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Düsseldorf: Prozess: Vergewaltigung war nicht zu beweisen

Düsseldorf : Prozess: Vergewaltigung war nicht zu beweisen

Auf Hilfeschreie einer 18-Jährigen frühmorgens am Altstadtufer hat im September 2011 niemand reagiert. So musste die schmächtige Frau damals erdulden, dass sie von einem Bekannten (24) weiter ins Gesicht geschlagen - und nach ihren Angaben nahe der Treppe am Burgplatz vor den Augen etlicher Passanten vergewaltigt wurde.

Im Amtsgerichtsprozess reichten die Beweise laut Urteil am Dienstag aber nicht zum vollen Schuldspruch gegen den Angeklagten. Der 24-Jährige wurde lediglich für seine Hiebe gegen das Opfer zu vier Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Das Opfer war im Zeugenstand sichtlich nervös und unfähig, alle Details der damaligen Tatnacht in der für Juristen gewohnten Präzision zu beschreiben.

Mehrfach musste die Vernehmung der 18-Jährigen, bei der die Öffentlichkeit mit Rücksicht auf das Opfer ausgeschlossen war, unterbrochen werden. Dass das Opfer immer wieder um Fassung ringen musste und frühere Aussagen nicht komplett wiederholen konnte, kam dem Angeklagten zugute.

Er schwieg zu allen Vorwürfen und würdigte die junge Frau am Dienstag keines Blickes. Sie gab mit zitternder Stimme an, gutgläubig mit ihm damals nach einem nächtlichen Streifzug durch die Altstadt zur Rheinuferpromenade gebummelt zu sein. Nahe der Oberkasseler Brücke, als beide auf Ufersteinen saßen, habe der Angeklagte plötzlich versucht, sie zu küssen und auszuziehen. Als sie sich wehrte, habe er ihr "immer wieder" ins Gesicht geschlagen.

Als sie sich losreißen konnte, sei sie in Panik zur Treppe am Schlossturm gerannt, wo noch andere Nachtbummler saßen, habe verzweifelt um Hilfe gerufen. An den Haaren habe ihr Verfolger sie aber zurückgerissen, weiter auf sie eingeschlagen und in Sichtweite zur Treppe vergewaltigt. Mit zahlreichen Schürfwunden, Prellungen und Kratzern ließ er sie dann gehen.

Beim Arzt wurden auch Spuren des Angeklagten bei ihr festgestellt. Doch ihre Anzeige gegen den 24-Jährigen sahen Staatsanwalt und Amtsgericht am Dienstag nur teilweise bestätigt. Da sich das Opfer in der Aufregung in Widersprüche verstrickte, sei eine Vergewaltigung mit der nötigen Sicherheit nicht festzustellen, hieß es im Urteil. Nur dafür, dass der 24-Jährige die Frau an jenem Abend verprügelt hat, bekam er die Bewährungsstrafe, muss ein Anti-Aggressions-Training absolvieren und seinem Opfer jetzt 1200 Euro Schmerzensgeld zahlen.

(EW/jco/top)