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Vier Italiener und drei Iraner in Düsseldorf festgenommen: Opium-Rekordfund wegen Afghanistan-Kriegs eingeschmuggelt?

Vier Italiener und drei Iraner in Düsseldorf festgenommen : Opium-Rekordfund wegen Afghanistan-Kriegs eingeschmuggelt?

Düsseldorf/Wuppertal (AFP). Der Rekordfund von fast fünfeinhalb Zentnern Roh-Opium Mitte Dezember in Düsseldorf, könnte mit den Kriegswirren in Afghanistan und dem benachbarten Iran zusammenhängen. Nach Behördenangaben vom Freitag wurde das am 18. Dezember in Düsseldorf beschlagnahmte Opium möglicherweise nach Deutschland geschmuggelt, weil den Drogendealern der Boden in der Kriegsregion "zu heiß" geworden war. Bei einem Großeinsatz mit 200 Beamten hatte die Polizei in einem Auto und in einer Wohnung in Düsseldorf insgesamt 270 Kilo Roh-Opium im Schwarzmarktwert von rund drei Millionen Euro sichergestellt - die größte Menge in der Geschichte der Bundesrepublik. Roh-Opium dient als Grundstoff für die Herstellung von Heroin.

Wuppertals Polizeipräsident Joachim Werries sprach von einem "großen Erfolg" im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden bei dem Einsatz vier Italiener und drei Iraner im Alter zwischen 28 und 56 Jahren festgenommen. Die Männer aus dem Großraum Düsseldorf sollen das in Pakete verpackte Roh-Opium in der Düsseldorfer Wohnung gelagert und dort mit Hilfe eines Fleischwolfs für den Verkauf in handliche Portionen zerlegt haben. Neben den Inhaftierten werde gegen eine ganze Reihe weiterer Verdächtiger ermittelt, sagte der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Alfons Grevener: "Wir haben noch eine ganze Menge Arbeit vor uns."

Auf die Spur der Düsseldorfer Gruppe kamen die Fahnder nach eigenen Angaben durch Ermittlungen in Solingen, die mit dem späterem Zugriff in Düsseldorf zunächst nicht in Verbindung standen. Im Zuge der Nachforschungen boten jedoch Mitglieder der gewaltbereiten Gruppe verdeckten Ermittlern aus Wuppertal insgesamt 100 Kilo Roh-Opium zum Verkauf an. Angesichts dieser großen Menge reagierten die Beamten zunächst misstrauisch auf das Angebot der Verkäufer, betonte der Wuppertaler Kommissariatsleiter für Organisierte Kriminalität, Wilfried Thielen. Immerhin liege die Menge des bundesweit beschlagnahmten Roh-Opiums im Jahresdurchschnitt nur zwischen 50 und 70 Kilo.

Dennoch gingen die Fahnder auf das Angebot ein und vereinbarten nach mehreren "Probekäufen" von jeweils ein bis fünf Kilo für den 18. Dezember die Übergabe von 65 Kilo des Heroin-Grundstoffs auf einer Autobahnraststätte. Da die Täter jedoch Wind von dem bevorstehenden Polizeieinsatz bekamen, griffen die Beamten bereits vor dem vereinbarten Zeitpunkt in Düsseldorf zu und nahmen in spektakulären Aktionen sechs Verdächtige an verschiedenen Stellen der Innenstadt fest. In einem Auto fanden sie die "bestellten" 65 Kilo Roh-Opium, in der Wohnung der Gruppe im Stadtteil Derendorf weitere 205 Kilo. Der siebte Verdächtige, ein 50-jähriger Iraner, wurde tags darauf in Essen festgenommen; er soll die Drogen in der Düsseldorfer Wohnung deponiert haben.

Thielen zufolge machten die Festgenommen bislang "keine detaillierten Aussagen". Alle Verdächtigen hätten "unauffällig gelebt". Lieferwege des Roh-Opiums nach Skandinavien, in die USA und Großbritannien deuten nach Einschätzung der Ermittler darauf hin, dass die Gruppe international tätig war. Unklar blieb zunächst, wieviel Geld die Düsseldorfer Gruppe vor ihrer Festnahme mit Drogengeschäften umsetzte.

Roh-Opium kann laut Thielen entweder in Opiumpfeifen direkt konsumiert oder ohne großen Aufwand zu Heroin weiter verarbeitet werden. Dazu seien lediglich ein "kleines Labor und wenige chemische Kenntnisse" erforderlich. Opium wird vor allem in Afghanistan, Irak und der Südtürkei aus Schlafmohn gewonnen.