Platz für Joachim Erwin in Düsseldorf: "Kritik der Familie hat Eindruck gemacht"

Düsseldorf : "Kritik der Familie Erwin hat Eindruck gemacht"

Die Familie des verstorbenen Oberbürgermeisters hat sich massiv gegen eine Ehrung am Bilker Bahnhof ausgesprochen. Das hat die Debatte neu belebt. Für die Sitzung des Stadtrates am Donnerstag deutet sich eine Lösung an.

Im politischen Düsseldorf spricht sehr viel dafür, dass es einen Joachim-Erwin-Platz am Kö-Bogen geben wird. Nach einem Wochenende intensiver Kommunikation zwischen diversen Spitzenpolitikern gehen nun alle Entwicklungen in Richtung dieser Lösung der Debatte um die Ehrung des verstorbenen Oberbürgermeisters:

1. Aus dem Umfeld von Oberbürgermeister Thomas Geisel ist zu hören, dass die Kritik der Familie Erwin an der Lösung Joachim-Erwin-Platz am Bilker Bahnhof "Eindruck auf ihn gemacht" habe. Er wolle eine Lösung, die die Zustimmung der Familie Erwin findet. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das Straßenschild enthüllen, und die Familie ist nicht dabei", sagte Geisel auf RP-Anfrage. Alles weitere will der Verwaltungschef zunächst mit Hille, Angela und Markus Erwin besprechen und dann öffentlich bekanntgeben. Das Verhältnis zwischen OB und Familie wirkt angespannt, aber nicht zerrüttet. Die Familie hat Geisel nach RP-Informationen gestern zum Geburtstag gratuliert.

2. Die Grünen erklärten, sie wollten diese Frage nicht zu einer Machtdemonstration nutzen und würde deshalb keine Lösung gegen die CDU-Fraktion beschließen. Folglich würden sie der Bilker Lösung am Donnerstag im Stadtrat nicht zustimmen. Die Variante Kö-Bogen hatten sie bereits zuvor für sich ausgeschlossen.

3. Die FDP wird nach Angaben von Partei- und Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen den Vorschlag Kö-Bogen und für den eigenen Änderungsantrag zugunsten des Bilker Platzes stimmen. Die Liberalen sehen den Ausgang der Abstimmung aber unabhängig von der Ampel-Kooperation. "Wenn sich eine Mehrheit für den Kö-Bogen findet, werden wir das als Demokraten hinnehmen", sagte Strack-Zimmermann. "Uns geht es um Politik für die nächsten sechs Jahre, vor allem um den Haushalt. Die 5,50 Euro für das Straßenschild werden uns nicht auseinanderbringen."

4. Die CDU lehnt die Ehrung in Bilk ab und spricht sich für den Platz am Kö-Bogen aus.

5. Die SPD bleibt bei ihrer Position, beiden Lösungen zustimmen zu können und zu wollen.

Daraus ergibt sich, dass es eine kleine große Koalition (mit den Stimmen von CDU und SPD) für die Lösung Kö-Bogen gibt, die die Grünen durch Enthaltung oder Freigabe der Abstimmung für jedes Mitglied des Rates begleiten würden.

Daneben scheint nur ein anderer Verlauf der Stadtratssitzung denkbar: Das Thema verschwindet von der Tagesordnung und wird vertagt. Dies lehnt OB Geisel dem Vernehmen nach ab. Er will eine Lösung der Frage am Donnerstag.

Die erneute Wende in der Debatte hatte die breite Ablehnung in der Landeshauptstadt ausgelöst. Markus Erwin, Sohn des verstorbenen OB, erklärte in einem Brief, dass er die Debatte als "ehrabschneidend" empfinde und darauf hoffe, dass Geisel zu seinem Wort stehe. Bevor er eine derart unpassende Ehrung akzeptiere, laufe er lieber durch Düsseldorf und erfreue sich an den Dingen, auf denen nicht der Name seines Vaters stehe, die dieser aber verwirklicht und geprägt habe.

Rückendeckung erhielt die Familie von den mitgliederstärksten Vereinen. Die Düsseldorfer Jonges und die Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) plädierten einhellig dafür, dass dem Wunsch der Familie entsprochen werde. CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt sagte in diesem Zusammenhang: "Mit Rücksicht auf die Familie Erwin verwahren wir uns gegen dieses unwürdige und wortbrüchige Hin und Her."

(RP)