"Große Kunstausstellung" in Düsseldorf: Phantasien im Kunstpalast

"Große Kunstausstellung" in Düsseldorf: Phantasien im Kunstpalast

Die am Sonntag beginnende "Große Kunstausstellung" bietet diesmal mehr als sonst: ein Gastspiel der Klasse Richard Deacon aus der Kunstakademie, sizilianische Kunst beim Nachbarn Eon und eine exzellente Fotografie-Schau.

Die "Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf" im Kunstpalast am Ehrenhof gilt seit je als gute Gelegenheit, Bilder und Objekte unter Umgehung von Galerien fast unmittelbar beim Erzeuger zu erwerben.

Zwar bekommt der "Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen" für seine organisatorische Mühe ein Scherflein ab, dennoch liegen die Preise in der Regel weit unter den marktüblichen. Und wer Kunst von noch nicht etablierten Malern und Bildhauern erwirbt, kann sich zudem in dem Gefühl wiegen, dass er einen Beitrag zur Kunstförderung leistet.

Zu den regelmäßigen, mit einem Etat ausgestatteten Käufern zählen die Stadt Düsseldorf in Gestalt des Museums Kunstpalast und des Stadtmuseums sowie das Land NRW, dazu zahlreiche Sammler, die Jahr für Jahr ihre Kollektionen erweitern. Deshalb ist die "Große Düsseldorfer" bei den Künstlern, die sich um eine Teilnahme bewerben, ebenso beliebt wie bei denen, die sie mit Kaufabsicht betreten.

Das breite Publikum dagegen musste sich oft mit einer Schau aus Werken begnügen, die zwar eine Jury passiert hatten, aber doch meist ein wenig zusammenhanglos wirkten. Oft nahm sich die Große Düsseldorfer in ihrem Bestreben, möglichst allen etwas zu bieten, beliebig aus.

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Diesmal haben sich Michael Kortländer vom Verein mit dem umständlichen Namen und sein Team mehr und vor allem Besseres einfallen lassen als gewohnt. Die Klasse von Richard Deacon, Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, hat einen Raum mit neuesten Arbeiten gefüllt, das früher in die Gesamtschau gequetschte Gastspiel auswärtiger Künstler hat im Foyer des Nachbarn Eon ein eigenes Quartier bekommen - junge Kunst aus Sizilien -, und die Ausstellung des mit dem "Kunstpreis der Künstler" geehrten Fotografen Walter Vogel übertrifft viele ihrer Vorgängerinnen um Längen.

Den Mittelpunkt der Schau bildet unübersehbar eine bis an die Hallendecke reichende Installation des Düsseldorfer Künstlers Johannes Lenhart: eine Art Flak-Geschütz, anderthalb Tonnen schwer, das am oberen Ende eines Baumstamms die Zeichnung eines weiblichen Körpers trägt. Der Titel des Ungetüms lautet: "Optional: W . . . W . . . W . . ., (Die Freiheit führt das Volk)" - in Anlehnung an das berühmte Gemälde von Eugène Delacroix.

Im Übrigen füllt viel großformatige Malerei die Säle, weniger Fotografie als im Vorjahr, etliche Objekte - darunter Gerhard Hahns ausgeklügelte, Äußeres nach innen kehrende Terrakotta-Stahl-Plastik "Der Bauch der Stadt" - und ein bisschen Grafik, all das zu Preisen zwischen ein paar hundert Euro für Arbeiten auf Papier und jenen 38 000 Euro, die Lenhart für sein Revolutions-Geschütz fordert.

Der Düsseldorfer Walter Vogel erinnert in seinen Schwarzweiß-Fotografien an das Düsseldorf der 1960er Jahre, an eine Aktion von Joseph Beuys, dazu an das Ruhrgebiet (zum Beispiel mit zwei Schornsteinfegern auf Mopeds vor der Kulisse eines Stahlwerks) und an die Wiener Staatsoper jener Jahre, und zwar mit einem Blick hinter den Vorhang, zwei Minuten vor Beginn der Aufführung. Das alles ist perfekt inszeniert, hat Witz und noch dazu hohen dokumentarischen Wert.

Auf Industrie-Fotografie trifft man auch in der regulären Fotografie-Abteilung der "Großen Düsseldorfer": Boris Becker bietet den Erlwein-Gasometer in Dresden als Panorama an. Benjamin Katz, der Künstler- und Szenefotograf, bildet auf einem seiner drei nebeneinanderhängenden Werke Gerhard Richter ab, wie er in seinem Atelier auf seinen an den Schuhen schnuppernden Hund hinabblickt - unabhängig von der Frage nach dem künstlerischen Wert ein anrührendes Dokument.

Den jungen Sizilianern bei Eon sieht man das südliche Flair schon von fern an: ein bisschen verspielt, sehr poetisch, nicht ohne Ironie. Ricardo Brugnone lässt in einer Installation Putti in einem Regal übernachten; davor steht eine niedrige abgegessene Tafel, an der sie sich zuvor gesättigt haben. Süß - so lieben wir die Italiener, pardon: die Sizilianer. So viel politische Korrektheit muss sein.

(sap/csr)
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