteht".

(RP)