Prostituiertenschutzgesetz NRW: Nur wenige Frauen melden sich an

Weiterhin hohe Dunkelziffer : Nur wenige Prostituierte in NRW melden sich offiziell an

Seit Sommer 2017 müssen Prostituierte sich anmelden und gesundheitlich beraten lassen. Doch nur wenige Sex-Arbeiterinnen holen sich die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldebescheinigung.

Nur etwa jede zehnte Prostituierte in Nordrhein-Westfalen meldet sich wie vorgeschrieben bei den Behörden an. Zum 31. März 2018 waren laut einem Bericht des Gleichstellungsministeriums zu Menschenhandel und Prostitution in NRW rund 3900 Prostituierte angemeldet. Geschätzt werde die Zahl der Sexarbeiterinnen in NRW aber auf 42.000. „Der Anteil der Personen, die in der Prostitution tätig sind, konnte bislang nur geschätzt werden“, heißt es in dem vorliegenden Bericht. Es müsse von einem „hohen Dunkelfeld“ ausgegangen werden.

Das Gesetz: Seit im Juli 2017 das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten ist, müssen sich Sexarbeiterinnen bei den Behörden in Städten oder Kreisen anmelden und gesundheitlich beraten lassen. Im Gegenzug erhalten sie einen amtlichen Ausweis, der ihre Beschäftigung bestätigt. Außerdem wurde die Kondompflicht beim Geschlechtsverkehr mit Freiern eingeführt. Ziel des Gesetzes ist, die Arbeitsbedingungen der Betroffenen zu verbessern und kriminelle Ausbeutung früher zu erkennen.

Die Umsetzung: Nur rund 3900 von geschätzt 42.000 Prostituierten haben sich in NRW seit Sommer 2017 angemeldet. Die Zahl der gesundheitlichen Beratungen lag mit knapp 4100 etwas höher. Gründe für die geringe Zahl der Anmeldungen seien etwa Angst vor dem Finanzamt oder auch Angst vor Stigmatisierung und demütigender Behandlung durch Behörden, heißt es in dem Bericht. Das neue Gesetz habe in NRW zwar bei Kontrollen erste Erfolge bei der Identifizierung von Opfern von Zwangsprostitution gezeigt, jedoch nicht bei Anmeldung und Beratung. Auch die Kondompflicht werde oft umgangen.

Menschenhandel: 2017 haben die Strafverfolger in NRW nur 131 Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung und 130 Tatverdächtige identifiziert. Die meisten Opfer sind rumänisch (fast 30 Prozent), gefolgt von nigerianischen (20,6 %), deutschen (17,6 %) und bulgarischen (16,8 %) Staatsangehörigen. Die Tatverdächtigen waren zu jeweils 18,5 Prozent Deutsche und Rumänen, gefolgt von Bulgaren und Nigerianern. Nach wie vor gehen die Behörden von einem großen Dunkelfeld in diesem Bereich aus.

„Loverboy“: Die sogenannte „Loverboy-Methode“ zur Erzwingung von Prostitution ist auch in NRW auf dem Vormarsch. In mehr als der Hälfte der erfassten Fälle hätten die Täter ein bestehendes Liebesverhältnis ausgenutzt. Das geht aus Zahlen des Landeskriminalamts 2017 hervor. Bei der „Loverboy“-Masche spiegeln die Täter minderjährigen Mädchen eine Liebesbeziehung vor, treiben sie so in eine emotionale Abhängigkeit, um sie dann in die Prostitution zu führen. Oft entstehen diese vermeintlichen Liebesbeziehungen über soziale Netzwerke. Das Bundeskriminalamt (BKA) geht in seiner Auswertung 2017 davon aus, dass bundesweit die „Loverboy“-Masche bei mehr als einem Viertel der Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung angewendet wurde.

Beratung: NRW fördert acht spezialisierte Beratungsstellen für Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel sind. Dazu gehören etwa Madonna e.V. in Bochum und Kober in Dortmund. 2019 sollen die Mittel für die Einrichtungen um knapp 670.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro steigen.

(siev/dpa)