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Düsseldorf: Polizeipräsident erradelt sich die Stadt

Düsseldorf : Polizeipräsident erradelt sich die Stadt

Seit einem halben Jahr leitet Norbert Wesseler die Düsseldorfer Polizeibehörde. Er stammt aus dem Münsterland und hat deshalb eine besondere Beziehung zum Fahrrad. Auf zwei Rädern erkundet er jetzt die zehn Stadtbezirke.

Bereits nach den ersten 20 Metern gibt es einen erhobenen Zeigefinger für die Radlergruppe. "Sie fahren über Rot", schimpft eine ältere Dame auf der Luegallee. Nein, es war dunkelgelb, geschah zudem unter polizeiliche Begleitung und quasi in besonderem Einsatz. Denn im Zentrum der Radfahrer tritt der Polizeipräsident persönlich in die Pedale. Norbert Wesseler hat sich dafür ein Einsatz-Mountainbike ausgesucht - denn es geht ihm darum, nach und nach die zehn Düsseldorfer Stadtbezirke zu "erfahren". "Vom Fahrrad aus sieht man einfach mehr, als wenn man zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs ist", sagt er.

Die Auftakttour führt ihn durch den linksrheinischen Stadtbezirk 4. Seine Mitradler sind Jürgen Bielor, Polizeidirektor der Inspektion Mitte, Matthias Grunden, Wachleiter in Oberkassel, Polizeisprecher Andre Hartwich, Bezirksvorsteher Rolf Tups (CDU) und Bezirksstellenleiterin Iris Bürger. Es geht über Arnulf- und Quirinstraße zum Büro des Krankenpflegedienstes Albatros. Dessen Leiterin Kerstin Hommel hat mit einem besonderen Problem zu kämpfen: Irgendjemand legt immer wieder Nägel unter die Reifen der Pflegedienstwagen - es kam schon vor, dass deshalb Patienten nicht versorgt werden konnten. Wesseler und Grunden raten ihr, Anzeige zu erstatten und versprechen, sich zu kümmern.

Es geht vorbei an der Carl-Benz-Realschule und dem Cecilien-Gymnasium - mit insgesamt 1380 Schülern polizeilich hin und wieder eine Herausforderung. Am Eko-Haus, dem kulturellen Zentrum der Japaner, von denen viele in Niederkassel leben, wird ein Stopp eingelegt. Die Polizei arbeite eng mit der japanischen Gemeinde zusammen, sagt Grunden. "In Japan steht an jeder Ecke ein Polizist, manche fühlen sich erst mal unsicher, wenn sie nach Deutschland kommen." Nicht weit entfernt ist die japanische Schule, daneben das Balletthaus. Tups deutet in Richtung einer ehemaligen Kirche, die zu einer Kita umgebaut wurde. "In meiner Heimat steht auch eine Kirche zum Verkauf. Traurig", sagt Wesseler.

Seine Heimat ist Vreden im Münsterland, studiert hat er in Münster - und deshalb eine besonders enge Beziehung zum Fahrrad, das Wesseler gerne holländisch Fiets nennt. In Düsseldorf hat er im Gurkenland in Eller eine Zweitwohnung. Die Situation für Radfahrer? "Verbesserungswürdig", sagt Wesseler. Auf der Tour gibt es dafür ein Beispiel an der Hansaallee/ Ecke Amboßstraße. Dort dürfen Radfahrer in Gegenrichtung in die Einbahnstraße einbiegen, wegen parkender Autos ist die Situation aber gefährlich. Kopfschütteln bei Polizeipräsident und Bezirksvorsteher.

Am Seestern staunt Wesseler darüber, dass aus einer Brache innerhalb weniger Jahre der moderne Vodafone Campus geworden ist, nicht weit entfernt liegen neue Wohnbauprojekte wie Heine-Gärten und Belsenpark. "In den nächsten Jahren wächst unser Bezirk um etwa 8000 Einwohner", sagt Tups. Das ist ein Plus von fast 20 Prozent. Die Baupläne sahen ursprünglich vor, dass überwiegend Gewerbeflächen entstehen, nun steht Wohnungsbau auf Platz eins.

Als die Gruppe auf dem Nikolaus-Knopp-Platz ankommt, regnet es in Strömen. Die Bürger kommen dennoch, um dem Polizeipräsidenten ihre Sorgen zu schildern. Etwa, dass die Autofahrer in der Straße Alt-Heerdt ständig das Tempo 30 überschreiten oder dass die Grünphase der Fußgängerampel zu kurz ist. Am Ende der dreistündigen Tour hat Wesseler "viele Eindrücke mitgenommen" aus diesem wachsenden Teil der Stadt, in dem die Verkehrssituation nicht unproblematisch ist. Heute radelt er durch Garath.

(RP)