Anregungs- und Beschwerdeausschuss: Politik berät über Hexen-Urteil

Anregungs- und Beschwerdeausschuss : Politik berät über Hexen-Urteil

Im Anregungs- und Beschwerdeausschuss geht es am Donnerstagnachmittag um die Frage, ob zwei auf dem Scheiterhaufen hingerichtete Frauen rehabilitiert werden sollen. Wir stellen die Positionen des Befürworters und des Gegners vor.

Die Frauen rehabilitieren

Andreas Vogt: "Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf möge Beschluss darüber fassen, dass die zwei als Hexen verurteilten und ermordeten Gerresheimer Frauen, Helena Curtens und Agnes Olmanns, unschuldig gesprochen und öffentlich rehabilitiert werden.

Der Rat möge der Bezirksvertretung 7 eine Empfehlung geben, zwei Straßen in Gerresheim nach den beiden Frauen zu benennen." (. . .) "Der Sinn der Schuldanerkenntnis liegt darin, dass die heute lebenden und politisch Tätigen die ethische Verantwortung dafür übernehmen, dass sich derartige Verbrechen nicht wiederholen." ( . . .) Es "besteht meiner Meinung nach eine ethische und moralische Verpflichtung - und eine einzigartige Chance für unsere Stadt.

Zudem kann die Landeshauptstadt Düsseldorf mit der sozialethischen Rehabilitierung ein öffentliches symbolisches Zeichen setzen gegen Gewalt gegen Frauen, Kinder, Andersdenkende, Andersgläubige, Andersaussehende, Minderheiten." (. . .) Gerade in Krisenzeiten wie heute, in der viele Werteorientierungen ins Wanken geraten, verschwinden, liegt in dem öffentlichen Erinnern an vergangene Schuld die Verpflichtung, sich über die Gefahren des nachlassenden sozialen Bewusstseins und der damit verbundenen Suche nach ,Sündenböcken? klar zu werden." (. . .)

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"Andere Stadträte in Deutschland haben bereits gezeigt, dass eine Rehabilitierung der als Hexen verurteilten Menschen kein Problem darstellt, beziehungsweise möglich ist und in die Kompetenz des Stadtrats fällt."

Das Urteil nicht anrühren

Bernhard Meisen: "Die Umstände des Prozesses von 1738 sind dem Rat zu wenig bekannt, um da ein umfassendes Urteil für eine Rehabilitation zu fällen. Der Rat würde dabei der Auffassung einer ,irrigen Theologie' Vorschub leisten, einer Einstellung, die ich als Theologe als diffamierend empfinde, und wozu der Rat nicht die fachliche Kompetenz hat.

Eine Rehabilitierung der Frauen hätte zur Folge, dass alle Justizfälle jener Zeit, wo Verbrennung oder Hinrichtung im Spiel sind, neu aufgerollt werden müssten, um individuelle, namentliche Gerechtigkeit unter allen Opfern walten zu lassen." (. . .) "Dass beide verurteilten Frauen in abergläubische Praktiken und phytotherapeutisches Detailwissen involviert waren, ist nach Stand der Akten unbezweifelt.

Zur Beurteilung ist dann auch immer entscheidend, wie die Gesetzeslage ist." (. . .) "Der Wunsch nach Zurückerhalt der ,Menschenwürde? für die Opfer ist ein Schuss in die Luft. Was früher gegenüber Menschen ,Alltagspraxis' war, ist heute meist überholt.Der offizielle Akt, den Opfern die ,Menschenwürde' zurückzugeben, würde nach unserer Sicht alle Teilhaber am Feudalsystem, die untergeordnet waren, zu Opfern einer ,irregeleiteten Politik' machen, da sie ,unterworfen' wurden. Damit würde man aber das Neue Testament und den Apostel Paulus kritisieren, der dieses System unterstützt hat."

Für den Fall, dass der Stadtrat oder ein anderes Gremium zu einer Erklärung kommt, die als Hexen verbrannten Frauen zu rehabilitieren will Meisen den Klageweg beschreiten.

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