Düsseldorf: Polizeipräsident Schenkelberg geht

Düsseldorf: Polizeipräsident Schenkelberg geht

Der Verwaltungsjurist wechselt ins Justizministerium und übernimmt dort das Ressort Justizvollzug. Seit 2006 war er Chef im Präsidium, sein Kontakt zu OB Elbers war bisweilen belastet. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

Die Nachricht ist noch nicht offiziell, aber die Insider wissen es: Düsseldorfs Polizeipräsident Herbert Schenkelberg ist auf dem Absprung. Demnächst wird er ins Justizministerium wechseln, also dorthin zurückkehren, wo seine Karriere seinerzeit begonnen hat.

Die Polizei selbst kommentiert die Personalie zurückhaltend und sagt nur so viel: "Herbert Schenkelberg ist im Gespräch für die Stelle Abteilungsleiter Justizvollzug im NRW-Justizministerium. Das Kabinett muss aber erst noch darüber abstimmen." Schenkelberg selbst wollte sich gestern nicht dazu äußern.

Aus Justizkreisen war jedoch zu erfahren, dass er die Stelle gerne antreten würde, er sich selbst auf den Posten beworben habe und ihm auch deutlich signalisiert worden sei, dass er sehr gute Chancen habe, den Abteilungsleiterposten zu bekommen. NRW-Justizmister Thomas Kutschaty (SPD) hätte sich für Schenkelberg (ebenfalls SPD-Mann) stark gemacht, hieß es. Mit einer Entscheidung des Kabinetts sei bald zu rechnen. Über mögliche andere Kandidaten für das Amt ist nichts bekannt.

Schenkelberg hat nach Jura-Studium und Examen (1980) in Bonn fünf Jahre am Verwaltungsgericht Köln gearbeitet, kam 1987 ins NRW-Justizministerium und wechselte dann ins Innenministerium. Der damalige Innenminister Fritz Behrens (SPD) sorgte 2000 dafür, dass Schenkelberg Polizeipräsident in Essen wurde, 2006 kam er dann als Chef der Polizei nach Düsseldorf. Dort traf er auf den Oberbürgermeister Joachim Erwin, der nicht selten deutlich machte, dass er sich unter Polizeiarbeit anderes vorstellte als der Präsident der Behörde am Jürgensplatz. Erwin wollte die Kompetenzen seines Ordnungsdienstes ausweiten (und tat das auch), dass der Rathaus-Chef von einer Art "Stadtpolizei!" träumte, hat er nie bestritten — wohl wissend, dass dies nach der Gesetzeslage so nicht möglich gewesen wäre. Insgesamt kamen die beiden jedoch miteinander klar, schufen sogar die Doppelstreifen aus Ordnungsdienst und Polizisten.

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Zu Erwins Nachfolger Elbers war das Verhältnis des Polizei-Chefs nicht immer unbelastet. Als die Polizei einmal bei einem Fußballspiel Fehler bei der Einsatzplanung machte und von der Wucht einer nicht erwarteten Randale überrascht wurde, kam es zum offenen Streit zwischen Schenkelberg und Elbers, weil man einander die Verantwortung zuschieben wollte.

In Schenkelbergs Amtszeit fiel der Ausbau der Video-Überwachung, vor allem an kritischen Punkten in der Altstadt, die der Polizeipräsident zwar nicht ablehnte, aber auch nicht so befürwortete, wie sich einige Politiker das gewünscht hätten. Schenkelberg verwies auf die Rechtslage, vor allem bei der Nutzung dabei gewonnener Fakten und ließ sich nicht auf vorschnelle Forderungen ein.

Mit großem Engagement kämpfte Schenkelberg gegen Statistiken, nach denen Düsseldorf als eine der gefährlichsten Städte Deutschlands dargestellt wurde. Immer wieder rechnete er vor, dass die Bemessungsgrundlage solcher Zahlen ein schiefes Bild zeichnete, weil die Zahl der Straftaten in Relation gesetzt wurde zur Zahl der Bewohner. Das jedoch, so Schenkelberg, sei in einer Stadt wie Düsseldorf mit Flughafen, Messe und vielen Touristen nicht korrekt.

Vor zwei Jahren gab es bereits Gerüchte um seinen Weggang — seinerzeit war er als neuer Polizeipräsident für Köln im Gespräch. In diesem Zusammenhang wurden dann sofort die Namen möglicher Nachfolger für ihn in Düsseldorf genannt: Einer war der Polizeichef von Münster: Hubert Wimber, ein Grüner. Genannt wurde auch Elke Bartels, zurzeit Polizeipräsidentin in Duisburg. Sie hat sich dort schnell mit transparenter und bürgernaher Arbeit Achtung verdient. Dass sie in Düsseldorf lebt, gereicht ihr im Ruhrgebiet nicht zum Nachteil. Und könnte in der Düsseldorfer Präsidentenfrage ein Pluspunkt für sie sein.

(RP)
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