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"Occupy Düsseldorf": Protestcamp steht seit sechs Monaten

"Occupy Düsseldorf" : Protestcamp steht seit sechs Monaten

Am Abend des 15. Oktober schlugen die ersten Demonstranten auf dem Martin-Luther-Platz ihre Zelte auf – am Samstag feiert die Düsseldorfer Occupy-Bewegung ihr halbjähriges Bestehen. Die Protestler haben den feuchten Herbst und drei Winterwochen mit Minustemperaturen über neben der Johanneskirche in der Stadtmitte ausgeharrt. Und sie wollen weitermachen – ein Ende ist nicht in Sicht.

Am Abend des 15. Oktober schlugen die ersten Demonstranten auf dem Martin-Luther-Platz ihre Zelte auf — am Samstag feiert die Düsseldorfer Occupy-Bewegung ihr halbjähriges Bestehen. Die Protestler haben den feuchten Herbst und drei Winterwochen mit Minustemperaturen über neben der Johanneskirche in der Stadtmitte ausgeharrt. Und sie wollen weitermachen — ein Ende ist nicht in Sicht.

Alles hatte mit einer Kundgebung angefangen. Am 15. Oktober demonstrierten etwa 2500 Menschen in Düsseldorf gegen die globale Finanzpolitik und für mehr Demokratie — einige dieser Menschen hatten Zelte im Gepäck und entschlossen sich zu bleiben. Aufgrund der Nähe zu den Düsseldorfer Banken und der Börse entschieden sie sich, auf dem Martin-Luther-Platz zu campieren.

Dort, wo im Oktober 2011 zunächst nur ein Infopavillion und zwei Wohnzelte standen, wuchs mit der Zeit eine kleine Zeltstadt. Heute stehen auf dem Gelände — geduldet von der Stadt und der evangelischen Gemeinde — zwei gut befestigte Gemeinschaftszelte und zahlreiche Iglus, in denen zu besten Zeiten einmal bis zu 20 Personen wohnten.

Der harte Kern der Protestler, die sich für eine globale Revolution und gegen die Macht der Großkonzerne und Banken einsetzen, schrumpfte während des Winters auf drei bis vier Menschen — manch einer von ihnen hatte Job und Wohnung gekündigt, um auf dem Platz neben der Kirche auszuharren. Zelte wurden notdürftig mit Isomatten, Styropor und Stroh isoliert — am Ende war es aber wohl einem wärmenden Holzofen zu verdanken, dass die Campierenden den Winter trotz Frost und Sturm hindurch im Freien ausharrten.

Das Ziel der Occupy-Mitglieder: Die Menschen darauf aufmerksam machen, dass das Leben auch ohne Luxusgüter und viel Geld möglich ist. Die Protestler leben hauptsächlich von Sach- und Lebensmittelspenden, machen sich aber durchaus auch moderne Technik, wie beispielsweise das Internet, zu nutze, um ihre Überzeugungen zu verbreiten.

Bis vor einem Monat trafen sich die Occupy-Mitglieder zu basisdemokratischen Versammlungen. Bis man merkte, dass man sich durch Abstimmungen und Diskussionen nur im Kreis drehte. Heute herrscht im Camp, nach Aussage der Bewohner, eine Art rücksichtsvolle Anarchie — wer eine Idee hat, verwirklicht sie auf eigene Faust.

So eine Idee ist auch das große Familienfest, mit dem das halbjährige Bestehen des Camps am Sonntag, 15. April, gefeiert werden soll. Geplant sind Outdoorspiele, Live-Musik und ein Kinderschminken. In der Nacht zuvor wollen die Protestler unter dem Motto "Music for Revolution II" feiern. Auftreten sollen zahlreiche Bands — von Hiphop über Reggae bis zum Singer Songwriter.

Ein Ende des Camps auf dem Martin-Luther-Platz ist noch längst nicht abzusehen. Neben den wenigen, die dort immer noch übernachten, kommen jeden Tag Menschen, um mit den Protestlern zu diskutieren. Das Ziel der Campierenden: das Jahr vollzumachen. Was danach kommt, weiß keiner.

(anch)