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Düsseldorf: Personalie Gudrun Hock in der Kritik

Düsseldorf : Personalie Gudrun Hock in der Kritik

Geisel verteidigt Beschluss, sie zur Geschäftsführerin bei Tochterfirma der Stadt zu küren. Aber auch in der SPD gärt es.

Gudrun Hock zur dritten Geschäftsführerin bei Düsseldorf Congress Sport und Event (DCSE) zu machen, stößt auf Widerstand und war gestern auch Thema beim ersten Treffen der Arbeitsgruppe Finanzen zur Vorbereitung der Ampel-Kooperation zwischen SPD, FDP und Grünen im Rathaus. Der Gruppe gehört auch OB Thomas Geisel (SPD) an, auf dessen Vorschlag die frühere Bürgermeisterin und Beigeordnete auf den mit 180 000 Euro dotierten Posten wechseln soll. Laut Teilnehmern bekräftigte Geisel erneut, dass Gudrun Hock sehr geeignet sei, auch ein Headhunter hätte sich am Ende für sie entschieden, so der Rathaus-Chef. Schließlich habe sich Hock massiv für die Zusammenlegung von Düsseldorf Congress und der Sportagentur eingesetzt.

Allerdings stößt die Personalie auch innerhalb der SPD auf Unverständnis. Vor allem gilt das aber für die potenziellen Bündnispartner Grüne und FDP: Sie machten laut Teilnehmern in der Sitzung deutlich, dass das Verfahren um den neuen Posten für Hock kein gutes Signal gewesen sei. Zum einen sei man nicht in dem Maße informiert worden, wie das zu erwarten gewesen sei. Der Tenor ist zwar, dass der OB über diese Personalie selbst entscheiden könne, jedoch gut beraten sei, die Ampel-Partner mitzunehmen. Nun wolle man Details der vertraglichen Strukturen sehen.

Geisel soll erneut betont haben, dass es möglich sein müsse, von der ehrenamtlichen Politik in die Wirtschaft zu wechseln. Einig ist man sich, dass Hock zunächst einen Dreijahres-Vertrag bekommt und die DCSE nicht dauerhaft drei Geschäftsführer haben soll. Hintergrund: Hilmar Guckert scheidet vermutlich 2017 als Geschäftsführer aus Altersgründen aus. Dann würde Hock - sollte sie sich bewährt haben - auf seine Stelle folgen und ihr Posten wegfallen. Zudem will man Verträge mit Geschäftsführern bei anderen städtischen Töchtern als Vergleich heranziehen.

Vor allem in der FDP ist man der Ansicht, dass Geisel die Kompetenz Hocks noch zu belegen habe. Ob man sich mit der Erklärung des OB nun zufrieden gibt, ist offen. In der SPD gibt es Stimmen, die die Person grundsätzlich ablehnen, aber auch das Verfahren kritisch sehen, weil es alte Vorurteile gegen die SPD wieder belebe.

An der Spitze der städtischen Tochterfirmen sitzen derzeit weitgehend Frauen und Männer ohne politische Vergangenheit. In der Vergangenheit kam der Wechsel von der Politik in diese Unternehmen bisweilen vor, auch aus Gewerkschaftskreisen landeten manche auf den Jobs der Arbeitsdirektoren - wie etwa bei der Rheinbahn und ihrem Arbeitsdirektor Klaus Klar. Der voriges Jahr im Oktober verstorbene Flughafen-Chef Christoph Blume war vorher Stadtdirektor und Planungsdezernent gewesen, auch der inzwischen ausgeschiedene Messe-Geschäftsführer Wilfried Moog kam aus dem Rathaus, allerdings, wie Blume, aus dem Beamtenapparat.

Dass Politiker auf bezahlte Jobs bei städtischen Töchtern wechselten, ist in jüngerer Zeit neu.

(RP)