Verkehr in Düsseldorf Politiker lehnen Rheinbahn-Projekt für U78 ab
Düsseldorf · Eine nicht behindertengerechte Verlängerung der Bahnsteige für die EM 2024 fällt in der Bezirksvertretung 1 durch. Die Rheinbahn will auf der Kaiserswerther Straße zwischen Kennedydamm und Reeser Platz außerdem Fahrbahn und Gleise baulich trennen.
Es ist ein ambitioniertes Projekt, das mit 3,4 Millionen Euro Investitionskosten auch nicht gerade billig ist. Aber Rheinbahn und Stadt wollen sich als guter Gastgeber erweisen, wenn im kommenden Jahr die Fußball-Europameisterschaft in Düsseldorf gastiert. Und da auch das Messegeschäft wieder anzieht, soll die Kapazität der U78 zwischen Hauptbahnhof und Arena auf vier Züge erhöht werden. Das bedingt jedoch erhebliche Umbaumaßnahmen – zum einen müssen Gleise und Fahrbahn auf der Kaiserswerther Straße zwischen den Haltestellen Kennedydamm und Reeser Platz durch ein acht Zentimeter hohes Bord getrennt werden; zum anderen müssen die auf der Strecke betroffenen Haltestellen verlängert werden.
Doch Dominik Schillings von der Rheinbahn konnte sich in der Sitzung der Bezirksvertretung 1 den Mund fusselig reden, der Sinn der Maßnahme wollte sich den Politikern nicht erschließen. Halbwegs nachvollziehbar erschien der Plan mit dem Hochbord, da die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung eine entsprechende Trennung vorschreibt, wenn eine Linie mit Bahnen, die, wie in diesem Fall, mit vier Wagen mehr als 75 Meter aufweisen, befahren wird, erläuterte Schillings. Sabine Schmidt (CDU) sieht durch einen solchen Eingriff in den Verkehr eine höhere Unfallgefahr und kritisiert, dass wichtige Unternehmen an der Tersteegen- oder der Georg-Glock-Straße wegen dann gestrichener Linksabbiegebeziehungen abgeschnitten wären.
Was aber für größeres Unverständnis sorgte: Die Verlängerung der Bahnsteige könne nicht barrierefrei gestaltet werden, dafür müsste man sämtliche Bäume entlang der Kaiserswerther Straße abholzen, so Schillings. Dennoch: Nicht nur Nobert Zielonka vom Beirat zur Förderung der Belange von Menschen mit Behinderung empörte sich, „das hätte man alles sehr viel besser planen können“.
Da es sich ohnehin nur um eine temporäre Maßnahme handelt und das jeweilige Ziel Messe/Arena eigentlich klar ist, plädierte eine Mehrheit dafür, die Bahnen einfach zwischen Hauptbahnhof und Arena lediglich an der Heinrich-Heine-Allee halten zu lassen, wo für Barrierefreiheit gesorgt ist. Das sei nicht möglich, beharrte Schillings, und da auch eine getrennte Abstimmung (Hochbord ja, Verlängerung der Bahnsteige nein) sich nicht realisieren ließ, wurde die komplette Beschlussfassung mit knapper Mehrheit zurückgewiesen. Allerdings: Die Bezirksvertretung 1 wurde nur „angehört“, die Entscheidung trifft der Ordnungs- und Verkehrsausschuss am 8. Februar.