Düsseldorf Pädophilie-Aufarbeitung: Grüner Ratsherr legt alle Ämter nieder

Düsselorf · Der Grüne Ratsherr Jens Petring hat alle politischen Ämter und Mandate niedergelegt. Der 58-Jährige zieht damit die Konsequenz aus seiner Rolle in der Pädophilie-Debatte in den 80er Jahren, wegen der die Grünen in den vergangenen Monaten bundesweit in die Kritik geraten sind.

 Jens Petring.

Jens Petring.

Foto: Grüne

Der Sozialarbeiter Petring gehörte seit 2009 dem Stadtrat an. Seine Schwerpunkte waren Kinder- und Jugendpolitik sowie Schulpolitik. Von 1995 bis 2000 war er Abgeordneter des Landtags.
Petring hatte sich in den 80er Jahren auf Landes- und Bundesebene in der Arbeitsgemeinschaft SchwuP engagiert, in der ein Teil der Mitglieder "einvernehmliche" sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Minderjährigen legalisieren wollte. Seine ablehnende Haltung zu solchen Ideen sei eindeutig, teilte Petring in einer schriftlichen Erklärung mit. Solche Beziehungen könnten nie einvernehmlich sein, weil die "entwicklungsbedingte Augenhöhe" fehle. Er habe sich aber damals instrumentalisieren lassen. "Ich habe mir aus heutiger Sicht vorzuwerfen, diese Positionen geduldet, toleriert und für diskutabel gehalten zu haben."

Petring räumt darüber hinaus ein, sich in der aktuellen Debatte zu spät seiner Verantwortung gestellt zu haben — offenbar wurde ihm dies in Verband und Fraktion vorgeworfen. "Dies und die unangemessene Verquickung meiner gegenwärtigen politischen Arbeit mit meiner Rolle in den 80er Jahren führt dazu, dass ich heute die einzig gebotene Konsequenz ziehe."

Wegen der aktuellen Debatte untersuchen auch die Düsseldorfer Grünen ihre Verstrickung in die Pädophilie-Debatte. Offenbar wurde dabei Petrings Rolle zum Thema. Laut Kreisverband haben sich in den Programmen der Grünen für die Kommunalwahlen von 1984-2009 bislang keine Textpassagen gefunden, die Pädophilie verharmlosen.

(csi)