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Diebe an Geldautomaten in Düsseldorf: Polizei machtlos gegen Kinder-Banden

Diebe an Geldautomaten in Düsseldorf : Polizei machtlos gegen Kinder-Banden

Sie sind 13 Jahre alt, minderjährig und damit nicht strafmündig – und das nutzen die beiden Jungen aus Duisburg seit Jahren nicht nur in ihrem Wohnort aus: Einmal mehr sind sie am Montag in Düsseldorf in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie eine ältere Dame bedrängt, bespuckt und schließlich bestohlen haben.

Sie sind 13 Jahre alt, minderjährig und damit nicht strafmündig — und das nutzen die beiden Jungen aus Duisburg seit Jahren nicht nur in ihrem Wohnort aus: Einmal mehr sind sie am Montag in Düsseldorf in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie eine ältere Dame bedrängt, bespuckt und schließlich bestohlen haben.

Die Kinder, die nur gebrochen deutsch sprechen, machten bei der Polizei keine Angaben zur Tat, ließen sich widerstandslos ins städtische Kinderhilfezentrum bringen. In den Wochen zuvor war es eine Bande junger Mädchen, die mit dem gleichen Trick an zahlreichen Orten zuschlug. Auch sie waren bald wieder untergetaucht.

"Festhalten kann die Einrichtung auch solche Kinder nicht", sagt Jugendkommissar Wolfgang Wierich. Tatsächlich sind die 13-Jährigen so genannte Intensivstraftäter, was bedeutet, dass sie jährlich mindestens fünf Straftaten, darunter zwei Gewaltdelikte begehen. Diese Definition würden die Jungen deutlich übersteigen. Doch solange sie strafunmündig sind, hat die Polizei keine Handhabe. "Dass wissen die auch genau, wenn sie bei uns sitzen. Sie lassen alles brav über sich ergehen, essen etwas Warmes im Kinderhilfezentrum und hauen bei der nächsten Gelegenheit wieder ab."

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Die Masche der 13-Jährigen beginnt wie die anderer, erst im April gefasster Trickdiebe: Einer stellt sich am Bankautomaten hinter eine Kundin, wartet, bis sie die Geheimzahl eingetippt hat, verwickelt sie dann in ein Gespräch und verdeckt mit einem Klemmbrett den Blick auf die Bedieneinheit des Automaten. Als die 69-Jährige am Montag misstrauisch wurde, war es zu spät: Der zweite Junge schaltete sich ein, wurde grob, spuckte der Seniorin ins Gesicht. Als Passanten auf das Gerangel an dem Geldautomaten am Wehrhahn aufmerksam wurden, flüchteten die Kinder, versuchten an der Friedrichstraße und Bilker Allee erneut, Bankkunden zu berauben und wurden schließlich von Jugendfahndern gefasst.

Knapp zwei Stunden später gingen drei Kinder — ebenfalls Jungen — eine 61-jährige Frau an, als die in Kaiserswerth Geld abheben wollte. Sie wurde direkt angepöbelt und bespuckt, war dadurch abgelenkt, und die Kinder nutzten die Chance, den Betrag auf 500 Euro zu ändern und mit dem Geld zu verschwinden. Die Ermittlungen zu diesen Tätern dauern noch an.

Viele dieser Kinder, die nicht selten mit Bus und Bahn nach Düsseldorf kommen und sich auf Überfälle an Geldautomaten konzentrieren, sind der Polizei längst bekannt. "Mit dieser Masche sind zurzeit ausschließlich strafunmündige Kinder unterwegs" so Wierich. Berichte an die zuständigen Jugendämter samt Hinweisen auf die offensichtliche Verletzung der Schulpflicht bleiben meist folgenlos.

Die Polizei rät dringend zu mehr Vorsicht an Geldautomaten: "Achten Sie darauf, dass gerade auch scheinbar harmlose Kinder und Jugendliche nicht direkt neben ihnen stehen, brechen Sie den Abhebevorgang ab, wenn Sie bedrängt werden, und gehen Sie im Zweifelsfall lieber zum Schalter."

(RP)