1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Ostertisch im Hetjens-Museum in Düsseldorf

Hetjens-Museum : Das ist Düsseldorfs kostbarster Ostertisch

Das Team des Keramikmuseums Hetjens kreierte anlässlich des Festes diesen „Tisch des Monats“. Wertvolles Porzellan wartet auf die Besucher.

„Zu Ostern musste einfach was passieren“, sagt Daniela Antonin, die Leiterin des Keramikmuseums Hetjens. „Ich beriet mich mit meinem Stellvertreter Wilko Beckmann, und sofort sprühten die kreativen Ideen aus ihm heraus.“ Die Aktion „Tisch des Monats“ wird somit gerade fortgeschrieben, und das mit besonders kostbaren Schätzen aus dem Museum. Mit viel Liebe und Aufwand inszenierte das Team im früheren Tanzsaal des Gebäudes ein Ostern mit Blick in die Geschichte.

Das üppige Blütengesteck im Zentrum des Tischarrangements ist mit Eiern der beiden traditionellen Porzellanmanufakturen Meissen und Royal Copenhagen geschmückt. Der Eierschmuck ist zeitgenössisch, die Darstellungen sind der Bildwelt des 18. Jahrhunderts entlehnt. Von Antonin gibt es hierzu die unterhaltsame historische Einordnung: „Mit der Erforschung und Entdeckung der Natur im Zeitalter der Aufklärung erfreuten sich Vogeldekore zu Beginn des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Das ornithologische Interesse wusste ausgerechnet Madame de Pompadour zu fördern, die bekannte Mätresse von König Ludwig dem XV. von Frankreich. Madame de Pompadour schätzte die exotischen wie einheimischen Vögel in den königlichen Volieren sehr. Der elegante wie exotische Stil der französischen Mätresse bescherte der königlichen Porzellanmanufaktur Sèvres – trotz der Populärität der Meissener Manufaktur – einen ungeahnten Boom.“

Antonin ist Top-Expertin in diesem Segment, ihre Magisterarbeit schrieb sie über das Thema „Im Zeichen der Diplomatie: Das Vogelservice aus Sèvres: ein Porzellangeschenk für Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz“. Noch viel mehr hat die Vergangenheit fürs Osterfest zu bieten: Gefäße in Form eines brütenden Huhns stellte das Team auf den Tisch. Im englischsprachigen Raum werden sie als „Hen on Nest“ bezeichnet. „Seit etwa 1790 hat man die Hühner im englischen Staffordshire, aber auch in deutschen Manufakturen in Dresden und Thüringen produziert. Dieser ursprünglich aus China kommende Gefäßtyp war während des gesamten 19. Jahrhunderts überaus beliebt und war später, insbesondere in den USA, bei Sammlern überaus beliebt“, sagt die Direktorin. Äußerst selten ist wohl der Einsatz im Inneren erhalten, in den Eier zum Servieren gestellt werden können. Bei den Hühnern im Hetjens ist das der Fall.

Mit durchbrochenem Flechtwerk gestaltete Korbschalen finden sich ebenfalls auf dem Tisch. Sie dienten als Fruchtkörbe zum Dessert. Auch das Teeservice „Victoria“ der ungarischen Porzellanmanufaktur Herend (Gründung 1826), Lieferant auch für den Kaiserhof in Wien, ziert die frühlingshafte Ostertafel. Bekannt sind die Herend-Services auch durch die kaiserliche Sammlung von Sissi-Schloss „Gödöllö“, wie Antonin berichtet. Ein interessantes Detail verrät sie noch: „Das Teegedeck wurde nach der britischen Königin Victoria (1819-1901) benannt. Auch Herzogin Kate hat im Rahmen der besonderen Porzellantradition des englischen Königshauses ein Service der ungarischen Manufaktur als Staatsgeschenk zur Hochzeit mit Prinz William erhalten. Zur Geburt ihrer Tochter Charlotte und ihres jüngsten Sohnes Louis gab es je ein Kinderservice.“

Die Ostereier in den Bechern auf dem Tisch sind nicht antik, sondern frisch gefärbt vom Museumsteam. „Bereits in der heidnischen Vorstellung diente das Ei als das Symbol des Lebens und der Wiedergeburt. Seit dem 17. Jahrhundert war in Deutschland der Brauch bekannt, Hühnereier bunt zu bemalen, um sie als Osterschmuck zu verwenden. Diese Tradition stammt aus Russland und Armenien, wo dem Osterfest im orthodoxen Glauben eine größere Bedeutung zukommt als Weihnachten.“ Dazu stellten Antonin und Beckmann Kristallgläser aus den Goldenen Zwanzigern auf den Tisch und Dessertbesteck aus dieser Zeit.

Das Keramikmuseum Hetjens ist zurzeit geöffnet. Sollte die Notbremse in Kraft treten, dann könnte das von Mittwoch an auch Konsequenzen für den Publikumsverkehr in dem Museum haben.