Fund aus dem 18. Jahrhundert: Plattbodenschiff für die Vitrine

Fund aus dem 18. Jahrhundert : Plattbodenschiff für die Vitrine

15 Meter ist das Schiff aus dem 18. Jahrhundert lang, dass Archäologen zurzeit aus dem Boden in Kaiserwerth graben. In Schleswig wird der historische Fund restauriert, in fünf Jahren in Düsseldorf ausgestellt.

Zur Hälfte ist das historische Plattbodenschiff von Kaiserswerther Schlamm befreit. Archäologen holen das etwa 15 Meter lange Holzboot aus dem 18. Jahrhundert, das bei der Deichsanierung am Herbert-Eulenberg-Weg entdeckt wurde, Stück für Stück aus dem Boden. Die Stadt hat derweil die Restaurierung des Wracks in Auftrag gegeben. In den Werkstätten von Schloß Gottdorf, in dem auch das Schleswig-Holsteinische Landesmuseen untergebracht ist, wird das Schiff fit für die Zukunft gemacht. Dann soll es irgendwo in der Stadt ausgestellt werden.

Wo, das steht noch nicht fest. "Es dauert etwa fünf Jahre, bis die Konservierung beendet ist, und das Schiff wieder nach Düsseldorf zurückkommt", sagt Stadtdirektor Helmut Rattenhuber. Es bleibt also noch ein wenig Bedenkzeit. Die Kaiserswerther würden den Fund natürlich gerne im Stadtteil behalten. "Vielleicht bietet sich aber auch einer der Düsseldorfer U-Bahnhöfe als Ausstellungsort an", sagt Rattenhuber.

Scherbe von 1743

Bevor es soweit ist, wird das Plattbodenschiff scheibchenweise zerlegt. Der Bug oder das Heck — noch können die Archäologen nicht beantworten, ob sie Anfang oder Ende des Bootes als erstes ausgegraben haben — ist bereits zerlegt und schwimmt in einem Container. Im Wasserbad transportieren Lkw die Holzstücke nach Schleswig. "Dort werden die einzelnen Teile schockgefroren", erklärt Helmut Luley, der Leiter des Fachbereichs Denkmalschutz beim Landschaftsverband Rheinland. "Anschließend wird unter Hochdruck ein Zucker-Chemikalien-Gemisch als Stabilisator ins Holz gedrückt." So kann das Plattbodenschiff gefahrlos die nächsten Jahrzehnte ausgestellt werden.

Eva Augustin und Patrick Jülich von der Duisburger Fachfirma "archaeologie.de" sorgen dafür, dass die Einzelteile nach der Konservierung problemlos wieder zusammengesetzt werden können. In der Grube in Kaiserswerth legen sie Zeichnungen von dem historischen Gefährt an, zudem vermisst ein 3-D-Laserscanner das Wrack. Aus dem Schlamm im Schiffsinneren haben sie inzwischen aber auch noch andere interessante Dinge gefischt: einen Pfeifenkopf aus Ton ("stark abgenutzt mit Schmauchspuren") und eine Scherbe mit der Jahreszahl 1743. "Jetzt können wir zeitlich einordnen, wann das Schiff im Einsatz war", sagt Luley. Zu welchem Zweck es eingesetzt wurde, ob als Fähr- oder Transportschiff, ist noch nicht geklärt.

Damit Augustin und Jülich in der Fundgrube am Deich vernünftig und im Trockenen arbeiten können, muss das Grundwasser permanent abgepumpt werden. Rund 1000 Kubikmeter Wasser befördern sechs Pumpen stündlich in den Rhein. Bisher läuft die Arbeit reibungslos. Sollte der Rheinpegel in den kommenden Wochen jedoch ansteigen, dann wären die Grabungen der Archäologen schnell beendet. Wird das Rheinwasser in die Baugrube gedrückt, ist technisch nichts mehr zu machen. "Wir hoffen aber, dass wir vorher das ganze Schiff gerettet haben", sagt Jülich.

Spätestens Mitte September, so die Vorgabe der Stadt, müssen die archäologischen Arbeiten beendet und das Plattbodenholzschiff auf dem Weg nach Schleswig sein. Sonst wird der Deich nicht pünktlich zur Hochwassersaison fertig.

(RP)
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