Prozess: Zweifel am 400.000 Euro-Betrug - mutmaßliches Opfer soll dement sein

Gericht in Düsseldorf : Zweifel am 400.000-Euro-Betrug

Ein Düsseldorfer soll seine vermögende Nachbarin um einen hohen Betrag geprellt haben. Das mutmaßliche Opfer soll dement sein.

Mit einem heillosen Wirrwarr um eine angeblich verschwundene halbe Million Euro befasst sich seit Dienstag das Amtsgericht. Angeklagt ist ein 50-jähriger Hausbesitzer aus dem Stadtteil Rath, weil er einer Nachbarin (70) das Geld abgeluchst haben soll. Er bestreitet das und schilderte, dass er seit Jahren unter Verwirrtheit leide und unter Panikattacken. Und die Seniorin, die angeblich fast ihr gesamtes Vermögen verloren habe, ist seit Jahren in psychiatrischer Behandlung, soll inzwischen auch an Demenz erkrankt sein. Ein Urteil in dem Prozess um Betrug und Unterschlagung wird am 6. August erwartet.

Zutiefst empört und kunterbunt gemischt – so fasste der Angeklagte einige Details jener unfassbaren Nachbarschaft zusammen. Die 70-Jährige sei für ihn, seine Frau und die Kinder mehr gewesen, als nur Nachbarin: „Das war wie die Oma, wir sind zusammen in Urlaub gefahren, alles! Und ich hab’ sie tagtäglich mit dem Auto herumgefahren – zum Einkaufen, in die Psychiatrie-Klinik, zu Banken, wieder zum Einkaufen.“ Nur deswegen habe die frühere Bankkauffrau ihm Anfang Januar 2018 ein neues Auto schenken wollen, ihm 23.500 Euro für einen Minivan überwiesen. Laut Anklage soll er aber weitere 26.500 Euro in bar nachgefordert, davon nur 30.500 Euro für das Auto ausgegeben haben. Und als die Seniorin ihr Bankfach (Umschläge mit über 500.000 Euro in bar) ausräumte, soll der Angeklagte angeboten haben, sie könne das in seinem Schließfach deponieren. Hinterher wurde dort nur noch ein Umschlag mit 140.000 Euro entdeckt.

Mehr, so der Angeklagte, habe er „nie bekommen“! Sie habe ihm diesen Betrag auch schenken wollen, damit er seine Hauskredite ablösen könne. Doch dazu sei es nicht mehr gekommen. Aufgehetzt durch einen anderen Anwohner, habe sich „Oma“ gegen ihn gestellt, alles zurückverlangt, zuletzt sogar die Polizei gerufen. Ob die Seniorin das bestätigen wird, ist unklar. Und ob sie überhaupt so viel Geld besaß, konnte aber nicht mal ihr Anwalt sagen. Denn gezählt wurde das bar gehortete Geld der 70-Jährigen offenbar nie.

(wuk )