Düsseldorf: Orkan Friederike zerzaust die Stadt

Düsseldorf : Orkan Friederike zerzaust die Stadt

Hauptsache keine Verletzten, sagt Feuerwehr-Dezernentin Helga Stulgies. "Wir sind glimpflich davon gekommen."

Um 15 Uhr hob Feuerwehr-Dezernentin Helga Stulgies den städtischen Krisenstab auf. Da hatte der Deutsche Wetterdienst seine Unwetter- schon in eine Sturmwarnung abgeschwächt und durch Düsseldorf wehte bloß noch ab und zu ein starker Wind. "Wir sind glimpflich davon gekommen und sehr glücklich, dass kein Mensch zu Schaden kam", sagte Stulgies, als sie am späten Nachmittag eine erste Bilanz nach "Friederike" zog.

Nachdem die Rheinbahn den Betrieb eingestellt hatte, bildeten sich am Taxistand an der Heinrich-Heine-Allee lange Warteschlangen. Foto: Stefani Geilhausen

Feuerwehr Die war bestens vorbereitet, hatte den Einsatz am Vortag geplant. Bis 21 Uhr wurden 620 Schäden gemeldet (bei "Kyrill" vor elf Jahren waren es doppelt so viele). Ein aufwendiger Einsatz beschäftigte die Retter an der Rethelstraße noch bis in die Nacht. Ein Kamin war durch den Sturm auf ein sechsstöckiges Haus gefallen, durchschlug das Dach und beschädigte das Treppenhaus. Ein zweiter Kamin wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und stürzte teilweise ein. Mehr als 60 Einsatzkräfte waren vor Ort. Verletzt wurde niemand.

An der Ringelsweide in Friedrichstadt riss am fünften Stock eines Mietshauses ein Balkon ab. Zum Glück war niemand auf dem Gehweg. Foto: Gerhard Berger (4)
Sturm "Friederike": So stark hat der Orkan die Region erwischt

Bäume So schlimm wie Pfingsten 2014, als "Ela" Düsseldorfs Baumbestand erheblich dezimierte, war es nicht. 70 Bäume an Straßen und in Parks stürzten um. Dabei wurden auch mehrere Autos und Wohnhäuser beschädigt. In den Forstgebieten fielen rund 600 Bäume.

Am Oberlandesgericht und am Sitz der Bezirksregierung an der Cecilienallee sicherte die Feuerwehr die Dächer. Foto: Gerhard Berger

Friedhöfe Sie wurden am Vormittag gesperrt, sechs Beisetzungen mussten abgesagt werden. Die Vorsicht war nötig: Bis zum Nachmittag waren 50 Bäume auf den städtischen Friedhöfen umgestürzt.

Die Tennisgemeinschaft Lörick büßte ihren einzigen Winterplatz ein- die Traglufthalle fiel in sich zusammen. Foto: Gerhard Berger

Parks Die Feuerwehr rät noch vom Betreten ab. Der Wildpark Grafenberg ist besonders schwer getroffen, bleibt vorerst gesperrt. Hart traf es den Benrather Schlosspark, wo ein Baum in die Orangerie einschlug.

An der Heerdter Landstraße drohte ein Baum auf ein Wohnhaus zu kippen - die Feuerwehr stoppte die Gefahr. Foto: Gerhard Berger

Bahn Die Rheinbahn stellte erst den Bus- und Straßenbahnverkehr, später auch die U-Bahnlinien ein. Zu viele Oberleitungen waren beschädigt oder abgerissen. Prompt wurden die Taxis knapp. Im Hauptbahnhof strandeten 1000 Reisende, als die Deutsche Bahn auch den Fernverkehr einstellte.

Ein Ahornbaum stürzte an der Inselstraße um, beschädigte vier Fahrzeuge, darunter diesen Golf. Foto: Feuerwehr

Flughafen 37 Flüge wurden annulliert, der Skytrain-Betrieb musste eingestellt werden. Die Besucherterrasse blieb geschlossen.

An der Cranach-/ Ecke Lindenstraße konnte die gewaltige Wurzel den Baum nicht mehr halten. Die ausrangierten Weihnachtsbäume wurden vielerorts über die Straßen geweht. Foto: Andreas Bretz (2)

Schulen Am frühen Morgen forderte die Stadt Eltern auf, ihre Kinder entweder bis 11 Uhr abzuholen oder bis nach dem Sturm in den Schulen zu lassen. Das habe gut funktioniert, sagt Helga Stulgies. Viele Eltern sahen das anders.

Eine Motorradgarage aus Planen schützt nicht gegen einen Sturm wie Friederike, der nicht nur hier in Oberbilk Zweiräder durcheinander wirbelte. Foto: Bretz Andreas

Flüchtlinge Die Dächer der Flüchtlingswohnheime an der Moskauer Straße und In der Niesdonk wurden teilweise abgedeckt, rund 100 Bewohner mussten in freie Unterkünfte umgesiedelt werden.

Verkehr 22 Ampeln fielen aus, mehrfach kam es zu Störungen im Stromnetz. 1000 Straßenlaternen blieben dunkel, die meisten waren Gaslaternen, denen "Friederike" die Zündflamme ausgepustet hatte.

Dächer Überall im Stadtgebiet wurden Ziegel aus den Dächern gerissen, auch vom Rathaus und dem Oberlandesgericht an der Cecilienallee, wo die Höhenretter zum Einsatz kamen.

Besonders spektakulär An der Ringelsweide in Friedrichstadt riss der Orkan einen Balkon ab.

Besonders glücklich Während ein Feuerwehrmann an der Brehmstraße in 25 Meter Höhe ein Dach sicherte, rammte ein Lkw die Drehleiter. Der Feuerwehrmann blieb unverletzt, das Drehleiterfahrzeug ist nicht mehr einsatzfähig.

(RP)