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Hauptbahnhof: Polizei: Anti-Terror-Plan funktioniert

Hauptbahnhof : Polizei: Anti-Terror-Plan funktioniert

Mit 250.000 Besuchern täglich ist der Düsseldorfer Hauptbahnhof in diesen Zeiten im Fokus. Wer das ausnutzt, um absichtlich Antiterror-Einsätze der Polizei zu provozieren, muss nicht nur mit Strafe rechnen. Vor allem Schadenersatz-Ansprüche können einen Täter ruinieren.

Der polnische Sperrmüllsammler, der am Dienstag mit einem Koffer voll ausrangierter Alltagsgegenstände zwei Stunden lang den Bahnverkehr lahmgelegt hat, muss damit rechnen, dass die Deutsche Bahn ihm ihre "Betriebserschwerniskosten" in Rechnung stellt. Die "fünfstellige Summe", die ein Bahnsprecher nicht konkretisieren wollte, dürfte den 39-Jährigen empfindlicher treffen, als jede im Gesetz vorgesehene Strafe.

Akribische Prüfung

Bis zu drei Jahre Gefängnis stehen auf das Vortäuschen einer Straftat, was aber voraussetzt, dass jemand die Absicht hatte, so zu tun, als stünde ein Anschlag bevor. "Der Sperrmüllsammler hatte diese Absicht nicht", erklärt Staatsanwalt Johannes Mocken. "Und fahrlässig kann man keine Straftat vortäuschen." Die Geschichte des Müllsammlers, der geglaubt haben will, auf dem Bahnsteig sei sein Koffer besonders sicher aufgehoben, während er erneut auf Sperrmüllsuche ging, sei "nicht zu widerlegen" gewesen, so Mocken.

Im Gegenteil, versichert Bundespolizei-Sprecher Stefan Beckmann: "Wir haben die Angaben des Mannes akribisch überprüft, mit allen zur Verfügung stehenden kriminalistischen Mitteln." Die will der Polizist aus naheliegenden Gründen nicht alle verraten, doch ist bereits bekannt, dass die Bundespolizei an sämtlichen Beweisstücken aus dem Koffer Finger- und DNA-Spuren gesichert hat. Erst, als seine Geschichte durch objektive Ermittlungsergebnisse bestätigt worden war, sei der Mann entlassen worden. "Man kommt uns nicht davon, indem man einfach sagt, man habe nichts Böses gewollt", so Beckmann. Bösartige Trittbrettfahrer würden durch die Ermittler schnell enttarnt. Und dann auch zur Verantwortung gezogen.

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Schlimmer als die Strafandrohung wirkten sich dabei die Ansprüche aus, die zivilrechtlich geltend gemacht werden können. Vor drei Jahren hatte ein Zivilgericht eine 32-jährige Studentin verurteilt, dem Flughafen 207.000 Euro Schaden zu ersetzen, der entstanden war, als die Frau mit einer falschen Bombendrohung dafür gesorgt hatte, dass der Airport stundenlang geschlossen blieb (s. Info).

Damit es zu versehentlichen Fehlalarmen erst gar nicht kommt, nutzt die Bundespolizei ihre verstärkte Präsenz im Hauptbahnhof auch dazu, Reisende direkt anzusprechen, die sich von ihrem Gepäck entfernen. "Die Beamten können sich zur Not auch mit Zeichensprache verständlich machen", sagt Beckmann. Zwar wäre der Polizei einerseits lieb, wenn die Sicherheitshinweise, die immer wieder aus den Lautsprechern dröhnen, nicht nur deutsch und englisch, sondern auch französisch, türkisch und polnisch wären. Aber: "Dann wird die Durchsage zu lang und wird weniger beachtet."Die Wachsamkeit der Polizisten wird im Hauptbahnhof durch 50 bis 60 Kameras unterstützt.

Der Düsseldorfer Hauptbahnhof gehöre schon wegen seiner Größe zu denen mit einer höheren Gefährdungsbewertung, heißt es bei der Bundespolizei. Die ist mit der zügigen Aufklärung der vermeintlichen Bedrohung sehr zufrieden und auch mit der Reaktion der Öffentlichkeit. Die Bürger hätten viel Verständnis gezeigt und bewiesen, dass sie "gerade in diesen Zeiten" auf mögliche Gefahren achten.

Was viele nicht wissen: In der Hausordnung der Deutschen Bahn, die im Hauptbahnhof aushängt, wird ausdrücklich verboten, "... Gepäck unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Im Falle einer (...) Zuwiderhandlung behalten wir uns vor, Kosten für (...) Sicherungsmaßnahmen und eventuelle Folgeschäden in Rechnung zu stellen".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Koffer legt Düsseldorfer Hauptbahnhof lahm

(RP)