Düsseldorf: Projekt gegen das Vergessen

Düsseldorf : Projekt gegen das Vergessen

Eine Schau in der VHS erinnert an das Schicksal von Juden in der Ukraine.

"Die verletzten und sterbenden Menschen fielen in den Fluss, und der Dnjestr war rot von Blut. Es war schrecklich", erinnert sich Clara Katz. Dieses Bild wird sie nie in ihrem Leben vergessen. Sie ist eine noch lebende Zeitzeugin. Als der Zweite Weltkrieg begann, war sie fünf Jahre alt. Katz hat die Deportation der Bukowina Juden durch deutsche Besatzer nach Transnistrien in der Ukraine überlebt. Etwa 185.000 Juden und Roma sind dort in Todeslagern umgekommen. Auf den Märschen dorthin kam es zu zahlreichen Massenerschießungen, unter anderem am Fluss Dnjestr. Bei den Massakern in Babyn Jar in der Nähe von Kiew und Kamjanez-Podilskyj sind Tausende von Juden durch die Nazis umgebracht worden. Das ist nun 75 Jahre her.

Für das multikulturelle Projekt "Wege der Erinnerung", welches von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, vom Sozialgericht Düsseldorf, vom Verein Gedankendach in Czernowitz, vom historischen Museum der Stadt Kiew und von vielen weiteren Partnern unterstützt wird, ist Clara Katz interviewt und gefilmt worden - mit ihr noch weitere Zeitzeugen und Angehörige. Ziel des Projektes: An die Tragödien von Babyn Jar und Kamjanez-Podilskyj zu erinnern und ein Mahnmal wider dem Vergessen zu setzen.

Dafür reiste eine Delegation aus Düsseldorf, koordiniert von Matthias Richter (Jüdische Gemeinde Düsseldorf) und Olga Rosow (Sozialgericht Düsseldorf), im vergangenen Sommer in die Ukraine. Es wurden viele Orte besucht, vor allem die Gedenkstätten in Babyn Jar und Kamjanez-Podilskyj. "In Babyn Jar alleine sind über 33.000 Juden innerhalb von zwei Tagen erschossen worden", sagt Matthias Richter.

Die Ergebnisse des Projektes, vor allem der Film mit den Interviews, sind jetzt in der Volkshochschule vorgestellt worden. Bürgermeisterin Klaudia Zepunkte: "Ich bin froh, dass alle da sind, es macht mir Mut und Hoffnung für die Zukunft. Wir dürfen nicht vergessen." Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde, erzählte von der Reise. "Es waren unfassbare Erlebnisse und Begegnungen. Wir müssen an alle Menschen gedenken, die dort umgekommen sind."

Für Olga Rosow war es eine sehr persönliche Reise. "Meine Oma hat dort selbst Schwestern und Cousinen verloren, insgesamt sind zwölf Angehörige erschossen worden", erzählt Rosow, die aus Kiew stammt. Mit 16 Jahren hat sie von den Ereignissen erfahren. "Wir begaben uns auf den Spuren der Opfer und Täter. Mit diesem Projekt möchten wir an die Ermordungen in der Ukraine erinnern, auch junge Menschen damit ansprechen", sagt Rosow.

Die Schau "Wege der Erinnerung - 75 Jahre Erinnerung an die Tragödien von Babyn Jar und Kamjanez-Podilskyj" ist bis 3. März im Foyer der Volkshochschule Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

(RP)