Ärger in der Carlstadt: Pflastersteine mit Asphalt überdeckt

Ärger in der Carlstadt : Pflastersteine mit Asphalt überdeckt

Die Anwohner am Carlstor, einer Sackgasse in der Carlstadt, sind empört: Die Stadt hat ohne Vorwarnung vor ihrer Haustür das Kopfsteinpflaster mit einer dicken Asphaltschicht zugedeckt – und damit, so die Bürger, auch das Flair.

Die Anwohner am Carlstor, einer Sackgasse in der Carlstadt, sind empört: Die Stadt hat ohne Vorwarnung vor ihrer Haustür das Kopfsteinpflaster mit einer dicken Asphaltschicht zugedeckt — und damit, so die Bürger, auch das Flair.

Als Claudia Siebers und ihr Mann sich vor zwölf Jahren entschlossen, in die Carlstadt zu ziehen, waren sie vor allem von dem historischen Flair dieses zentralen Stadtteils Düsseldorfs fasziniert: Die Straße vor dem denkmalgeschützten Haus, in das die Siebers' zogen, hieß damals noch Karltor, war mit alten Kopfsteinen gepflastert und wurde von Gaslaternen beleuchtet. Vor wenigen Jahren wurde die kleine Sackgasse am Spee'schen Graben in Carlstor umbenannt — was die Anwohner erst von den neuen Straßenschildern erfuhren —, die Gaslaternen sollen bald gegen LED-Leuchten ausgetauscht werden. Und das Kopfsteinpflaster wurde vor einigen Wochen mit einer dicken Asphaltschicht zugedeckt.

"Ich stand fassungslos am Fenster, war den Tränen nahe, weil das Pflaster doch zum Flair dieses Viertels dazugehört", sagt Claudia Siebers. Außerdem sei so hoch asphaltiert worden, dass es quasi keinen Bordstein mehr gibt. Die meisten ihrer Nachbarn teilen ihr Entsetzen über die nicht angekündigte Aktion der Stadt. "Die nehmen uns die Atmosphäre mit etwas, was wir gar nicht haben wollten", sagt Peter-Michael Surmann, der im selben Haus wohnt. Das sei umso verwunderlicher, da das Gartenamt gerade die Grünanlage Spee'scher Graben attraktiver gestalte. "Und gleichzeitig wird unsere Straße so modern verschandelt. Dabei war das Kopfsteinpflaster wunderschön."

"Ein reiner Flickenteppich"

Das sieht Roland Hahn, Vize-Leiter des zuständigen Amts für Verkehrsmanagement, ganz anders. Das Pflaster sei alles andere als hochwertig gewesen, habe aus Grauwacke bestanden. Das sei Ablagerungsgestein und nicht sehr haltbar. "Zudem war es wegen diverser Kanalbauarbeiten in der Vergangenheit keine intakte Pflasterstraße mehr, sondern ein reiner Flickenteppich", so Hahn. Sein Amt bemühe sich, Kopfsteinpflaster zu erhalten, wo dies noch Sinn mache. Am Carlstor sei das nicht der Fall gewesen. Anders als an Markt- und Hafenstraße oder Bäckergasse gelte dort auch kein Denkmalschutz für den Straßenbelag.

Claudia Siebers bestätigt, dass das Pflaster wegen diverser Vorarbeiten in keinem guten Zustand mehr war: "Seit Jahren wird hier immer wieder gebaut, natürlich geht dabei die Straße kaputt." Sie habe angesichts der breiten Diskussion über die neue Pflasterung in der benachbarten Altstadt gedacht, dass auch der sensible Innenstadtbereich Carlstor mit einbezogen werde. "Außerdem hätte man uns wenigstens informieren sollen, dass etwas und was passiert. Aber uns einfach kommentarlos die Straße zupampen — das geht nicht." Eine echte Notwendigkeit kann sie nicht erkennen: "Das ist eine Sackgasse, hier fahren die Leute höchstens mit ihrem Auto in die Garage." Vor einigen Jahren hatte noch Regisseur Sönke Wortmann vor Siebers Tür für seinen Film "Hardcover" gedreht. Aber mit dem flairlosen Asphalt tauge das Carlstor wohl kaum mehr zur Filmkulisse.

(RP)