Interview: Hans Wilhelm Reiners: Plötzlich Oberbürgermeister

Interview: Hans Wilhelm Reiners : Plötzlich Oberbürgermeister

Wie in Düsseldorf hat in Mönchengladbach bei der Stichwahl der Herausforderer gegen den amtierenden Rathaus-Chef gewonnen: Christdemokrat Reiners ist jedoch bereits im Amt und hat einige Tipps zum Start.

Herr Reiners, während in Düsseldorf der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erst drei Monate nach der Stichwahl ins Amt kommt, sind Sie in Mönchengladbach bereits seit Juni offiziell der neue Rathaus-Chef. Was sind die drei wichtigsten Dinge für einen guten Start?

Reiners Es steht mir natürlich nicht zu, Herrn Geisel Tipps zu geben ...

Sie können aber aus Ihrer Erfahrung berichten ...

Reiners Ganz oben stand bei mir, in der Stadtverwaltung anzukommen, viel mit den Leuten zu reden und mir ein Bild davon zu machen, was sie machen und wie sie arbeiten. Über den Flurfunk höre ich, dass das sehr gut ankommt. Zweitens ist es wichtig, die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik zu organisieren. Man ist gut beraten, zwar nicht zu vergessen, wo man politisch herkommt, das aber nicht zu demonstrativ vor sich herzutragen.

Und der dritte Tipp?

Reiners Das Wohlfühlen am Arbeitsplatz sollte nicht zu kurz kommen, das hat schließlich auch viel mit Motivation zu tun. Deshalb war es mir wichtig, meinem Büro einen persönlichen Touch zu geben. Ich habe zum Beispiel Plakate von einer Ausstellung im Museum Abteiberg aufgehängt, weil ich einen engen Draht zur Kultur habe.

Haben Sie schon Ihre erste Ratssitzung geleitet?

Reiners O ja. Die konstituierende Sitzung vor der Sommerpause. Sie dauerte mehr als acht Stunden.

Waren Sie aufgeregt?

Reiners Das hielt sich in Grenzen. Ich hatte Respekt vor den Formalien. Wichtig ist ein gutes Team.

Worauf kommt es an? Reiners Man muss seinen Arbeitsstil klarmachen. Mir ist Kollegialität ein Anliegen, ohne aufzugeben, der Chef im Ring zu sein. Jetzt habe ich aber das Master-Mikrofon in der Hand. Im Mönchengladbacher Ratssaal ist die räumliche Situation so, dass die Verwaltungsspitze leicht erhöht sitzt, also nicht mit der Politik auf Augenhöhe ist. Da hilft positive Spontanität. Die Perspektive ist mir nicht neu, weil ich vorher schon als CDU-Fraktionsgeschäftsführer auf dieser Seite des Saals saß.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie mit Ihrem neuen Amt plötzlich sehr viele neue Freunde haben?

Reiners Mir hilft, dass ich bereits seit 16 Jahren im Politikbetrieb bin. In dem neuen Amt muss man sich aber natürlich noch bewusster machen, dass viele nur deshalb freundlich zu einem sind. Und man ist gut beraten, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Denn mit dem Tag, an dem man nicht mehr im Amt ist, wird man für die meisten uninteressant. Wichtig ist, den privaten Freundeskreis, also die wahren Freunde, genauso weiter zu pflegen. Denn die werden mir bleiben.

Thomas Geisel will einen kleineren OB-Dienstwagen . Das ist bei Ihnen ähnlich ...

Reiners Ich bin bisher immer Smart gefahren, für mich ist ein Auto kein Statussymbol. Ich sehe aber ein, dass es in diesem Amt auch um Repräsentativität geht. Bisher war die E-Klasse mit 250 PS Standard, ich stufe das jetzt runter auf die C-Klasse oder den Mercedes GLK.

DENISA RICHTERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(dr)
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