Düsseldorf: Politik will die Friedhöfe verkleinern

Düsseldorf: Politik will die Friedhöfe verkleinern

Weil die Zahl der Beerdigungen sinkt, sollen mittelfristig Grabfelder aufgegeben werden. Bestattungen in Wahlgrabstätten sollen weiterhin möglich sein. Freie Flächen werden als Friedhofsparks gestaltet.

Die öffentlichen Friedhöfe sind zu groß. Mittelfristig wird etwa ein Drittel der Grabfelder nicht mehr benötigt, schätzt die Friedhofsverwaltung. Grund ist ein Rückgang der Bestattungen seit den 1990er Jahren auch aufgrund der höheren Lebenserwartung. So sank die Zahl der Bestattungen bis heute um rund 30 Prozent. Deshalb sollen auf den sechs großen Friedhöfen bis 2035 nicht mehr benötigte Grabfelder in parkähnliche Grünflächen umgewandelt werden.

Das beschloss der Ausschuss für Öffentliche Einrichtungen auf Vorschlag der Verwaltung. Mit der Verkleinerung sollen die negativen Folgen des Trends aufgehoben werden. Auf vielen Feldern der Friedhöfe, vor allem von Wahlgräbern mit einzelnen Einfassungen, gibt es große Lücken. Das wirkt trostlos. Zudem können die Flächen nicht ansprechend gestaltet werden und sind nur schwer zu pflegen. Kernpunkt des Konzeptes ist es deshalb, ausgewählte Grabfelder von diesem Jahr an für weitere Beisetzungen zu schließen und die Belegung auf andere Flächen zu konzentrieren.

Etwa ab 2035 könnten dann wahrscheinlich Grabfelder stillgelegt, Wege zurückgebaut und Wasserleitungen abmontiert werden. So können Kosten gesenkt und Friedhofsgebühren stabilisiert werden. "Deswegen dürfen aber Familien, die in diesen Bereichen eine Wahlgrabstätte besitzen, nicht benachteiligt werden", sagte der Ausschussvorsitzende Rüdiger Gutt. Sie müssten Angehörige in den Familiengrabstätten beisetzen dürfen, auch wenn die vorgeschriebene Ruhezeit über diesen Zeitrahmen hinauslaufe.

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Diesen Antrag hatten die Mehrheitsfraktionen CDU und FDP gestellt, "weil das die Pietät und der Anstand verlangen", sagte Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Wie viele Grabstätten deshalb länger bestehen bleiben, sei heute nicht abzuschätzen. "Wenn aber deswegen die Pflegekosten für die Friedhöfe nicht so rasch wie erwartet sinken werden, muss das hingenommen werden", sagte Grünen-Ratsherr Wolfgang Scheffler.

In einem ersten Schritt sind bisher vorgesehenen Erweiterungsflächen am Rand der Friedhöfe für neue Nutzungen freigegeben worden, so die Verwaltung: in Heerdt für Wohnungsbau, in Gerresheim für Aufforstung des Waldes, am Südfriedhof für einen Tierfriedhof oder am Friedhof Stoffeln für Einrichtungen der Zukunftswerkstatt Düsseldorf. In erster Linie aber sollen die frei werdenden Areale für neue Grünflächen genutzt werden: Randbereiche des Stoffeler Friedhofs werden in den Volksgarten einbezogen, die Randbereiche des Friedhofs von Eller erweitern die bestehenden benachbarten Erholungsgebiete, am Heerdter Friedhof entlang soll es einen neuen Grünzug als Verbindung zum Park am Albertussee geben.

Innerhalb der Friedhöfe will die Verwaltung die freien Grabfelder in einen Friedhofpark umgestalten, der dem Landschafts-Charakter des Friedhofs entspricht. Eine Besonderheit wird es bei der langfristigen Gestaltung des Nordfriedhofs geben. Weil dort im Inneren ausgedehnte Flächen nicht mehr benötigt werden, ist ein Grünzug als Verbindung der angrenzenden Stadtteile vorgesehen.

(EW/anch/ac)
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