800 Sexarbeiter in Düsseldorf Einige Prostituierte erhielten staatliche Unterstützung

Düsseldorf · Bis Mitte September war die Prostitution coronabedingt untersagt. Doch ein Teil der geschätzt 800 Sexarbeiter in Düsseldorf fiel nicht ins Bodenlose. Viele wurden vom Jobcenter unterstützt und waren dadurch sogar krankenversichert.

Die coronabedingten Einschränkungen für die Prostitution waren sechs Monate lang in Kraft.

Foto: dpa/Tom Weller

Die Corona- Pandemie hat den Blick für die Lebensumstände der Prostituierten in der Landeshauptstadt geschärft. Die Sexarbeit der geschätzt rund 800 Frauen und Männer hatte sich nach Inkrafttreten der Coronaschutz-Verordnung im Frühjahr in die Illegalität verlagert. Mehr als 70 Verstöße registrierten die Ordungsbehörden, Expertinnen von Beratungsstellen gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Seit zwei Wochen können die Leistungen wieder legal angeboten werden.

„Prostituierte dürfen in unserer Gesellschaft nicht stigmatisiert werden. Wir müssen sie im Alttag in sozialen und Gesundheitsfragen engmaschig begleiten“, sagte SPD-Ratsfrau Dorothea Düsedau im Gleichstellungsausschuss des Rates. Die Sozialdemokraten wollten wissen, wie Sexarbeiterinnen in Düsseldorf von der Stadt sowie anderen Trägern unterstützt werden.

„2019 haben wir 569 Frauen, drei Männer sowie sieben Trans-Personen, die sich prostituieren, beraten“, teilte Gesundheitsamtsleiter Klaus Göbels mit. 247 Mal wurden Frauen (und einige wenige Männer) telefonisch beraten. Die Gespräche hätten im Schnitt zwischen 30 und 45 Minuten gedauert. Insbesondere Berufseinsteigerinnen profitierten von den Informationen. „Oft geht es um Safer Sex, sicheres Arbeiten und seit dem Frühjahr natürlich auch um Covid-19“, berichten die Berater des Gesundheitsamtes.

Gegenüber dem Ordnungsamt, das gelegentlich Kontrollen in Bordellen und Wohnungen vornimmt, bleiben die Sexarbeiterinnen nach Einschätzung der Behörden zurückhaltend. Nur äußerst selten würden sie persönliche Probleme, Hilflosigkeit oder Zwangslagen direkt ansprechen.

Anders ist das bei sozialen und freien Trägern. In Düsseldorf kümmern sich vor allem die Aids-Hilfe, das Projekt „Aufwind“ von Flingern mobil, die Frauenberatungsstelle und die spendenfinanzierte Einrichtung RAHAB des Sozialdienstes katholischer Männer und Frauen um die Prostituierten, von denen viele aus Ost- und Südosteuropa stammen.

„Haben Sexarbeiterinnen mit angemeldetem Gewerbe in der Corona-Phase Ausfallzahlungen vom Jobcenter erhalten?“, wollte Grünen-Ratsfrau Angela Hebeler wissen. Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart bejahte das. Die Zahlungen seien inzwischen über Ende September hinaus verlängert worden. „Für viele war das eine Art Rettung, zumal sie damit auch krankenversichert sind“, betont Wilfart.

Von einem Verbot der Prostitution hält die Gleichstellungsbeauftragte nichts. „Das skandinavische Modell hat sich nicht bewährt. Man kann diese Form der Arbeit auf dem Papier verbieten, in der Lebenswirklichkeit lässt sie sich aber nicht verbieten. Ein Verbot treibt die Betroffenenen nur in die Illegalität – mit teils schwerwiegenden Folgen.“