Bandidos und Hells Angels in Düsseldorf: Passant bei Rocker-Streit in Brust geschossen

Bandidos und Hells Angels in Düsseldorf: Passant bei Rocker-Streit in Brust geschossen

Die Polizei in Düsseldorf hat am Dienstag erstmals Einzelheiten zu dem Großeinsatz gegen Rocker am vergangenen Wochenende bekanntgegeben.

Anlass für das am Wochenende von der Polizei verhinderte Rockertreffen in der Altstadt soll eine seit einem Jahr schwelende Fehde zwischen Hell's Angels und Bandidos gewesen sein.

In der Neujahrsnacht dann wies ein den Bandidos nahestehender Türsteher drei Höllenengel an der Tür zu einem Club ab. Die Rocker kehrten wenig später mit einer großen Gruppe zurück, versuchten mit Heizpilzen und Verkehrsschildern die Tür aufzubrechen, die von den Türstehern verriegelt worden war. Als die Polizei Minuten später eintraf, waren die Glasscheiben der Tür und mehrere Heizpilze zertrümmert und die Angreifer verschwunden. Die Polizei fand sie in anderen Lokalen und stellte die Personalien fest.

Erst vier Stunden danach meldete sich ein 24-jähriger Altstadtbesucher bei den Beamten: Er hatte das Geschehen beobachtet und dabei einen Schmerz in der Brust verspürt. Erst später entdeckte er eine blutende Wunde: Sie stellte sich im Krankenhaus als Brust-Durchschuss heraus, verursacht von einem Querschläger, den der Reißverschluss seiner Jacke abgelenkt und dem jungen Mann so das Leben gerettet hatte.

Inzwischen hat die Polizei ermittelt: Einer der Türsteher des Clubs hat beim Angriff der Hells Angels durch die geschlossene Tür mindestens zwei Mal geschossen und soll auch Rocker verletzt haben. Ein Hell's Angel, den Beamte am Samstag in der Altstadt kontrollierten, hatte einen Oberschenkeldurchschuss. "Wir gehen davon aus, dass der vom Neujahrsmorgen stammt", sagte Roland Wolff, der den Einsatz am Wochenende leitete. Die Rocker machten dazu aber keine Angaben.

Polizei auf Rockerkrieg vorbereitet

Auch in Oberhausen hatten die Hell's Angels in der Silvesternacht eine Niederlage erlebt: Zwei aus ihrem Kreis waren bei einer Kneipenschlägerei verletzt worden. Als die Rocker sich zum Krankenbesuch trafen, verabredeten sie, am Abend in die Düsseldorfer Altstadt zu fahren. Die Polizei geht davon aus, dass eine Bestrafung des Türstehers geplant war. Die hat das Großaufgebot der Polizei verhindert.

Roland Wolff, der in Düsseldorf für Ermittlungen im Bereich organisierte Kriminalität zuständig ist, geht nicht davon aus, dass nun endgültig Ruhe ist. Zwar sind der 40-jährige mutmaßliche Schütze vom Neujahrsmorgen und ein Kumpel, der ebenfalls im Visier der Hell's Angels steht, seither verschwunden. Er könne aber nicht ausschließen, dass die Bandidos versuchten, in der Altstadt Fuß zu fassen, die die Hell's Angels als ihr Territorium betrachten. Man sei auf alles vorbereitet und werde einen Rockerkrieg, wie ihn Duisburg erlebt hat, in jedem Fall verhindern, sagte Wolff. "In der Altstadt haben nicht die Rocker das Sagen, sondern die Polizei."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei-Großeinsatz wegen vermutetem Rockertreffen

(sg)
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