Prozess: Student terrorisierte Ex-Freundin

Prozess am Landgericht : Student terrorisierte Ex-Freundin

Dem 22-Jährigen werden 66 Straftaten vorgeworfen, darunter die illegale Verbreitung von Nacktfotos seiner ehemaligen Freundin.

An den falschen Partner geraten ist eine 19 Jahre alte Frau offenbar im Sommer 2017. Bis sie das merkte, war es dann allerdings schon zu spät. Denn in den nächsten anderthalb Jahren, so lautet die Anklage, soll der 22-jährige Student seiner Ex-Freundin, ihrem neuen Freund, deren Nachbarn und auch Familien die Hölle auf Erden bereitet haben. Wegen 66 Straftaten, darunter Telefonterror, illegale Verbreitung von Nacktfotos der Ex-Freundin im Internet, Diebstahl, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Brandstiftung bis hin zur Anstachelung zum Mord verhandelt das Düsseldorfer Landgericht seit gestern gegen den verschmähten Romeo. Der verlas prompt eine in fünf Monaten U-Haft zusammengeschriebene Erklärung. Und demnach war alles nicht so schlimm.

Als Folge einer „Beziehungssache, die halt mit Emotionen verbunden war“, bezeichnete der Angeklagte die ganze Latte von Vorwürfen: „Das hat sich emotional hochgeschaukelt! Aber hier klingt es so, als ob nur ich etwas gemacht hätte – und die Frau nicht!“ Dabei seien die Rollen verteilt gewesen, sie habe „oft provoziert“, und „wenn sie sauer ist, wird sie unberechenbar“. Als Beispiel nannte der Angeklagte den Vorwurf, er habe sie im 24. Stock eines Kölner Hochhauses eingeschlossen und ihr Handy beschädigt, damit sie bei ihm bliebe. „Nur aus Versehen hatte ich abgeschlossen! Aber sie hat gleich ein Theater draus gemacht!“

Dass sie sich getrennt habe, weil er sie geschlagen haben soll, will er nicht gelten lassen. Als sie bei Gericht ein Kontaktverbot gegen ihn erwirkte, hielt er das für „unbegründet“ – und soll 40 Mal dagegen verstoßen haben. Und in der Folgezeit bis Ende 2018 soll er sogar eine regelrechte Stalking-Tour quer durch Düsseldorf von Unterbilk bis Unterrath absolviert haben, um nachts bei der Ex-Freundin, ihren Verwandten und Freunden aufzutauchen, Türschlösser zuzukleben, unter einem Auto eine Flüssigkeit zu entzünden – oder den neuen Freund der Ex-Partnerin zuhause und bei der Arbeit heimlich zu filmen und so massiv zu bedrängen, dass der Rivale den Job und die Wohnung wechseln musste. Dessen Eltern soll der Student in Briefen sogar aufgefordert haben, ihren Sohn als „Verräter am türkischen Volk“ zu töten - „jetzt bringen Sie es hinter sich, ohne es in die Länge zu ziehen“, hieß es da.

Nun aber soll ein Gutachter die Schuldfähigkeit des 22-jährigen Studenten prüfen. Ein Urteil ist am Landgericht Düsseldorf für Mitte Juni geplant.

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