Streit unter Nachbarn: Prozess um angesägte Birke eingestellt

Streit unter Nachbarn: Prozess um angesägte Birke eingestellt

Ungeschoren kam heute ein 63-jähriger Angeklagter davon, der wegen Sachbeschädigung einer Birke im Nachbarsgarten angeklagt war. Vor rund einem Jahr war er mit einer Sichelsäge an einer langen Stange dem Laubbaum der Nachbarn zu Leibe gerückt, hatte dadurch fast 3000 Euro Schaden verursacht.

1000 Euro Strafe sollte das kosten, aber sein Protest dagegen hatte Erfolg. Weil er wegen einer anderen Tat inzwischen verurteilt wurde, verzichtete die Amtsrichterin gestern auf eine zusätzliche Baum-Strafe - und stellte dieses Verfahren ein.

"Ist doch eine Bagatellsache für mich", tat der Angeklagte seine eigenmächtige Baum-Aktion ab. Als Wohnungsmieter an der Hermannstraße habe er auch 70 Quadratmeter Garten zur Verfügung gehabt – und sich jahrelang über Birken der Nachbarn geärgert. Zu nahe an der Grundstücksmauer gepflanzt und viel zu dicht bewachsen, hätten die Bäume ihm "keine Sonne, kein Tageslicht" gelassen. "Also hab' ich die auf meinen Garten überhängenden Äste abgesägt", gab er zu. Er gestand auch, die Äste nicht an der Mauer, sondern direkt am Stamm gekappt zu haben. Aber den Baumstamm dabei in 2,50 Metern Höhe auch noch beidseitig angesägt und dadurch schwer beschädigt zu haben, bestritt er: "Hab' ich nicht nötig!"

Eine der Nachbarinnen beschrieb jedoch deutliche "Verwundungen" am Birkenstamm. Für die 57-Jährige steht fest: "Unfachmännisch sollte die Birke in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gefällt werden!" Trotz tiefer Verletzungen habe der Baum den Anschlag bisher überstanden. "Und wir haben die Hoffnung, dass er durchhält!"

Das stimmte den Staatsanwalt milde: "Ein ganz eklatanter Baumfrevel war das wohl nicht." Zwar sei der Angeklagte "nicht ganz unschuldig". Aber weil der 63-Jährige erst vor wenigen Monaten ohne Führerschein am Steuer erwischt und zu 900 Euro Strafe verurteilt worden war, solle der Hartz-IV-Empfänger jetzt nicht noch zusätzlich bestraft werden. Zustimmend klappte die Richterin die Akte daraufhin zu.