Düsseldorf: Prozess um Aktienschwindel in Millionenhöhe

Düsseldorf : Prozess um Aktienschwindel in Millionenhöhe

23 Millionen Aktien zu verkaufen, die es überhaupt nicht gab - das haben laut Staatsanwaltschaft jahrelang elf Männer fertig gebracht und damit einen Schaden von fast zehn Millionen Euro verursacht.

Unter dem Vorwurf des besonders schweren Betruges verhandelt eine Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts ab Mittwoch gegen fünf angebliche Bandenmitglieder. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher ist wohl untergetaucht, gegen fünf weitere Verdächtige soll in einem anderen Verfahren verhandelt werden.

Von Januar 2006 bis November 2012 sollen die Beteiligten ein Firmengeflecht aufgebaut haben. Kernpunkt war der Verkauf von erfundenen Aktien einer angeblich im US-Bundesstaat Kalifornien ansässigen Firma, von der es in Kiel eine Tochtergesellschaft gab. Über Telefonverkäufer, so die Anklage weiter, hat ein 47-Jähriger mit dem flüchtigen Bekannten von vornherein geplant, Geldgebern 300 Millionen Stammaktien und 100 Millionen Vorzugsaktien der US-Firma anzudrehen - obwohl solche Anteilsscheine "nicht existent", also frei erfunden waren, so die Staatsanwaltschaft. 23 Millionen dieser Papiere konnten die Telefonverkäufer vermitteln, indem sie Anlegern vormachten, sie könnten mit einer Rendite rechnen, die "mehr als das Zehnfache des Ankaufspreises" ausmache. Ein Anlagerisiko sei außerdem gezielt ausgeschlossen worden. Speziell wurden Opfer von anderen Betrugs-Firmen angesprochen, die durch Kapitalanlagen mit Penny-Stock-Aktien bereits erhebliche Verluste erlitten hatten. Ihnen logen die Täter vor, sie könnten ihr verlorenes Geld zurückholen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass 57 Kunden auf die Versprechungen hereinfielen und mindestens 9,7 Millionen Euro investierten. 22 dieser Geldgeber sollen jeweils sogar mehr als 500 000 Euro überwiesen haben - nicht ahnend, dass sie dafür keinerlei Gegenwert erhielten. In einem Fall soll ein Angeklagter sogar behauptet haben, er sei ein in Not geratener Möbelhändler, müsse sich daher schnellstmöglich von fünf Millionen Aktien trennen - und sei bereit, sie für 500 000 Euro zu verkaufen. Auch dafür fand sich ein gutgläubiger Abnehmer.

Über diese Anklage will das Landgericht jetzt mindestens zwei Mal pro Woche verhandeln, hat dafür zunächst 20 Prozesstage bis Ende November terminiert.

(wuk)
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