Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf um Anwaltskanzlei in einer Mietwohnung

Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf : Vermieterin verklagt Anwalt wegen Kanzlei in Privatwohnung

Darf man in seinem eigenen Wohnzimmer eine Anwaltskanzlei betreiben? Eine Vermieterin ist nun mit einer Klage vor dem Landgericht gescheitert. Sie hatte dem Anwalt mehrfach fristlos gekündigt.

Rechtsanwälte dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ihr privates Wohnzimmer als Kanzlei nutzen. Darauf hat am Mittwoch das Landgericht hingewiesen und eine gleich lautende Entscheidung des Amtsgerichts damit bestätigt. Demnach gelte auch eine anwaltliche Tätigkeit vom Wohnzimmer aus als ein normaler Mietgebrauch einer Privatwohnung und rechtfertige keine Kündigung.

Geklagt hatte im konkreten Fall eine Vermieterin aus Monheim gegen einen Senior-Anwalt, der einst auch ein hoher Sportfunktionär in einem Düsseldorfer Profi-Verein gewesen ist. Inzwischen verfügt der Advokat allerdings nicht mehr über eine Kanzleiadresse, sondern betreut seine Mandate von der Couch aus. Deswegen und wegen angeblich „unregelmäßiger Zahlungen der Miete“ wurde dem Anwalt der Mietvertrag für seine Privatwohnung vor rund einem Jahr gekündigt, mehrfach auch fristlos. Beim Amtsgericht damit jedoch unterlegen, zog die Vermieterin nun per Berufung vors Landgericht.

Aber auch dort hat sie jetzt wohl nur geringe Chancen. Dass ein Advokat sein Wohnzimmer für berufliche Tätigkeit nutzt, sei „kein Kündigungsgrund“, so die Richter. Auch die Rechtsanwaltskammer habe diese Auffassung vertreten – falls kein Anwaltsschild außen am Haus montiert ist und durch Mandantenbesuche auch keine unzumutbaren Belastungen entstehen. Beides sei im aktuellen Fall nicht ersichtlich. Ein abschließendes Urteil will das Landgericht am 21.August verkünden.

(wuk )
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