Düsseldorf: Polizeichef ist seit 25 Jahren Düsseldorfer

Düsseldorf: Polizeichef ist seit 25 Jahren Düsseldorfer

Norbert Wesseler ist jetzt als neuer Polizeipräsident der Landeshauptstadt eingeführt. Herbert Schenkelberg geht mit viel Lob, die Zusammenarbeit mit der Stadt wurde in seiner Amtszeit ausgebaut.

Wer in Düsseldorf Polizeipräsident wird, hat reichlich Erfahrung und geht auf diesem Posten in aller Regel auch in Rente. Seine außerordentliche Bedeutung liegt begründet im Rang Düsseldorfs als Landeshauptstadt, der auch den nicht nur angenehmen Status als Landes-Demo-Hauptstadt mit sich bringt; Messe und Flughafen holen zudem viele internationale Gäste in die Stadt und locken gleichzeitig Straftäter an. Herbert Schenkelberg ist mit seinem Karriereverlauf von daher eine Ausnahme — er wechselt als Abteilungsleiter ins Justizministerium und ist nun für die Justizvollzugsanstalten zuständig. "Ich verspreche aber, dass ich beim nächsten Mal endgültig weg bin", sagte er am Montag.

Der Stabwechsel, diesmal nicht tristen Ministerium an der Haroldstraße, sondern im feinen Hilton-Hotel mit rund 200 Gästen vollzogen, war viel mehr Verabschiedung als Begrüßung. Das liegt auf der Hand, denn Schenkelberg hat in seinen knapp acht Dienstjahren am Jürgensplatz Maßstäbe gesetzt. Die Qualität seiner Arbeit spiegelt sich nicht nur im Vorsitz in der Runde der Polizeipräsidenten, den er innehatte. Düsseldorfs Ordnungsdezernent Stephan Keller lobte die "immer vertrauensvolle Zusammenarbeit", die "vorbildhaft" und von "hoher Professionalität" gewesen sei. Die Ordnungspartnerschaft mit gemeinsamen Doppelstreifen sei ein Erfolgsmodell, bei den vielen Demos habe Schenkelberg immer auch die Belange der Stadt im Auge gehabt. Ebenso gut funktionierte die Kooperation im Kriminalpräventiven Rat. Keller kündigte an, dort im Rahmen der Extremismus-Bekämpfung nun auch über gewaltbreite Salafisten zu sprechen.

Der Kampf gegen Extremismus eint den scheidenden und den neuen Polizeipräsidenten. Innenminister Jäger lobte Schenkelberg für seine "Düsseldorfer Erklärung" gegen Terror und Gewalt, zu der er 22 muslimische Vereine an den Tisch holte. Norbert Wesseler wiederum hat mit seiner Arbeit gegen Rechtsextremismus in Dortmund Punkte gesammelt. Dass er einen guten Draht zu Innenminister Ralf Jäger hat, machte dieser deutlich, indem er bei seinen Anreden zwischen "Norbert", "Sie" und "Du" wechselte.

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Was den alten und den neuen Polizeichef interessiert, ist die öffentliche Wahrnehmung der Landeshauptstadt als Kriminalitätshochburg. Das aber ist ein verzerrtes Bild, wie Schenkelberg auch im Sinne seines Nachfolgers und der Stadtspitze klar machte. Er forderte Jäger auf, sich bei den Treffen mit seinen Amtskollegen dafür einzusetzen, dass das Bundeskriminalamt bei seiner Jahresstatistik die so genannte Kriminalitätshäufigkeitszahl weglässt. Die lege die Zahl der Straftaten in einer Stadt auf die Einwohnerzahl um — und vernachlässige völlig, dass Städte wie Düsseldorf oder Frankfurt bei Großmessen tagsüber zu Millionenstädten würden. "Legt man diese Methodik zugrunde, ist der Vatikan mit seinen 429 Einwohnern der unsicherste Staat der Welt."

Da gab es natürlich Lacher. Für die sorgte auch der neue Dienstherr am Jürgensplatz. Dem ersten Eindruck nach ist Wesseler ein Mensch, der den ruhigen Auftritt bevorzugt. Humor und Schlagfertigkeit hat er aber doch. Dass er die Fußballbegeisterung der Düsseldorfer unterschätzt, merkte er nämlich schnell. Der bekennende Schalke-Anhänger, der — rein fantechnisch — in zwei Jahren als Polizeipräsident das Dortmunder Säurebad überstanden hat, fragte in den Saal, wann denn Fortuna Düsseldorf Deutscher Fußball-Meister gewesen sei. Da er selbst dies bei einem Düsseldorf-Test nicht gewusst hatte, obgleich er seit 25 Jahren in der Landeshauptstadt wohnt, nahm er an, dass dies auch den Anwesenden so gehe — was natürlich eine völlige Fehleinschätzung war. "33" schallte es Wesseler entgegen, der bekannte: "Aller Anfang ist schwer."

Eine der großen Aufgaben ist für den 54-Jährigen der Umbau und die Erweiterung des Polizeipräsidiums. "Ich hoffe, dass wir die Bauphase gut überstehen." Vielleicht kann er ja auch noch einmal in die Pläne schauen. Personalrat Harald Walter sprach von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bemängelte, dass es immer noch nicht gelungen sei, die Betriebs-Kita im Neubau unterzubringen.

(RP)
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