Peter Kürten war der "Vampir von Düsseldorf"

Exponat in einem amerikanischen Museum : Der Schädel des Serienmörders

Peter Kürten hat 1929 in Düsseldorf neun Menschen getötet. Monatelang hielt er Presse und Polizei zum Narren. Nach der Hinrichtung wurde sein Kopf nach Amerika gebracht und ist dort bis heute in einem Museum zu sehen.

Kürten, der vor beinahe 90 Jahren seinen ersten Mord beging und später als „Vampir von Düsseldorf“ in die Kriminalgeschichte eingehen sollte, hatte bis dahin unzählige Kriminalisten zum Narren gehalten, Trittbrettfahrer zu Bekennerschreiben ermutigt und Spiritisten und Hellseher auf den Plan gerufen. Hunderte Düsseldorfer verdächtigten ihre Nachbarn, psychisch Kranke beschuldigten sich selbst und eine ganze Stadt war in ängstlicher Aufruhr, während der vermeintlich spießbürgerliche Ehemann seine Opfer traktierte. Neun Morde und sieben Mordversuche gingen bis zur Urteilsvollstreckung auf das Konto des damals 46-jährigen Serienmörders. Und genug hatte er immer noch nicht. Als Scharfrichter Gröpeler zur Tat schritt, soll Kürten ihm zugeflüstert haben: „Sag, wenn mein Kopf abgeschlagen ist ... werde ich im letzten Moment das Blut aus meinem Hals fließen hören können? Das wäre eine Freude zum Ende aller Freuden!“ Zuvor hatte der Serienmörder eine ruhelose Nacht verbracht und Briefe an seine Frau und die Angehörigen der Opfer geschrieben.

Der Wohn- und Schlafraum der Eheleute Kürten war schlicht eingerichtet. Seiner Frau gestand Kürten die Morde. Foto: dpa

Nachdem das Fallbeil auf ihn herabgefallen war, wollten die Kriminologen nur noch eines wissen: Was geht ihm Kopf eines Serienmörders vor? Vor ihnen lag der gespaltene Schädel und die Wissenschaft schien sich brennend dafür zu interessieren, in die Untiefen eines Psychopathen abzutauchen. Bevor er im amerikanischen Kuriositätenkabinett „Ripley´s Believe It Or Not“ ausgestellt wurde, ging man auf Spurensuche. Nicht wirklich erfolgreich, wie man heute weiß. Was bleibt, sind die Details aus dem Leben des Peter Kürten. Zu seinen Opfern, die alle aus Düsseldorf stammten und die Kürten mit Hammer und Schere traktierte, gehörte Maria Hahn. Bei ihr wurde er leichtsinnig: Mit einem Bekennerschreiben lockte er nach etlichen weiteren Morden erst die Presse und dann die Ermittler zu diesem Tatort im Neandertal – und damit auf seine blutige Spur des Bösen.

In diesem Haus an der Mettmanner Straße wohnte Kürten. Foto: dpa

Es war keine gute Woche für die junge Frau gewesen, sie hatte gerade ihren Job bei einem Schriftsteller verloren. Dem wiederum hatte das „Lotterleben“ seines 20-jährigen Hausmädchens nicht gefallen. Zu viele Verehrer sollen an die Türe der hübschen, jungen Frau geklopft haben. Und die war einem gelegentlichen Stelldichein nicht abgeneigt. Jedenfalls soll es ausgerechnet eines der romantischen Rendezvous auf Parkbänken gewesen sein, das Maria Hahn an jenem verhängnisvollen 11. August 1929 in die Hände des Serienmörders Peter Kürten trieb. Nur einen Tag zuvor waren sich beide – das Mädchen und sein Mörder – auf einer Parkbank am Düsseldorfer Hansaplatz begegnet. Man plauderte miteinander, um schließlich am nächsten Tag in die Bahn ins Neandertal zu steigen. Dort angekommen, schlenderten beide zum Gasthof an der Stindermühle, wo einigen Gästen die liebenswürdige Zärtlichkeit des Pärchens auffiel. Später wird in den Gerichtsakten zu lesen sein, dass Kürten seinem Opfer Rotwein und eine Tafel Mauxion-Schokolade spendiert haben soll, bevor man miteinander unweit von Haus Morp im hohen Gras verschwand.

Peter Kürten wurde 1931 hingerichtet. Foto: Stadtarchiv

Ob es nun reine Mordlust war oder das Versagen beim Geschlechtsakt: Maria Hahn konnte ihrem Mörder nicht mehr entkommen. Mit einer Schere stach der wie besessen auf die junge Frau ein, um danach aus einer Halswunde das Blut seines wehrlosen Opfers zu trinken. „Dabei war ich sexuell erregt. Das Blut habe ich nachher wieder ausgebrochen“, gibt Kürten vor Gericht zu Protokoll. Vertieft man sich in die Details, so scheint es nicht verwunderlich, wenn der Historiker Hanno Parmentier im Nachwort seines Buches „Der Würger von Düsseldorf“ gesteht: „Beim Betrachten der Fotos mit den von Kürtens Hammerschlägen zertrümmerten Schädeln oder den von Scherenhieben zerfetzten Kinderkörpern musste ich zum Atemholen innehalten, dagegen sind CSI-Serien im Fernsehen ein eher appetitliches Vergnügen.“

Für Kürten selbst war nach dem blutrünstigen Sonntags-Spektakel in den Wiesen von Gut Papendelle jedenfalls noch lange nicht Schluss. Als die Kirchenglocken gerade zur Mitternacht läuteten, kehrte er mit einer Schaufel an den Ort des Verbrechens zurück, um sein Opfer einzugraben. Nachdem er sein blutiges Hemd in einem nahegelegenen Bach gewaschen und die Schaufel versteckt hatte, macht sich Kürten auf den Weg zur Frühschicht bei den städtischen Gaswerken. Rührselig sei das alles gewesen, mit einem Anflug von Tränen in den Augen: So gibt Kürten jedenfalls bei Gericht seinen mitternächtlichen Gefühlsausbruch zu Protokoll. Dass er bislang unbehelligt und von der Öffentlichkeit unbemerkt sein Unwesen treiben konnte, schien den Serienmörder allerdings zunehmend zu stören.

„Wiese, Wald, Mord. Gut Papendelle. An der angekreuzten Ecke an der Mauer liegt die Leiche.“ Sein lapidar dahingekritzelter Plan, den Kürten an die Düsseldorfer Zeitung „Die Freiheit“ schickte, sorgte schließlich dafür, dass seine Tage in Freiheit gezählt waren. Kürtens Bekennerschreiben brachte die Ermittler im November 1929 dazu, sich von Düsseldorf aus in Richtung Neandertal in Marsch zu setzen. Ausgerüstet mit Schaufeln und der vermeintlichen Lageskizze wurde auf besagtem Erkrather Gutshof kein Stein mehr auf dem anderen gelassen, bis man auf die sterblichen Überreste der Maria Hahn stieß. Zuvor hatte dort schon ein Landwirt den Strohhut und die Schlüssel der jungen Frau gefunden.

Endgültig auf die Schliche kam man dem Serienmörder jedoch erst etliche Monate und mehrere Morde später durch einen ganz anderen und äußerst eigentümlichen Umstand. Nachdem Peter Kürten im Grafenberger Wald erneut zudringlich geworden war, ließ er sein Opfer Maria B. dennoch laufen. Das sollte ihm zum Verhängnis werden, denn Maria B. schrieb einen Brief an ihre Freundin, um darin den Vorfall zu schildern. Irrtümlich wurde der Brief einem gänzlich unbeteiligten Ehepaar zugestellt, das die Polizei informierte. Da das Opfer zuvor in Kürtens Wohnung war, konnte man die Anschrift schnell ermitteln. Zur Festnahme führte ein von Kürtens Ehefrau inszeniertes Treffen, bei dem der Serientäter verhaftet und ein düsteres Kapitel der Düsseldorfer Kriminalgeschichte abgeschlossen werden konnte.

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