Podcast mit Bassist der Toten Hosen: Als Andi in L.A. den Punk studierte

Podcast mit Bassist der Toten Hosen : Als Andi in L.A. den Punk studierte

Andi Meurer, Bassist der Toten Hosen, spricht in einem neuen Podcast über 38 Jahre Bandgeschichte. „Reflektor“ heißt die Sendung, in der er sich den Fragen des Musikerkollegen Jan Müller von der Gruppe Tocotronic stellt.

Campino und Andi waren 16, da fuhren sie zusammen nach England. Sie kamen beide aus Mettmann, sie waren Freunde, und sie waren Punks. In England kauften sie sich ein Ticket, das ihnen die freie Fahrt mit allen Bahnen im Land ermöglichte, sowie die legendäre Musikzeitschrift „New Musical Express“. Sie schauten in dem Magazin nach, welcher ihrer Helden gerade wo ein Konzert gab, und da reisten sie dann hin. Und weil sie nicht so viel Geld hatten, lebten sie von Toastbrot und einem Glas Erdbeermarmelade, das ihnen während einer Verschnaufpause in einem Seebad leider in den Strandsand fiel. „Danach knirschte es beim Kauen immer unangenehm“, sagt Andi.

Diese Geschichte erzählt der Bassist der Toten Hosen nun in dem zweieinhalb Stunden langen Podcast „Reflektor“, und den sollte man sich anhören, denn Andi Meurer hat noch viele andere Anekdoten, Episoden und Schnurren aus 38 Jahren Bandgeschichte parat. Außerdem kann er ziemlich gut erzählen. Der 57-Jährige ist zu Gast in der Sendung des Tocotronic-Bassisten Jan Müller, und der hat sich für diese Reihe vorgenommen, möglichst intensive und persönliche Interviews mit Musiker-Kollgen zu führen. Zumindest in der aktuellen Ausgabe ist ihm dies gelungen.

Müller (48) gibt sich gleich zu Beginn als Fan des Frühwerks der Toten Hosen zu erkennen, das Album „Opel-Gang“ habe ihn überhaupt erst auf das Genre Punkrock gebracht. Entsprechend aufgeregt wirkt er in den ersten Minuten denn auch. Andi Meurer berichtet von seinem Jahr als Austauschschüler in den USA, er bekam einen Platz in Los Angeles, und dort ging er so oft wie möglich in Musikclubs wie das berühmte „Whiskey a Go Go“ auf dem Sunset Strip. Er sah sie alle, die Dead Kennedys und Sham 69, und weil er kein Auto hatte und diese Stadt nicht gerade berühmt ist für ihren ÖPNV, dauerte die Busfahrt manchmal drei Stunden. Oft musste er bis zum nächsten Morgen warten, bis er wieder zurückkam.

In Amerika hat Andi Meurer das erste Mal einen Bass in die Hand genommen, er hat direkt zwei Saiten entfernt, weil er fand, dass die nur stören. Bei der Band ZK, in der Campino damals sang, arbeitete er als Roadie, so nannten sie das damals zumindest, die Ausrüstung passte in einen Ford Escort. Nach dem Ende dieser Band fehlte Campino etwas, er wollte doch lieber weiter Musik machen, und zwar mit Leuten, die er mochte. Also rief er erst Kuddel an, dann Andi. Und als sie überlegten, wen man noch dazuholen könnte, erinnerten sie sich an diesen Kerl, der beim Abschiedskonzert von ZK im „Okie Dokie“ in Neuss so gut aussah beim Tanzen. „Das ist Breiti“, soll Campino gesagt haben, „der kann auch Gitarre spielen.“ Den riefen sie dann auch noch an.

Besonders schön ist dieses Gespräch immer dann, wenn Jan Müller sich erinnert, wie das damals war mit ihm und den Toten Hosen. Er lebte in Hamburg, und in einem Plattenladen am Mönckebergbrunnen kaufte er das Album „Opel-Gang“. Er kaufte damals Platten immer gemeinsam mit Arne Zank, dem späteren Schlagzeuger von Tocotronic: Der eine bekam die LP, der andere das Cover und eine Kassette mit der aufgenommenen Platte. „Normal“, kommentiert Andi Meurer.

Dass er das Soloalbum von Felix Kummer, dem Sänger von Kraftklub, klasse finde, sagt Andi noch, dass er Nick Cave zuletzt drei Mal live erlebt habe und es jedes Mal toll fand und dass er die Gruppe Rogers aus Düsseldorf mag. Punkrock, findet er übrigens, sei eine Einstellung, dazu gehöre, dass Tickets nicht so teuer sind, dass man die Leute gut behandelt und sich um sie kümmert. Dass man seiner Band zuletzt oft vorwarf, sie würde ja gar nicht mehr punk sein, ficht ihn nicht an. „Das hören wir seit unserer zweiten Single.“ Die heißt „Reisefieber“ und erschien 1982.

Die beste Stelle ist allerdings jene, in der beide Musiker bekennen, dass sie keine Noten lesen können. Jan Müller hat zwei Kinder, und im Kindergarten sei er bei Festen gefragt worden, ob er die Kinder bei Darbietungen nicht begleiten wolle, er sei doch Musiker. Da musste er dann passen: „Ich kann es einfach nicht.“