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Barrierefrei ins Theater: Platz für Rollstuhlfahrer

Barrierefrei ins Theater : Platz für Rollstuhlfahrer

Wenn Christiane Andrée sich eine Inszenierung der Düsseldorfer Bühnen ansehen möchte, plant sie ein paar Tage im Voraus. Denn die 49-Jährige ist auf einen Rollstuhl angewiesen. In den Zuschauerraum der Komödie an der Steinstraße kommt sie nicht ohne Hilfe, weil die Bühne im Untergeschoss liegt.

Theaterleiter Paul Haizmann hat jedoch eine Lösung. "Wir führen unsere Gäste im Rollstuhl durch unser Café, dann in einen Flur und von dort aus direkt auf den Balkon im Theatersaal." Dort haben zwei Rollstühle Platz. "Mehr Nachfrage haben wir nicht", sagt Haizmann.

Auch zu Foyer und Zuschauerraum des Theaters an der Kö führt eine Treppe nach unten. Beim Umbau des Hauses wurde gut geplant, denn es gibt einen großen gläsernen Fahrstuhl. Vom Foyer aus in die hinteren Reihen geht es barrierefrei. Die vorderen Reihen direkt an der Bühne sind für Gehbehinderte schwer zu erreichen.

Erst geht es drei Stufen herauf, dann führen mehrere Absätze an den Reihen vorbei Richtung Bühne. Zuweilen nehmen Rollstuhlfahrer die Mühe in Kauf. Theaterleiter René Heinersdorf sieht darin kein Problem. "Rollstuhlfahrer kommen immer mit Freunden und Verwandten", sagt er. "Hilfe gibt es also immer — und wir packen auch gern mit an." Christiane Andrée sieht diesen Mangel gelassen. "Man kann nicht überall alles umbauen — es geht ja auch so, wie es ist."

Nach dem Umbau der Deutschen Oper am Rhein ist man auf Besucher im Rollstuhl vorbereitet. Es gibt allerdings eine Einschränkung: Die fest installierten Stühle werden erst ausgebaut, wenn Nachfrage besteht. Vom Parkett aus, das insgesamt 18 Reihen hat, blicken die Besucher dann von den Reihen 14 und 15 in Richtung Bühne. Man würde die Situation im Blick behalten, um für die Zukunft gewappnet zu sein, sagt Opern-Mitarbeiterin Tanja Brill. "Wenn die Nachfrage steigt, werden wir handeln."

Die Anzahl der Plätze für Rollstühle im Oberkasseler Theater an der Luegallee ist nicht begrenzt, weil die vorhandenen Stühle schnell weggestellt werden können. "Mit ein paar Handgriffen lösen wir die Verbindungen, schon haben wir Platz", sagt Theaterleiter Joachim Meurer. Das hat sich bei den Besuchern herumgesprochen: Pro Woche kommen sechs bis acht Rollstuhlfahrer.

Meurer erinnert sich an eine Vorstellung, zu der sich sieben Besucher mit großen Elektro-Rollstühlen angekündigt hatten. "Das war schon eine Herausforderung. Wir bauten pro Rollstuhl bis zu drei übliche Stühle ab." Wenn ein Rollstuhlfahrer ins Theater an der Luegallee kommt, erinnert ihn Meurer an die Bremsen am Rollstuhl. "Unser Zuschauerraum neigt sich etwas, da sollte die Bremse immer festgestellt sein. Wir möchten ja nicht, dass jemand ungewollt in Schwung kommt."

Gute Karten haben Rollstuhlfahrer im Schauspielhaus. "Wir haben für Rollstuhlfahrer bis zu acht Plätze", sagt Roland Büdenbender, Leiter des Besucherservice. Das ganze Haus ist barrierefrei: Vom Parkhaus führt ein Fahrstuhl direkt ins Foyer. Dort heißt es: bitte Umsteigen. Ein weiterer Lift bringt die Gäste bis auf die Ebene des Zuschauerraums. Stufenlos können die Rollstuhlfahrer ihren Platz in den Reihen neun und zehn einnehmen. Von dort aus haben sie einen guten Blick auf die Bühne, es gibt insgesamt 25 Reihen. Büdenbender und sein Team haben sehr gute Erfahrungen gemacht. "Unsere Vorstellungen bewerben wir gezielt bei Behinderteneinrichtungen", sagt Büdenbender. "Gäste und die Betreuer sind hocherfreut über diesen Komfort." Allerdings sind Anmeldungen nötig, denn die im Boden verschraubten Stühle müssen erst ausgebaut werden, um Platz für die Rollstühle zu schaffen.

Die Düsseldorf Marketing und Tourismus hat eine Broschüre erstellt, in der zu lesen ist, was die Konzertsäle, Kinos und Theater in Düsseldorf für Rollstuhlfahrer bieten. Unter Telefon 172020 kann die Broschüre bestellt werden.

(lod)