Schwerpunkt Hochschulen Und Die Doppelten Abi-Jahrgänge: Privathochschulen werden attraktiver

Schwerpunkt Hochschulen Und Die Doppelten Abi-Jahrgänge: Privathochschulen werden attraktiver

Kleine Arbeitsgruppen, moderne Seminarräume, Professoren aus der Praxis, die nur wenige Studenten betreuen, und praxisorientierte Fächer: Mit solchen Angeboten punkten private Hochschulen zunehmend bei Abiturienten.

Private Hochschulen sind mit teilweise horrenden Studiengebühren eine teure Alternative zu staatlichen, angesichts dramatisch steigender Studierendenzahlen aus Sicht der Abiturienten aber auch eine zunehmend vielversprechende: Während Studiengänge an öffentlichen Hochschulen wegen der großen Nachfrage mit einer Zulassungsbeschränkung versehen und damit viele Bewerber abgewiesen werden, gibt es an privaten oft eine Garantie auf einen Studienplatz. Statt überfüllter Hörsäle, sanierungsbedürftiger Hochschulen und Professoren, die im Schnitt 60 Studenten betreuen, versprechen die privaten kleinen Arbeitsgruppen in modernen Seminarräumen, Professoren, die sich nur um maximal 20 Studenten kümmern, und dank Kooperationen mit Unternehmen auch gute Berufsaussichten.

Während 1992 bundesweit gerade einmal 11 500 Studenten an einer privaten Hochschule eingeschrieben waren, sind es nach Angaben des Stifterverbandes jetzt rund 110 000, was einem Plus von 856 Prozent entspricht. Sechs Prozent aller Studierenden in Deutschland studieren damit an einer privaten Hochschule. Tendenz steigend.

Auch in Düsseldorf kann man diese Entwicklung sehen: Als das Studienzentrum der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management 2004 gegründet wurde, wurde der Lehrbetrieb mit 40 Studenten aufgenommen. Inzwischen studieren dort rund 1800 Studenten. Ein neuer, größerer Campus ist deswegen bereits in Arbeit — in Derendorf, nahe dem Neubau der Düsseldorfer Fachhochschule. Die Eröffnung ist für 2014 geplant.

Auch die Europäische Medien- und Business-Akademie (EMBA), die ihren Sitz seit 2011 im Medienhafen hat und Studienfächer wie Marketing, Medien oder Tourismus anbietet (ohne Numerus Clausus), reagiert auf die große Nachfrage: Sie richtet zum kommenden Wintersemester und damit zum Start der doppelten Abi-Jahrgänge weitere 72 Studienplätze ein und baut ihr Studienzentrum um eine weitere Etage aus. Sieben Seminar-, Gruppen- und Büroräume sind dort geplant, zudem soll ein Audimax mit Platz für 120 Personen gebaut werden.

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Das Studienzentrum umfasst dann drei Stockwerke mit 1650 Quadratmetern, sagt EMBA-Geschäftsführer Thomas Dittrich. An der staatlich anerkannten Hochschule sollen sich ab Herbst etwa 60 Professoren und Dozenten um maximal 230 Studenten kümmern. In den Arbeitsgruppen sollen weiterhin nur 16 bis maximal 20 Studenten sitzen.

Den erfolgsversprechenden Studienbedingungen gegenüber stehen aber auch beachtliche Studiengebühren in Höhe von 24 900 Euro. Zum Vergleich: An einer öffentlichen Hochschule zahlen Studenten im Schnitt 250 Euro pro Semester, ausgehend von einem sechs-semestrigen Bachelor-Studium also 1500 Euro für das gesamte Studium.

Aus Sicht des Wissenschaftsrats, einem 32-köpfigen Gremium, das Bund und Länder in Hochschulfragen berät, tragen Privathochschulen "auf vielfältige Weise zur Differenzierung des deutschen Hochschulsektors bei". Sie bieten teilweise Fächer an, die an öffentlichen Hochschulen nicht studiert werden können, sind sehr auf Praxisorientierung bedacht und bieten auch interessante Studienmodelle an, etwa das berufs- und ausbildungsbegleitende Studium.

Dass man inzwischen zunehmend bereit ist, viel Bares in seine Ausbildung zu investieren, ist sicherlich positiv zu werten. Gleichzeitig stimmt es aber auch bedenklich, dass eine gute Ausbildung zunehmend eine Frage des Geldes wird. Wer nicht aus einem finanziell gut gepolsterten Elternhaus kommt, hat das Nachsehen.

(semi)