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Rheinbahn: Prügel wegen Alkoholverbots

Rheinbahn : Prügel wegen Alkoholverbots

Gleich zwei Mal mussten Rheinbahner vorige Woche verletzt ins Krankenhaus – weil sie auf das Verbot im U-Bahnhof hinwiesen. Übergriffe auf den Sicherheitsdienst sind keine Seltenheit. Seit August gab es 14 Fälle.

Gleich zwei Mal mussten Rheinbahner vorige Woche verletzt ins Krankenhaus — weil sie auf das Verbot im U-Bahnhof hinwiesen. Übergriffe auf den Sicherheitsdienst sind keine Seltenheit. Seit August gab es 14 Fälle.

Kaum. hatte ihn ein Arzt behandelt, war Ali Bouchiar auch schon wieder bei der Arbeit. Nur, weil ihm einer eine Flasche über den Kopf geschlagen hat, lässt sich der Rheinbahner doch nicht krankschreiben. "Ich kann ja auch die Kollegen nicht hängen lassen."

Vorigen Donnerstag war das. Bouchiar, seit neun Jahren im Sicherheitsdienst der Rheinbahn auf dem U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee stationiert, hatte einen Angetrunkenen, der mit seinem Bier zur Bahn schlendern wollte, auf das Alkoholverbot aufmerksam. "Ich habe das ganz freundlich und höflich gesagt, dass er das Bier bitte austrinken soll, bevor er nach unten auf den Bahnsteig geht. Und er hat gelächelt — für mich war der Fall erledigt." Bouchiar drehte sich um — da zerbrach die Flasche an seiner Schläfe.

Zwei Nächte später überwältigten vier seiner Kollegen einen Randalierer im U-Bahnhof, hatten mit dem renitenten Mann alle Hände voll zu tun. Unbeteiligte Altstadtbesucher kamen vorbei, mischten sich ein, pöbelten — dann trat einer einem Wachmann ins Gesicht. Nasenbeinbruch, Brille kaputt, Täter flüchtig.

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"Normal", sagt Bouchiar. "Schlägereien gibt es hier jede Woche." Rudolf Schug-Löbens, Sicherheitschef der Rheinbahn, beobachtet seit einigen Monaten eine "drastische Zunahme der Gewaltbereitschaft!" Da bittet man einen Fahrgast, seine überlaute Musik auszuschalten "und da tritt der unvermittelt zu — unglaublich".

Dass die Rheinbahn-Sicherheitsleute (die eigenen 20 Mitarbeiter werden von Kollegen aus zwei externen Sicherheitsdiensten verstärkt) Handfesseln dabei haben, Uniformen tragen und das Hausrecht vertreten, stört die Randalierer nicht. Allein in den vergangenen sechs Wochen wurden 14 Sicherheitsleute im Dienst an der Heinrich-Heine-Allee verletzt. "Wir brauchen hier mehr Leute", sagt Schug-Löbens.

Personal schön und gut, sagen die Sicherheitsleute, die alle gut trainiert und in Selbstverteidigung ebenso geschult sind wie in Konfliktbewältigung. Sie haben aber vor allem einen anderen Grund für die steigende Zahl der Übergriffe im Auge: das Ess- und Trinkverbot der Rheinbahn. "Völliger Blödsinn, das einzuschränken. Deshalb kommt's immer wieder zu Streit", sagt einer, der selbst schon heftig um eine Pizza streiten musste. Denn: In ihren Bahnhöfen und Bahnen hat die Rheinbahn nur den Genuss von alkoholischen Getränken und warmen Speisen untersagt. "Das müssen Sie mal einem Betrunkenen erklären, der dann vor mir steht und sagt: ,Meine Pizza ist aber doch kalt.'"

423 solcher Diskussionen haben die Rheinbahn-Leute seit Februar geführt. Und 23 Mal eskalierte das in eine "tätliche Auseinandersetzung". Gänzlich ungezählt: die "normalen" Aufforderungen an Fahrgäste, das Verbot zu beherzigen. Rheinbahnsprecher Georg Schumacher ist dennoch begeistert vom eingeschränkten Verbot. "Wir wollen unseren Fahrgästen so wenig wie möglich verbieten", sagt er und: "Wer sich prügeln will, der findet auch ohne Diskussion um Pizzaverbot einen Anlass."

(RP)