Düsseldorf: PFT bleibt noch Jahre Thema in Norden

Düsseldorf : PFT bleibt noch Jahre Thema in Norden

Das Umweltamt hat einen Zwischenbericht vorgelegt. Noch sind keine großen Verbesserungen messbar. Der giftige Stoff hat sich aber auch nicht weiter ausgebreitet.

Seit 2015 läuft im Düsseldorfer Norden die Sanierung des durch perfluorierte Tenside (PFT) verunreinigten Grundwassers. Unter anderem wurden hydraulische Sperren errichtet, damit sich das verunreinigte Grundwasser nicht weiter ausbreitet. In der Bezirksvertretung 5 wurde nun ein Zwischenergebnis der Sanierungen vorgestellt und berichtet, welche weiteren Maßnahmen zur Reinigung des Wassers geplant sind. Fest steht: die Arbeiten werden sich noch über viele Jahre hinziehen.

Das bedeutet, dass das für Teile von Lohausen, Kalkum und Kaiserswerth aufgestellte Verbot, Grundwasser zum Wässern von Rasen- und Gartenflächen oder in der Landwirtschaft zu nutzen, weiter aufrechterhalten bleibt und vorerst bis 2027 Bestand hat. "Solch eine umfassende Sanierung ist Neuland, deshalb gibt es keine Erfahrungswerte und können wir noch keine genaueren Angaben zur Dauer machen", sagt Ingo Valentin vom Umweltamt.

Weiterhin wird davon abgeraten, Fische aus den Kaiserswerther Seen zu verzehren, zumal die PFT-Konzentration im Muskelfleisch der Tiere in den letzten Jahren weiter angestiegen ist. Das liegt daran, dass die Reinigung des Wassers in den vier Seen jetzt erst in Angriff genommen wird. Und dass es sich bei den untersuchten Fischen um Hechte und somit um Raubfische handelt. "Die fressen ebenfalls verseuchte Fische, so dass sich der Wert steigert", sagt Valentin. Das Schwimmen in den betroffenen Seen ist - wie in allen Baggerseen Düsseldorfs - ohnehin verboten.

PFT sind synthetisch hergestellte organische Stoffe, die in der Natur nicht vorkommen. Sie sind toxisch, nicht abbaubar und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Sie gelangten über Löschschaum an vier Stellen auf dem Flughafengelände in den Boden. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Feuerlöschübungsbecken, die Unfallstelle einer Frachtmaschine, die Feuerwache Nord des Flughafens und ein Tanklager. Diese Eintrittsstellen wurden bereits hydraulisch abgeschirmt, um eine weitere Ausbreitung des PFT zu verhindern. Zudem wurden Ende 2015 und im Frühjahr 2016 insgesamt drei Sanierungsbrunnen eingesetzt. Das abgepumpte verunreinigte Grundwasser wird von dort zu einer Sanierungsanlage auf dem Flughafengelände weitergeleitet und gereinigt. Seit Beginn der Sanierungsmaßnahmen konnten insgesamt 1,2 Kilogramm PFT dem Grundwasser entzogen werden. Das dies nicht wenig ist, verdeutlicht Valentin mit einem Vergleich. "Die Konzentration von PFT im Grundwasser kann man sich so vorstellen, als wenn man einen Würfelzucker in einem mittleren Stausee auflöst. Da sind dann 1,2 Kilogramm doch viel."

Eine weitere Grundwassersanierungsanlage soll bis Frühjahr 2019 in Kalkum gebaut werden. Zudem soll in Höhe des Lambertussees, der die höchsten PFT-Werte aufweist, durch eine Grundwasserförderung verhindert werden, dass das verunreinigte Wasser weiter Richtung See und Kaiserswerth fließt. Das aus zwei Sanierungsbrunnen geförderte Wasser wird über einen 170 Meter langen Kanal, der unter der B8n verlaufen wird, zur Anlage auf dem Flughafengelände geleitet. "Parallel dazu werden bis 2018 Sanierungsmaßnahmen im weiteren Verlauf der Schadstofffahnen geprüft", sagt die Verwaltung. Mit Fahnen wird die flächige Ausdehnung des verunreinigten Grundwassers bezeichnet. Deren Größe hat sich bislang nicht verändert, wie die Überprüfung von 235 Messstellen im gesamten betroffenen Gebiet durch das Umweltamt und den Flughafen ergeben hat. Der Flughafen ist es auch, der als Verursacher sämtliche Kosten für die Sanierungsarbeiten trägt.

(brab)
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