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Patienten aus dem Ausland: Düsseldorf boomt bei Medizin-Tourismus

Patienten aus dem Ausland : Düsseldorf boomt bei Medizin-Tourismus

Sommergäste aus dem Ausland nutzen das vielfältige Angebot an Krankenhäusern und Praxen in der NRW-Landeshauptstasdt.

Wer weiß, vielleicht nutzt auch der Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Muhammad bin Raschid Al Maktum, das Angebot. Er bettet sein Haupt derzeit im Interconti. Sollte er die MED in Anspruch nehmen, so kann er sicher sein, nicht mehr zu zahlen als deutsche Privatpatienten.

"Wir haben einen Kodex", sagt Jan-Steffen Krüssel, Direktor des Kinderwunschzentrums am Universitätsklinikum (UKD) und Leiter des MED. Viele Patienten würden über Agenturen eingeschleust, die horrende Aufschläge nähmen. "Das geschieht bei uns nicht." Um die 200 Patienten vermittelt das Hotel aktuell im Jahr. Ein Mitarbeiter geht sechs Mal jährlich im Nahen Osten auf Tour und informiert über den Service des Hotels. Die Ärzte erhalten Schulungen, erfahren beispielsweise, dass man nicht gleich die Hand reichen sollte, vor allem Frauen nicht.

Nur zehn bis 15 Prozent der Patienten vereinbaren die Termine im Vorlauf. "Wenn das Wetter schlecht ist, wollen sie am Nachmittag mit der Familie zum Check-up", sagt Britta Kutz. Von Herz-Kreislauf- oder Rückenproblemen bis zur Frage nach einem Ernährungsprogramm reicht das Spektrum. Zumindest zeitnah klappt dies dann.

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Geht die Nachfrage zulasten der Kassenpatienten? Weder die Kassenärztliche Vereinigung noch die Ärztekammer hat von Klagen gehört. Die Mediziner hätten meist Kontingente für Kassen- wie für Privatpatienten, in denen die Touristen untergebracht würden. Im Breidenbacher Hof ist die Lage noch einmal anders, im Gebäudekomplex ist eine Privatklinik untergebracht. Haartransplantation inklusive - einer der Kunden war Fußballtrainer Jürgen Klopp.

Die Uni-Klinik hat ein "Coordinating Office for International Patients" eingerichtet. Von hier wird in die richtige Klinik überwiesen und auf Wunsch ein Dolmetscher gestellt. 2016 wurden mehr als 430 internationale Patienten stationär versorgt, rund 1000 gingen in eine Ambulanz. Zur Einordnung: Stationär gab es 50.400 Patienten, 270.000 wurden ambulant versorgt.

Dass trotz dieser Relation das Geschäft besondere Bedeutung hat, zeigt der Umstand, dass die Uni-Klinik erstmals im Ausland auf sich aufmerksam macht. Eine Ausnahme, die Diakonie oder der Verbund der Katholischen Kliniken (gut 300 Patienten aus dem Ausland) werben nicht international. Im April hingegen gab es in Dubai einen gemeinsamen Auftritt der Stadt mit der Uni-Klinik, dem Kaufhaus Breuninger und dem Melia Hotel auf der ATM, der größten Touristikmesse in der arabischen Region. Düsseldorf war Premiumpartner der Deutschen Zentrale für Tourismus.

In der aktuellen arabisch-englischen Broschüre "Welcome Rhineland" wird zwischen Kö-Bogen, Galopprennbahn und Gehry-Bauten auch auf Düsseldorfer Krankenhäuser und Privatkliniken aufmerksam gemacht. Für 2018 plant Düsseldorf Tourismus eine Roadshow nach Kuwait, Dubai und Oman, die Teilnahme an der Moskauer Luxus-Messe sowie bei der ATM Dubai.

Die Privatkliniken profitieren davon. Schönheitschirurgen, Vorsorge-Spezialisten wie Radprax am Flughafen, wo auch englisch und russisch gesprochen wird, oder ein Zahnarzt wie Hansjörg Lammers von der FirstBioDent-Tagesclinic in den Schadow Arkaden. Zu ihm kommen Ende August Patienten aus Singapur und bleiben vier Wochen für Entgiftungstherapien.

(ujr)