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Paris Hiltons Kochvideo Cooking with Paris - was man lernen kann

Kleiner Gruß aus der Küche : Seien Sie mehr wie Paris Hilton – aber nur in der Küche

Ein Video sorgt bei Youtube für Furore: Paris Hilton kocht Lasagne. Beim Anschauen lernt man viel, findet unsere Autorin. Nur halt nichts über Nudelgerichte.

Haben Sie schon gehört, Paris Hilton kocht jetzt! Sie erinnern sich: Urenkelin des Hotelmagnaten, Teilerbin seines Vermögens, It-Girl der frühen 90er, Star einer Dokusoap und eines Pornofilms.

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Zweieinhalb Millionen Mal wurde das Youtube-Video „Cooking with Paris“ angeklickt, als diese Zeilen entstehen. Paris Hilton beim Herstellen von Lasagne zuzuschauen, ist – kulinarisch betrachtet – wie ein Verkehrsunfall: Man möchte das Ganze stoppen, hat aber nicht die Macht dazu.

Ich würde trotzdem empfehlen, ein paar Minuten wertvolle Lebenszeit auf das Video zu verwenden. Nicht wegen des Lasagne-Rezepts, da gebe ich Ihnen auf Anfrage gerne ein gutes. Interessant ist „Cooking with Paris“ vor allem wegen der Einstellung, mit der Frau Hilton an die Herstellung von Nahrung herangeht: nämlich unendlich relaxed und sehr, sehr selbstbewusst. Und das vom ersten Satz an: „Wie ihr alle wisst, bin ich eine großartige Köchin.“

An einer Stelle reibt sie Käse und erzählt, dass sie das nicht mehr gemacht habe, seit sie als kleines Mädchen ihrer Mutter geholfen habe. Nicht, dass man es ihr ansehen würde, aber Paris Hilton wird in den nächsten Wochen 39 Jahre alt. Man sieht ihr sehr deutlich an, dass sie 30 Jahre lang keinen Käse mehr gerieben hat. Und das weiß sie auch, denn als nächstes sagt sie: „Manche Leute würden das hier wahrscheinlich viel eleganter machen, aber ich hatte einen langen Tag.“ Sie klingt dabei ein bisschen gelangweilt, als habe sie das schon hundert Mal erklärt und wir hätten es einfach immer noch nicht begriffen.

Ich musste an dieser Stelle an meine Mutter denken, die einmal in Panik verfiel, als ein Kuchenteig, den man laut Rezept aus der Schüssel in die Form gießen sollte, einfach nicht fließen wollte, sondern mit einem Löffel aus der Schüssel in die Form befördert werden musste. Wo hätten Sie an dieser Stelle den Fehler gesucht – beim Rezept oder bei sich selbst? Ich weiß, was Paris Hiltons Antwort wäre. „Manche Leute würden jetzt in Panik verfallen, aber ich tue hier mein Bestes und das Resultat wird großartig sein.“

Auf einer Skala von meiner Mutter bis Paris Hilton lande ich etwas rechts von der Mitte, soll heißen: Es kommt öfter vor, dass ich mich beim Essen eines selbstgekochten Gerichts frage, warum mir eigentlich noch niemand einen Multimillionendollardeal für mehrere Kochbücher und eine Kochshow im Fernsehen angeboten hat, als dass ich heulend zusammenbreche und Nutella mit dem Finger aus dem Glas esse. Andererseits reichen ein bis zwei versiebte Mahlzeiten und ich fange an, sehr ernsthaft an mir zu zweifeln. Zum Beispiel gab es Samstag Burger. Leider war das (aufgetaute) Hack total krümelig und die (aus Gründen des Weizenverzichts selbstgebackenen) Brötchen kalt, weswegen die Burger zu essen einfach nicht so ein Vergnügen war wie sonst immer. Die Kartoffelsuppe, die ich für Sonntagabend gekocht hatte, entwickelte aus mir unerfindlichen Gründen nicht die gewünschte Sämigkeit. Klingt alles nach Kleinigkeiten, aber das Hauptproblem beim Kochen ist ja, dass man meistens eine bestimmte Vorstellung vom Endprodukt hat. Und wenn sich selbige nicht realisiert, enttäuscht ist. Weshalb die wichtigste Regel beim Kochen für Gäste ist: Vergiss niemals, dass die nicht wissen, was du eigentlich vorhattest. Ein zusammengefallenes Schoko-Soufflé ist halt zur Not ein schicker Chocolate-Lava-Cake und fertig. Nichts ist schlimmer, als wenn der Koch oder die Köchin bei Tisch das eigene Essen kritisiert. Nehmen Sie stattdessen einen Schluck Wein und sagen Sie: „Wie ihr wisst, bin ich eine großartige Köchin. Ich freue mich, euch ein köstliches Mahl zu servieren.“ Oder schlimmstenfalls: „Andere Leute hätten vielleicht ein Schokoladen-Soufflé serviert, aber ich hatte einen harten Tag, wie immer, und ich finde Chocolate-Lava-Cakes sowieso viel interessanter.“

Anders gesagt: Ich kann kaum glauben, dass ich das wirklich jemandem rate. Aber tun Sie es – seien Sie mehr wie Paris. Jedenfalls in der Küche.

Kulinarik-Kolumne Unsere Autorin schreibt jede Woche übers Einkaufen, Kochen und Genießen in Düsseldorf. Hier finden Sie die vorangegangene Folge. Anregungen bitte an ­helene.pawlitzki@rheinische-post.de.