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Peter Lindberghs Assistent und Freund öffnet in Düsseldorf sein Fotoarchiv

Kunst : Peter Lindberghs Mentor und Freund öffnet sein Fotoarchiv

„Ohne ihn wäre ich nicht der geworden, der ich bin“, hatte Peter Lindbergh einst über Hans Lux gesagt. Nun zeigt dieser 100 Fotos, einige waren in Düsseldorf entstanden.

Fünf Jahrzehnte umfasst die Retrospektive „Without Words“ zum Werk von Hans Lux, die am Freitagabend in der Galerie „Noir Blanche“ im Rahmen des Festivals „Düsseldorf Photo+“ eröffnet wurde, bevor die Schließung sämtlicher städtischen Kultureinrichtungen beschlossen wurde. „Ohne ihn wäre ich nicht der geworden, der ich bin“, hatte Peter Lindbergh über Hans Lux gesagt. Als dessen Assistent hat der 2019 überraschend verstorbene Fotograf vieles über sein Handwerk gelernt. Umso erstaunlicher, dass dies die erste Ausstellung überhaupt mit Arbeiten von Lux ist. „Er ist viel zu bescheiden“, sagt Galerist Volker Marschall über ihn. „Ich bin einfach nur faul“, stapelt hingegen Lux tief.

In der Galerie sind unter anderem Fotografien zu sehen, die in den 1960er Jahren auf dem damaligen Golfplatz der britischen Armee in Grafenberg entstanden sind. Dort befindet sich heute der Segelflugplatz. Andere Aufnahmen zeigen Akte, schnelle Autos (eine große Leidenschaft von Lux), Landschaften, private Aufnahmen oder Porträts. Letztere als Serie gerade erst im Februar entstanden.

Eine Wand ist der besonderen Beziehung zwischen Lux und Lindbergh gewidmet. Lindbergh, eigentlich Künstler, kam durch Lux zur Fotografie, assistierte ihm zwei Jahre lang in dessen Studio und verdiente seine Sporen in der Werbefotografie, bevor er nach Paris ging und den großen Durchbruch mit Modefotografie schaffte. „Ich habe ihn auf einer seiner letzten Pressekonferenzen zur Eröffnung der Schau in München erlebt“, erinnert sich Lux. Da habe Lindbergh schon sehr angeschlagen gewirkt. „Ich stand oben an einer Treppe und plötzlich schaute er hoch zu mir, zeigte auf mich und meinte zur versammelten Presse: ohne diesen Mann dort, wäre ich nicht der geworden, der ich bin“, fügt der 78-Jährige hinzu. Bei aller Bescheidenheit schwingt ein wenig Stolz in seiner Stimme mit. Lindbergh hatte ihm dies 2017 bereits schon einmal schriftlich gegeben: „Du bist an allem schuld“, ist auf einer Notiz für Lux zu lesen, die auch in der Ausstellung zu sehen ist.

Der Tod des zwei Jahre jüngeren Freundes, dem er über mehr als vier Jahrzehnte verbunden war, hat den Düsseldorfer schwer getroffen. „Es ist so traurig, dass er die Eröffnung seiner Retrospektive im Kunstpalast nicht mehr miterleben konnte“, bedauert der Mentor. Geplant war, dass Lindbergh auch zu seiner eigenen, immerhin ersten Ausstellung kommt. Die Eröffnung war für August geplant gewesen. Zur Vernissage wollte eigentlich Peter Lindberghs erste Frau Astrid kommen. Das Ehepaar hatte 1973 sein erstes Studio an der Ackerstraße. Doch das Coronavirus durchkreuzte ihre Pläne und man einigte sich darauf, dass sie im April anreisen wird, um die Ausstellung zu besuchen. Zugesagt hatten auch Sönke Wortmann und Armin Rhode. Doch auch Regisseur und Schauspieler blieben der Veranstaltung lieber fern. OB Thomas Geisel hingegen ließ es sich nicht nehmen: „In einer Zeit, in der sich innerhalb von 72 Stunden alles ändern kann, ist es die Kunst, die bleibt und auch in Krisen Bestand hat.“

Zu sehen waren rund 100 Fotografien aus dem mehr als 70.000 Aufnahmen umfassenden Lux-Archiv. „Hinzu kommen noch um die 7000 Polaroids“, sagt Volker Marschall. „Es wird auf jeden Fall noch weitere Ausstellungen und auch ein Buch über Hans Lux geben“, kündigt der Galerist an. Für ihn ist der bescheidene Fotograf „ein Diamant, der nur noch poliert werden muss, um zu glänzen“. Gefragt, unter welchen Kriterien er ausgewählt habe, erklärt Volker Marschall: „Die Bilder sollten eine Geschichte erzählen.“

Hans Lux ist mit dem, was er in der Galerie sieht, zufrieden. „Ich bin da einfach ein wenig bequem, wenn es um mein Archiv geht“, gibt er zu und ist froh, dass jemand anderes die Aufgabe übernommen hat, da ein wenig Ordnung hineinzubringen. Was macht denn für den Künstler und den Galeristen ein gutes Foto aus? „Das Auge muss es sehen, das Herz muss es treffen und den Verstand ansprechen“, sind sich die beiden einig. Und auf die Frage, was ihn immer noch antreibt auf den Auslöser zu drücken, verrät Lux: „Es macht mir einfach Spaß. Wenn es nicht so ist, wird es auch nichts“, ist er überzeugt. Lux hat nicht nur Lindbergh sehr beeinflusst, auch andere Fotografen und Fotografinnen verweisen auf ihn, darunter Beate Hansen, Emil Zander und Peter Godry. Auch mit Man Ray hat Hans Lux schon zusammengearbeitet.

Claudia Hötzendorfer