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Düsseldorf: Proteste gegen riesiges Luxus-Bordell in Rath

Düsseldorf : Proteste gegen riesiges Luxus-Bordell in Rath

Bei der mobilen RP-Redaktion äußerten Bürger ihren Ärger über die Genehmigung der Pläne an der Oberhausener Straße.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bezirksvertretung 6, Marcus Münter, ist sauer. "Wir bekommen den Ärger der Bevölkerung ab, sind aber von der Verwaltung über den Bau des neuen Bordells nicht informiert worden. Wir hatten das in solch einem Umfang schon vor Jahren abgelehnt", sagt Münter. Zusammen mit anderen Lokalpolitikern, Vertreter von Initiativen und Bürgern kam er deshalb gestern an den Stand der Mobilen Redaktion am Hülsmeyerplatz, um über das Etablissement zu diskutieren, das bereits im September eröffnen soll.

Schnell wurde deutlich, dass vor allem Unklarheit darüber herrscht, wie es zu dem Bau in dieser Größe kommen konnte. "Das hatten wir schon 2011 abgelehnt. Wir werden jetzt parteiübergreifend verfolgen, wer unseren Wunsch ignoriert hat - und warum", sagt Birgit Schentek (CDU). Lokalpolitiker und Bürger befürchten, dass das Bordell sich negativ auf den gesamten Stadtteil auswirken könnte. "Rath hat sowieso schon kein gutes Image. Bei Wohnungsvermietungen habe ich deshalb immer wieder Probleme", sagt Dieter Lamontagne.

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Wolfgang Laas befürchtet zudem, dass viele Bemühungen, den Stadtteil nach vorne zu bringen, nun zunichte gemacht werden: "Die Stadt wirbt international mit Hochglanzprospekten für die Theodorstraße als hochwertiges Gewerbegebiet. Wie passt denn da ein riesiges Bordell dazu?" Das fragt sich auch Ursula Parry, die seit 40 Jahren in Rath als Goldschmiedin arbeitet: "Das Gefängnis ist auch nicht weit, die Gegend geht so doch den Bach runter. Ich lehne den Puff ab."

"Wir wollen Oberbürgermeister Geisel jetzt beim Wort nehmen, der vor der Wahl versprochen hat, sich für die Vororte einzusetzen", sagen Hartmut Seeling und Brigitte Seeling-Faßbender. "Hier muss einfach etwas geschehen, damit das Niveau nicht weiter absackt. Und Bordelle gibt es bereits genug in Rath."

Ob der Luxus-Puff aber noch verhindert werden kann, bezweifelt der stellvertretende Bezirksvorsteher Peter Schumacher (SPD): "Es ist alles schief gelaufen. Damals hätte man auf uns hören müssen." Er fordert künftig rigorose Kontrollen rund um das Bordell.

"Das hat die Stadt doch komplett verpennt", ärgert sich Hero Herren. Der 84-Jährige wohnt schon seit über 60 Jahren in Rath, einem Stadtteil, der nach seiner Meinung komplett vernachlässigt werde: "Die 701 wird nicht bis zum ISS-Dome weitergeführt, die Güterzüge rattern alle zwei Minuten an meinem Schlafzimmer am Gatherhof vorbei und die urigen Gaststätten sterben alle aus. Und jetzt noch ein Puff?"

Kai Müller-Horn will das Thema breiter angelegt wissen: "Das Metier als solches ist legal, aber natürlich im höchsten Maße frauenfeindlich. Man muss die Grundlagen angreifen, denn Prostitution ist immer aus der Not geboren." Die Arbeitslosigkeit im Allgemeinen und die Armut in osteuropäischen Ländern im Besonderen müssten bekämpft werden. "Ob so ein Bordell an die Oberhausener Straße oder anderswo hinkommt, ist zweitrangig", sagt er.

Einen ganz anderen Aspekt greift Renate Schäffner auf: "Nur über die Oberhausener Straße komme ich mit meinen Enkeln zum Grünen See, alles andere wäre ein riesiger Umweg. Beides ist Kindern ja wohl kaum zuzumuten." Auch Marianne Hohberger ist der Meinung, dass dieses Großprojekt im Keim erstickt gehöre: "Die kriminelle Energie, die dahintersteckt, ist jetzt doch noch gar nicht abzusehen."

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel will erfahren haben, dass ein Baustopp wegen nicht genehmigter Arbeiten im Außenbereich verhängt worden sei. An Fronleichnam sei allerdings trotzdem eifrig gewerkelt worden. Erst als Pantel den Ordnungsdienst rief, seien die Arbeiten eingestellt worden.

(RP)