Düsseldorf-Eller: Politiker wollen Tauben töten lassen

Düsseldorf-Eller: Politiker wollen Tauben töten lassen

In der zuständigen Bezirksvertretung fand sich eine Mehrheit, die Taubenplage auch mit drastischen Mitteln zu bekämpfen. Den Tieren soll das Genick gebrochen werden. Vorbild ist die Stadt Mannheim.

Rund um die Unterführung Gumbertstraße in Eller gibt es seit Jahren eine massive Taubenplage. Mit zwei Taubentürmen ist man der Sache nicht wirklich Herr geworden, Hunderte Tiere hinterlassen enormen Dreck und hygienische Probleme. In der zuständigen Bezirksvertretung (BV 8) hat sich jetzt eine Mehrheit aus CDU, FDP und der SPD-Absplitterung Freie Soziale Demokraten dafür ausgesprochen, die Reduzierung des Bestands auch durch eine einmalige Tötungsaktion herbeizuführen. Den neun Ja-Stimmen standen vier Ablehnungen gegenüber. Es gab zudem vier Enthaltungen von Sozialdemokraten — was sicher auch damit zu tun hat, dass das Taubenproblem von vielen Bürgern als gravierend empfunden wird.

Im Beschluss der Bezirksvertretung heißt es, man bitte darum zu prüfen, ob es "2013 einmalig in Eller eine tierschutzgerechte Bestandsreduzierung" geben könne. Intensive Diskussionen sind programmiert. Am 19. September soll die Fachverwaltung im Stadtteilparlament ihre Einschätzung abgeben. Gestern war aus dem Dezernat der zuständigen Beigeordneten Helga Stulgies zu hören, man werde nichts tun, was nicht mit dem Tierschutz vereinbar sei. Man begegnet der Idee offenbar mit Skepsis.

Christian Rütz, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der BV, ist Fürsprecher der einmaligen Aktion, selbst wenn dabei Tauben eingefangen und per Genickschlag getötet werden. Als Vorbild nennt er die Stadt Mannheim. Dort habe man eine solche Maßnahme vor zehn Jahren praktiziert.

Tatsächlich hat Mannheim im Jahr 2003 keinen anderen Weg gesehen, als die Tauben mit einer außergewöhnlichen Aktion deutlich zu reduzieren. Man ließ die Tiere einfangen, sie wurden dann weidgerecht von einem Fachmann getötet, heißt es. Rund 8000 Tiere wurden seinerzeit getötet. Die Kadaver hat man damals an Falken verfüttert, sagt Dirk Schuhmann von der Stadt Mannheim.

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Aber auf Dauer war das Modell nicht durchsetzbar — nun agiert man ähnlich wie die Stadt Düsseldorf: In Taubenschlägen werden die Tiere gefüttert, um sie möglichst daran zu hindern, auf Futtersuche zu gehen. Außerdem werden ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht. Schuhmann: "Wir haben die Population unter Kontrolle, im gesamten Stadtgebiet gibt es 6000 bis 8000 Tauben, und die Zahl ist konstant."

Rütz spricht von einem Dreiklang der Maßnahmen in Eller aus Betreuung, Vergrämung und Tötung: "Die Tiere werden auf dem großen Parkplatz in zwei Taubentürmen betreut, die Kooperation mit dem Verein Stadttiere klappt bestens. Dabei soll es bleiben." Laut einem Bericht wurden in einem Jahr in den Türmen, die für insgesamt 190 Tiere Platz bieten, fast 1000 echte Eier gegen Gipseier ausgetauscht, dadurch wurde unter dem Strich das Schlüpfen von cirka 350 Tieren verhindert.

Das reicht laut Rütz aber nicht aus, um die Plage in den Griff zu bekommen. "Wir haben dort mehrere Hundert Tauben." Deswegen werde gerade ein grünes Netz an der Unterführung Gumbertstraße angebracht, das die Tiere davon abhalten soll, in die vielen Schlupflöcher der Brücke einzudringen und dort zu brüten. Diese Maßnahme wurde von den Bezirksvertretern einstimmig beschlossen, 3000 Euro dafür bereitgestellt.

(RP)